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Elternbildung
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 Der Wenn-dann-Plan

Dabei haben mir zwei Strategien geholfen, die Sie mit Ihrem Kind üben können: das Imaginieren und sogenannte Wenn-dann-Pläne. Ein Wenn-dann-Plan verknüpft eine Situation mit einer Handlung: Wenn Situation x, dann mache ich y. Immer, wenn ich den Seminarraum verlassen will, schaue ich nochmals zurück, ob ich alles mitgenommen habe. Dieser Wenn-dann-Plan wird nun in der Vorstellung geübt: Ich stelle mir dazu mehrmals vor, wie ich ein Seminar beende, zusammenpacke, zur Tür gehe – und mir dann sage: Halt! Schau zurück! Und dabei beispielsweise das Laptopkabel entdecke, das noch in der Strombuchse steckt. 
Vergessliche Kinder haben Mühe, sich an eine Absicht zu erinnern und sich dabei nicht von anderen Reizen ablenken zu lassen. 
In diesem Beispiel wird die Türe zum Signal, das mich aus Gesprächen oder Tagträumen herausreisst und mich an die Handlung «Zurückschauen» erinnert. Einem Jungen im Coaching hat die Mutter einen ähnlichen Ablauf geschildert und dabei die Schulzimmertür als Zaubertüre beschrieben, die sich nur mit Hilfe eines Zauberspruchs öffnen lässt: In Gedanken muss der Junge die Formel «Ich habe an alles gedacht, ich habe alles dabei» murmeln, dabei die Einträge im Hausaufgabenheft nochmals überprüfen und dann durch die Tür treten. 

Eine ähnliche Strategie besteht darin, Handlungen zu verknüpfen, bis sie eine fixe Abfolge bilden. Als Kind hatte ich diese Strategie verwendet, um an den Turnsack oder die Jacke zu denken: Beim Binden der Schuhe habe ich mir die folgende Anweisung gegeben: «Schuhe binden, aufstehen, umdrehen, Sachen vom Haken nehmen.» Diesen Ablauf habe ich zu Hause mehrmals im Trockenen geübt, bis er sich natürlich anfühlte. Fassen wir zusammen: Sie können Ihrem Kind helfen, wenn: 
 
  • Sie mit ihm eine Situation oder Handlung finden, die zum Auslöser wird («immer wenn ich …»),

  • eine Handlung damit verknüpfen (« ...dann mache ich…»)

  •  und diese Verknüpfung mit ihm trainieren (es läutet, du packst deine Sachen zusammen und denkst dabei an … Du gehst zur Tür und schaust nochmals zurück. Du sagst dir: Immer wenn ich zur Tür komme, schaue ich zurück, ob ich alles habe. Jetzt überprüfst du nochmals, ob …). 

Diese Methode hilft bei allen Situationen, die häufig auftreten und auf die man sich entsprechend vorbereiten kann. Daneben gibt es viele Ausnahmen, bei denen Ihr Kind auch in Zukunft einiges vergessen wird – für alle diese Situationen wünsche ich Ihnen und Ihrem Kind eine gesunde Portion Gelassenheit.

Zum Autor:

Fabian Grolimund ist Psychologe und Autor («Mit Kindern lernen»). In der Rubrik «Elterncoaching» beantwortet er Fragen aus dem Familienalltag. Der 38-Jährige ist verheiratet und Vater eines Sohnes, 6, und einer Tochter, 3. Er lebt mit seiner Familie in Freiburg. www.mit-kindern-lernen.ch, www.biber-blog.com

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