Herr Niethammer, wenn man Ihre Editorials liest, in denen Sie bisweilen auch etwas von sich preisgeben, meint man, Sie ein wenig zu kennen. Aber man weiss nicht wirklich, wer Sie sind.
Das ist mir durchaus recht.
Lassen Sie uns das heute ein wenig ändern. Erstens, zweitens, drittens: Womit verbringt der Chefredaktor von «Fritz+Fränzi» am meisten Zeit?
Mit Reden, mit Nachdenken. Und mit dem Lesen von Texten. Ich rede wahnsinnig gerne mit meinem Team, vor allem mit Evelin Hartmann, meiner Stellvertreterin. Wir reden über Familie, über Erziehung, über Kinder, über das nächste Heft. Und ich lese viele Texte, die uns zugeschickt werden, auch Texte von Autorinnen und Autoren, die wir beauftragt haben. Und dann denke ich über all das nach.
Der Druck, den man sich als Eltern selber macht, aber auch der Druck, der von aussen kommt, hat sicher zugenommen.
Sie haben den Finger am Puls der Schweizer Eltern. Was beschäftigt Familien derzeit am meisten?
Ich glaube, das Elternsein an sich ist maximal herausfordernd. Es ist vielleicht das letzte grosse Abenteuer unserer Zeit. Darauf muss man sich einlassen. Elternsein führt zu extremen Gefühlen der Verbundenheit und Zuneigung. Elternsein heisst aber auch scheitern, heisst immer wieder Fehler machen, registrieren, dass vieles anders ist, als man es sich vielleicht vorgestellt oder gewünscht hat.
Ist Elternsein heute schwieriger als früher?
Der Druck, den man sich selber macht, aber auch der Druck, der von aussen kommt, hat sicher zugenommen. Wir leben in komplizierten, herausfordernden, ja bedrohlichen Zeiten. Wenn ich zurückdenke an meine eigene Kindheit, lautete die wichtigste Frage: Dürfen wir nach dem Znacht noch mal raus? Heute diskutiere ich mit meinen Kindern über Cybermobbing, problematische Inhalte auf Social Media, sie stellen Fragen zum Klimawandel, zu Kriegen und Bedrohungen, zu einer unsicheren Zukunft.

Aus Elternsicht scheinen mir drei Themen zu dominieren. Vereinbarkeit, Bildschirmzeiten und ADHS. Gehen wir die drei gemeinsam durch. Thema Nummer eins: Wie bekommt man Familie und Beruf unter einen Hut?
Ich glaube, das Wichtigste ist, dass Eltern dieses Thema ausgiebig besprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Also nicht, dass der eine vorgibt, wie er es gerne hätte, und der andere das einfach mittragen muss. Meine Mutter hat sich damals entschieden – auch ein bisschen auf Druck meines Vaters –, ihren Beruf aufzugeben, als die Kinder kamen. Und sie hat uns – ich habe einen älteren Bruder und eine jüngere Schwester – später manchmal spüren lassen, dass sie das eigentlich bereute. Ich habe mir immer gesagt, wenn ich je Familie haben sollte, werde ich auf jeden Fall zusehen, dass das nicht passiert.
Wie sieht das genau aus bei Ihnen?
Ich arbeite 80 Prozent, leiste einen Anteil an der Familien- und Erziehungsarbeit. Wobei ich gelernt habe, dass ein Mann besser nicht sagt: «Ich unterstütze meine Frau.» Viel effektiver ist es, wenn der Mann ganze Bereiche komplett übernimmt und schaut, dass er sie gut ins Ziel bringt.
Was sind Ihre Bereiche?
Wenn immer zeitlich möglich, kümmere ich mich um die Wäsche und den Einkauf, kommuniziere mit der Schule, koordiniere den Familienkalender und unsere Ferien. Und übernehme handwerkliche Arbeiten im Haushalt.
Was würden Sie anderen raten, wenn es um Vereinbarkeit geht?
Idealerweise wäre die Aufteilung 50:50, und wir kennen Familien, die das praktizieren, aber oft ist es vom Berufsbild her gar nicht möglich. Und es gibt ja auch andere Modelle als die reine Kernfamilie. Ich lebe zum Beispiel in einem Mehrgenerationenhaus. Meine Schwiegermutter, sie wird in diesem Jahr 80 und ist noch sehr rüstig, engagiert sich stark bei der Erziehung der Kinder. Das ist ein Geschenk. Meine Frau ist Reisejournalistin und viel unterwegs – ohne Schwiegermama würde unser Familienkonstrukt nicht funktionieren.
Mich beeindruckt, wie sich Väter heutzutage viel stärker in der Familie engagieren.
Thema Nummer zwei: Bildschirmzeit.
Ein mühsames Thema. Belastend. Und es ist wahrscheinlich das Thema, das bei Familien heute, meine mit eingeschlossen, am meisten für Streit sorgt. Grundsätzlich denke ich: Erziehung heisst Vorbild sein und das betrifft insbesondere die Medienerziehung. Also schauen meine Frau und ich immer auch, wie unsere Mediennutzung ist, wenn wir bei den Kindern ansetzen und sagen: Legt mal die Handys weg. Und da sind wir nicht die allerbesten Vorbilder, muss ich leider zugeben.
Thema Nummer drei: ADHS. Die Diagnose ist so weitverbreitet, wäre es da nicht sinnvoller, erst mal alle Kinder zu medikalisieren und dann zu testen, wer es nicht hat?
Wir hatten neulich ein Interview mit dem Soziologen Pascal Rudin, der umgekehrt sagte, dass heute zu schnell diagnostiziert und medikalisiert werde. Es gab einen kleinen Shitstorm. Ich bin alles andere als ein Experte, was ich aber nicht glaube, ist, dass ADHS eine Art Superkraft ist. Der Leidensdruck, der mit dieser neurologischen Besonderheit einhergeht, ist für die Betroffenen und ihr Umfeld erheblich.

Nun wollen wir Sie ein wenig kennenlernen. Wie sind Sie aufgewachsen?
In einfachen Verhältnissen. Mein Vater war Schriftsetzer, ein Beruf, den es heute nicht mehr gibt. Wir wohnten zu fünft in einer Vierzimmerwohnung, ich teilte das Zimmer mit meinem Bruder, bis ich 18 war. Hausaufgaben musste ich am Küchentisch erledigen, weil es in den Kinderzimmern zu eng war. Wir konnten auch nie gross Freunde einladen, es war einfach kein Platz. Der Vater sass oben am Tisch und wir Kinder haben nur gesprochen, wenn wir gefragt wurden. Und doch fühlten wir uns aufgehoben und geliebt, ich hatte eine recht unbeschwerte Kindheit.
Was meinen Sie mit unbeschwert?
Hinter unserem Hochhaus gab es einen Abenteuerspielplatz. Eine Baufirma nutzte das Gelände als Abstellplatz, und wir sind auf einem alten Kran herumgeklettert, sind barfuss in rostige Tanks gestiegen. Ich bin auf Rollschuhen auf der Strasse gefahren, und es kam kein Auto, weil es kaum Autos gab. Das meine ich mit unbeschwert, und ich fürchte, diese Zeit kommt nicht wieder. Ich würde mir wünschen, dass mehr Kinder diese Unbeschwertheit heute so erleben könnten, wie ich sie erleben durfte.
Würden Sie sagen, das war früher besser?
Ja.
Und was war schlechter?
Eltern verfügten über viel weniger Wissen. Wenn heute etwa Fabian Grolimund in einer Kolumne mögliche Gründe und Ursachen aufzeigt, warum sich ein Kind in manchen Situationen verweigert oder unglücklich ist, dann hilft diese Information Eltern in ihrem Erziehungsalltag, besser auf ihr Kind einzugehen. Früher gab es diese Erkenntnisse nicht. Oder sie wurden den Eltern nicht vermittelt. Da hiess es: «Tu nicht so blöd» oder «Reiss dich zusammen».
Man kann nicht alles planen, steuern, absichern, man kann nur darauf hoffen, dass es gut kommt.
Wenn man «Fritz+Fränzi» liest, erhält man einen unglaublichen Wissensschatz und zugleich ist man am Ende doch allein mit dieser Riesenaufgabe, die Kinder zu erziehen. Hilft es, mehr zu wissen?
Ich bin weit davon entfernt, zu behaupten, nur wer «Fritz+Fränzi» lese, sei ein guter Vater oder eine gute Mutter. Wir sind Wegweiser, manchmal Wegbegleiter, wir geben Anregungen, ordnen ein. Wir zeigen Dinge, die vielleicht so nicht bekannt waren, wollen die Leserschaft aber keineswegs überfordern und schon gar nicht bevormunden. Wir sind in der Redaktion maximal selbstkritisch. Umso mehr freut es uns, wenn Menschen sich für unsere Arbeit bedanken und schreiben: Sie helfen uns, gute Eltern zu sein. Das ist natürlich das Grösste, was man sich als Journalist vorstellen kann … Mir ist gerade noch etwas eingefallen, was mir heute besser scheint.
Bitte, erzählen Sie!
Mich beeindruckt, wie sich Väter heute viel stärker in der Familie engagieren. Sie besuchen Elternabende, lesen Ratgeberliteratur, bilden sich weiter. Bei unserer Vortragsreihe «Kosmos Kind» sind es zwar immer noch 80 Prozent Frauen, die teilnehmen, aber die Männer, die kommen, erlebe ich als äusserst interessiert und motiviert.

Was ist eigentlich ein guter Vater?
Einer, der seine Kinder liebt, egal wie sie unterwegs sind, egal welche Leistung sie erbringen oder welches Leben sie führen. Und der diese Liebe nicht an Bedingungen knüpft. Und ja, der sich immer wieder bemüht, auch wenn er Fehler macht. Jesper Juul sagte: Gute Eltern machen zwanzig Fehler am Tag. Das ist mein Leitspruch geworden. Daran halte ich mich sehr gerne. Ich glaube, bei mir sind es mindestens zwanzig Fehler am Tag. Aber ich gebe nicht auf, ich bemühe mich, und vieles ist auch gut.
Moderne Eltern wollen alles richtig machen, aber sie machen sich dabei auch verrückt. Wie hält man die Balance?
Man weiss heute aus der Forschung, dass Eltern viel weniger Einfluss auf ihr Kind haben, als sie meinen. Ich finde das auf der einen Seite tröstlich, die Erkenntnis nimmt Druck von den Eltern. Auf der anderen Seite ist es ein wenig ernüchternd. Man denkt: Alles, was zählt, ist Vorbild sein und sein Kind lieben. Und dann wird einem gesagt: «Du kannst den Lebensweg deines Kindes gar nicht so stark beeinflussen.»
Was für ein Kind waren Sie?
Ich war eher ein ängstlicher Bub, der die Nähe zu seiner Mutter suchte und sehr wohlbehütet aufgewachsen ist. Heute würde ich sagen, fast ein bisschen überbehütet. Meine Mutter hat die Familie unter eine Art Käseglocke gestellt und das Schwere, das Dunkle aussen vor gelassen. Später habe ich darunter gelitten, weil ich, als ich plötzlich alleine zurechtkommen musste, gar nicht wusste, wie das geht.
In einem Editorial schrieben Sie unlängst, dass Sie als Kind unter einer Angststörung litten. Sie hatten Angst vor dem Wind.
Ich blieb damals fast ein Jahr lang zu Hause und ging nicht in den Kindergarten. Das war eine Zäsur in meinem Leben und es war eine enorme Belastungsprobe für meine Eltern, dass das Kind plötzlich diese Störung entwickelte. Mithilfe einer Therapeutin hat sich das zum Glück gut entwickelt.
Macht euch weniger Sorgen. Dinge treffen selten exakt so ein, wie man sie sich vorstellt.
Wovor fürchten Sie sich heute?
Dass ein Unglück über unsere Familie hereinbrechen könnte. Interessanterweise mache ich mir weniger Gedanken über mich selbst, es ist eher die Sorge, dass es meinen Lieben vielleicht nicht gut gehen könnte.
Diese Angst teilen die meisten Eltern. Wie gehen Sie damit um?
Die Antwort darauf darf nicht Kontrolle sein, sondern Vertrauen. Man kann nicht alles planen, steuern, absichern, man kann nur darauf hoffen, dass es gut kommt. Dass ich mich auf meine Kinder verlassen kann und sie sich auf mich. Und ich kann versuchen, als Vater das vorzuleben, indem ich verlässlich bin, verbindlich und vertrauensvoll.
Sie sagten vorhin, dass Sie ein ängstliches Kind waren. Was sind Sie für ein Erwachsener?
Ich bin jemand, der meistens mit guter Laune in den Tag startet, der sich jeden Morgen auf die Arbeit freut. Ich bin aber auch jemand, der Demut empfindet, der auch die Familie immer wieder daran erinnert: Hey, uns geht es wahnsinnig gut, wir müssen dankbar sein, dass wir ein Dach über dem Kopf haben, bei dem es nicht reinregnet, dass wir alle gesund sind, dass wir einander haben.
Sie haben am eigenen Leib die beiden grossen Elterntrends der letzten 60 Jahre miterlebt. Als Kind die Elternzentrierung, bei der gesagt wurde: Ruhe hier, die Eltern reden! Und als Vater die Kindzentrierung, bei der die Wünsche und Bedürfnisse des Nachwuchses im Mittelpunkt stehen. Was ist Ihr Fazit?
Es ist ein enormes Spannungsfeld. Man spricht ja heute mitunter von der Sehnsucht nach einer neuen Elternautorität. Und ich würde mir tatsächlich manchmal wünschen, man könnte einen Knopf drücken und sagen: So, jetzt sind mal die Eltern dran. Wenn ich vom Velofahren zurückkomme und in meinen verschwitzten Klamotten am Küchentisch sitzend warten muss, bis ich ins Bad kann, in dem zuerst die Tochter und dann der Sohn ausgiebig duschen und sich frisch machen für den Ausgang, sage ich spasseshalber: Da ist etwas massiv schiefgelaufen in der Erziehung. Dann müssen die Kinder sehr lachen, aber es ändert sich natürlich nichts an ihrem Verhalten.
Wünschen Sie sich mehr Gehorsam von den Kindern?
Nein, das nicht, aber vielleicht etwas mehr sichtbare Dankbarkeit, gerade weil wir viele ihrer Wünsche relativ schnell umsetzen. Zugleich weiss ich, dass mir die Kinder nichts schuldig sind. Seine Liebe nicht an Bedingungen zu knüpfen, das ist eine grosse Kunst, aber natürlich das Wichtigste.
Und zugleich: Liebt man wirklich bedingungslos? Selbst Supereltern haben doch auch mal negative Gefühle gegenüber den eigenen Kindern. Muss man diese Gefühle nicht auch ernst nehmen?
Bedingungslose Liebe heisst für mich nicht, dass ich meine Kinder immer toll finde. Wenn negative Gefühle aufkommen, versuche ich, diese ernst zu nehmen, statt sie zu verdrängen. Sie machen mich nicht zu einem schlechten Vater, sondern zu einem menschlichen.
Wenn Sie Ihren Kindern aus irgendeinem Grund nur einen einzigen Ratschlag geben dürften, den sie beachten sollten, wenn sie selbst Eltern werden, welcher wäre das?
Macht euch weniger Sorgen. Dinge treffen selten exakt so ein, wie man sie sich vorstellt.
Wir haben ein gutes Heft gemacht, wenn die Reaktion aus der Leserschaft lautet: Mensch, das hat mich jetzt weitergebracht.
Sprechen wir noch ein wenig über Ihre Arbeit. Unter Ihrer Führung ist «Fritz+Fränzi» konstant gewachsen. Was ist das Erfolgsgeheimnis?
Wir stecken sehr viel Liebe und Sorgfalt in jede einzelne Ausgabe. Wir geben uns wahnsinnig viel Mühe, wir ringen um die Themen, um die richtigen Texte, die besten Bilder. Vielleicht spürt man das als Leser oder Leserin und nimmt die Zeitschrift gerne in die Hand.
Wie messen Sie persönlich Erfolg?
Wir haben ein gutes Heft gemacht, wenn die Reaktion aus der Leserschaft lautet: Mensch, das hat mich jetzt weitergebracht. Also wenn es uns gelingt, Themen aufzugreifen, die den Leserinnen und Lesern ein bisschen unter den Nägeln brennen. Wir hatten letztens die Geschichte einer Autorin, die darüber schrieb, wie schwer sie sich mit ihren Stiefkindern tut, also dass sie ihre Stiefkinder eigentlich nicht mag. Das hat unglaublich viele Reaktionen ausgelöst. Viele schrieben, ihnen gehe es auch so, andere kritisierten die Autorin scharf.

Gibt es eine Geschichte, die Sie nie gemacht haben, aber gerne machen würden?
Eines der Themen, die wir regelmässig diskutieren und dann doch nie bringen, ist Impfen. Es ist unbestritten ein wichtiges Thema – und doch hat man unweigerlich einen Teil der Leserschaft sofort radikal gegen sich.
Wie erklären Sie sich das?
Das Thema ist einfach wahnsinnig aufgeladen. Wir hatten kürzlich einen Text, der sich um die Frage drehte, ob man sein Kind gegen Windpocken nachimpfen soll. Der Text hat auf Facebook knapp 1000 Kommentare generiert, von denen wir 100 löschen mussten, weil sie in einem Ton abgefasst waren, bei dem man sagt: Das geht nicht. Ein anderes wichtiges Thema, das wir lange aussen vor gelassen haben und an das wir uns im Dezember-Heft endlich heranwagen, ist Glaube und Religion. Darauf freue ich mich.
Remo Largo sagte in seinem letzten Interview, er habe viel zu wenig erreicht. Das frustrierte ihn. Das hat mich sehr nachdenklich gestimmt.
Sie haben bei «Fritz+Fränzi» mit verschiedenen eindrücklichen Personen zu tun gehabt. Wer ist Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben?
Wir haben eines der letzten Gespräche mit dem inzwischen verstorbenen Kinderarzt Remo Largo führen dürfen. Er war damals schon sehr krank. Und wir haben ihn leider ein wenig verbittert erlebt.
Warum war er verbittert?
Er sagte uns, er habe versucht, aufzuzeigen, wie die Schule heute gestaltet sein müsste. Und da habe er viel zu wenig erreicht. Das frustrierte ihn. Und das hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Er ist, finde ich, eine Ikone, wenn es um Erziehungsfragen geht, seine Werke stehen in jedem Schweizer Bücherregal, und doch erlebte er es so, dass seine Arbeit unzureichend war.
Viele Journalisten haben eine Geschichte, die ihnen nachläuft, die sie nicht loslässt. Was ist Ihre?
Ich berichtete im November 1989 als Reporter für die «Schweizer Illustrierte» über die Öffnung der innerdeutschen Grenze in Berlin und stand in jener Nacht auf der Mauer am Brandenburger Tor. Das macht mich bis heute stolz, dass ich dieses Glück hatte, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein.
2015 haben Sie über Ihre Arbeitslosigkeit geschrieben.
Ich habe damals beschrieben, was es heisst, im Alter von 53 Jahren arbeitslos zu werden, sich bewerben zu müssen, abgelehnt zu werden, und wie es ist, das Gefühl zu haben, nichts mehr wert zu sein.
Ich glaube, das war die wichtigste Geschichte, die Sie je geschrieben haben.
Tatsächlich werde ich heute noch oft darauf angesprochen.
Hilf dir selbst, aber schau auch, dass dein Umfeld dich trägt.
Der Text endet damit, dass Sie Ihre vier Leitsätze offenlegen. Erstens: Bleib hungrig, gut informiert und vernetzt. Zweitens: Sei ehrlich mit anderen und zu dir selbst. Drittens: Versuch, einmal am Tag zu lachen. Viertens: Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner.
Das berührt mich grad sehr. Es war die vielleicht schwierigste Zeit in meinem Leben.
Stimmen die Glaubenssätze für Sie noch?
Heute würde ich sagen: «Hilf dir selbst, aber schau auch, dass dein Umfeld dich trägt.» Alles andere, vor allem, dass man mindestens einmal am Tag lachen sollte und dass man ehrlich mit anderen, aber auch zu sich selbst sein soll, sehe ich noch immer genauso.











