Wie KI beim Lernen unterstützen kann
KI-Sprachmodelle wie ChatGPT, Perplexity, Claude oder Google Gemini haben den Suchmaschinen längst den Rang abgelaufen. Wozu sich weiterhin umständlich durch Zehntausende Treffer wühlen, wenn die KI ohne Umschweife druckreif Auskunft gibt?
Sicher, mit der Wahrheit nimmt sie es manchmal nicht so genau. Und dennoch erleichtert sie das Arbeiten enorm – sowohl im Alltag als auch im Beruf und in der Schule. Selbst Lehrkräfte nutzen ganz selbstverständlich künstliche Intelligenz.
Doch sobald es um Schülerinnen und Schüler geht, werden erst mal die Gefahren benannt: KI würde sie dümmer und denkfaul machen und künftig die Hausaufgaben übernehmen. Zudem sei eine emotionale Abhängigkeit zu befürchten, da sie die KI für eine Vertrauensperson halten könnten.
Diese Sorgen sind berechtigt – allerdings nur, wenn wir denselben Fehler wie beim Smartphone und den sozialen Medien machen und unsere Kinder in einer erzieherischen Grauzone alleine lassen. Schülerinnen und Schüler können von künstlicher Intelligenz profitieren, wenn sie kompetent und kritisch mit diesem Werkzeug umgehen können. Dazu müssen wir uns einige Grundlagen vor Augen führen.
Ohne Prompt geht nichts
Der englische Begriff «Prompt» steht für «Eingabe». Im Zusammenhang mit KI ist damit die Frage oder die Aufgabe gemeint, die ihr gestellt wird. Je präziser die Formulierung, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer korrekten Antwort. Nur: Woher sollen Kinder das können? Sie müssen es üben, lernen, ausprobieren.
Oft wird empfohlen, der KI in der Fragestellung eine bestimmte Rolle zuzuweisen, um die Perspektive («Du bist eine Fachperson für XY») oder das Sprachniveau («Du bist ein zehnjähriges Kind») festzulegen. Danach wird die Aufgabe benannt, die der KI erklärt, was sie zu tun hat: erklären, zusammenfassen, inspirieren ...
Die Ergebnisse der KI müssen immer kritisch hinterfragt und mit einer vertrauenswürdigen Quelle überprüft werden.
Auch der Kontext hilft, damit die KI ihre Antwort auf das konkrete Bedürfnis des Schülers abstimmt: Braucht er sie für eine Hausaufgabe? Einen Aufsatz? Einen Vortrag? In welcher Form soll das Ergebnis präsentiert werden? Kurz, ausführlich, als Text oder als Tabelle? Oft vermischen sich jedoch die aufgezählten Elemente.
Für Ungeübte eignet sich ein Kniff: Die Schülerin verbalisiert die Anfrage, so gut sie kann – und bittet dann die KI, den Prompt selbst zu erstellen. Ist das Ergebnis zufriedenstellend, kann aus solchen Beispielprompts gelernt werden, wie sich die KI künftig effektiver nutzen lässt. Um nicht jedes Mal einen Endlos-Prompt von Neuem einzugeben, lohnt es sich, eine digitale Notiz anzulegen und sie dann von Fall zu Fall zu variieren.
Der Gegencheck
Künstliche Intelligenz wurde mit einer Unmenge an Daten trainiert und greift auch auf das Internet zu. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Suchmaschinenabfrage hat sich nichts geändert. Die Ergebnisse müssen immer kritisch hinterfragt und mit einer vertrauenswürdigen Quelle überprüft werden. Darum ist es ratsam, die KI immer auch um belegende Links zu bitten.
Perplexity macht das automatisch und zuverlässig, ChatGPT liefert oft Links, die ins Leere führen. Ausserdem kann die KI irren, selbst auf Fakes hereinfallen oder einfach etwas erfinden. Dieses sogenannte Halluzinieren wird auch nicht verlässlich unterbunden, wenn Kinder ihrem Auftrag «nicht halluzinieren» hinzufügen.
KI kann nicht denken
Ein weiterer Grund, warum die Antworten immer wieder überprüft werden sollten, ist das Thema Bias. Das Training der KI erfolgt mit Daten von Menschen, die bestimmten Vorurteilen unterliegen können: Misogynie, Xenophobie, Homophobie. Kommt leider vor. Solche Verzerrungen gilt es im Auge zu behalten.
Für Kinder ist es notwendig, zu begreifen, dass KI im menschlichen Sinne weder «verstehen» noch «denken» kann, auch wenn sie es selbst so formuliert. Künstliche Intelligenz berechnet Wahrscheinlichkeiten und durchforstet dazu in Sekundenschnelle ihre Datenbank.
Der freundliche Tonfall täuscht darüber hinweg, dass die Kinder und Jugendlichen mit einem Werkzeug kommunizieren. In schwierigen Phasen wie der Pubertät kann die KI so schnell zum vermeintlichen Freund werden, den sie buchstäblich alles fragen. Das ist nachvollziehbar.
Umso wichtiger ist es, auf den Datenschutz zu achten. Damit ist in diesem Fall immer der Schutz der Person gemeint. Folglich sollten keine persönlichen Daten oder Fotos eingegeben werden, da alles in die entsprechenden Datenbanken einfliesst und niemand genau weiss, wie und ob sie verwendet werden. Ein Werkzeug mit einem kumpelhaften Ton bleibt ein Werkzeug und ist kein Freund.
Die Möglichkeiten der KI
Diese Grundlagen beachtend stehen Schülerinnen und Schülern mit KI eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verfügung, die ihren Lernalltag vereinfachen. Ein paar Beispiele:
Nachschlagewerk: KI ist eine unschlagbare Enzyklopädie. Denn im Gegensatz zu Wikipedia kann der Schwierigkeitsgrad der Definitionen an das jeweilige Alter und Niveau angepasst werden. Auch dürfen Schülerinnen immer wieder nachbohren: «Das habe ich noch nicht verstanden.» Nachhaken ist übrigens immer notwendig: «War das wirklich alles? Gibt es noch mehr dazu?» Meistens liefert die KI dann weitere nützliche Aspekte.
KI ist eine nützliche Partnerin, wenn wir sie klug und kritisch zu nutzen wissen und ihre Grenzen einschätzen können.
Nachhilfelehrperson: Es gibt Schüler, die etwa eine Schwäche in Mathematik haben und denen es im Unterricht oft zu schnell vorangeht. Hier kann die KI die jeweilige Thematik noch einmal Schritt für Schritt erklären – geduldig, ausführlich und auch kreativ. Wie viele Kühe muss ein Bauer für 3000 Liter melken, wenn eine Kuh 20 Liter gibt? Motivierender wäre es, die gleiche Aufgabenstellung in ein Setting zu setzen, das Kindern vertrauter ist – zum Beispiel mit Brawl Stars, Fortnite oder einem Ponyhof. Das hilft.
Sparringspartner: Für ein Brainstorming, eine Gliederung oder Strukturierung liefert KI gute Vorschläge, die Schülerinnen mit eigenen Gedanken abgleichen und ergänzen. Auch um zu einem Thema einen Standpunkt zu entwickeln, helfen Pro-und-Kontra-Fragestellungen. Selbst denken bleibt Pflicht.
KI wird nicht wieder verschwinden
Trainer: Um sich auf eine Arbeit vorzubereiten, kann mit der KI geübt und ein Lernplan entwickelt werden. Aber es geht noch mehr: KI erstellt auch Lernkarten, verwandelt den Lernstoff in Quiz- oder Prüfungsfragen und legt das Ganze in Word oder Powerpoint an. Selbst das Üben von Fremdsprachen und das Führen von Dialogen und vieles mehr ist möglich.
Künstliche Intelligenz geht nicht vorüber oder verschwindet wieder. Sie ist eine nützliche Partnerin, wenn wir sie klug und kritisch zu nutzen wissen und ihre Grenzen einschätzen können. Ausserdem ist KI im Lernalltag von Kindern nicht der einzige Weg. Nach wie vor gelingt das Lernen am besten in einem Mix aus digitalen und analogen Materialien.








