Teilen

4 Tipps, wie Kinder KI zum Lernen clever nutzen können

Aus Ausgabe
03 / März 2026
Lesedauer: 4 min
Fast drei Viertel aller Jugendlichen nutzen heute KI, hauptsächlich im schulischen Bereich. Worauf Eltern beim Lernen mit KI achten sollten.
Text: Michael In Albon

Bild: Getty Images


In Zusammenarbeit mit Swisscom

Die Neugier der Jugend ist – in den meisten Fällen – erfrischend. Einfach mal loslegen und schauen, was passiert. Bei der Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) zeigt sich das exemplarisch. Bereits 70 Prozent aller jungen Menschen zwischen 12 und 19 ​Jahren in der Schweiz nutzen KI zumindest ab und zu; die älteren öfters (86 Prozent bei den 18- bis 19-Jährigen), die jüngeren etwas weniger (53 Prozent bei den 12- bis 13-Jährigen).

Als hauptsächliches Nutzungsmotiv steht die Informationsbeschaffung im Vordergrund, konkret die Hilfe bei den Hausaufgaben. Diese Zahlen stammen aus der James-Focus-Studie «Künstliche Intelligenz im Alltag von Jugendlichen» aus dem Jahr 2025, welche erstmals untersuchte, wie Schweizer Jugendliche KI nutzen.

Falsch eingesetzt, bietet KI unseren Kindern eine elegante Möglichkeit, faul zu sein. 

Die jetzt schon enorme Verbreitung setzt Eltern ebenso unter Druck wie Lehrpersonen. Seien wir uns bewusst: Es geht nicht darum, ob KI genutzt wird, sondern nur noch darum, wie wir darauf reagieren. Wie begleiten wir unsere Kinder bei der Nutzung der neuen Technologie, die viele Möglichkeiten bietet, jedoch auch zahlreiche Gefahren und Schattenseiten hat?

Wie stellen wir sicher, dass unsere Kinder keinen Schaden nehmen, wenn sie mit ChatGPT oder anderen KI-Chatbots arbeiten? Richtig eingesetzt und mit klaren Vorgaben genutzt, können diese Tools durchaus Kompetenzen fördern. Falsch eingesetzt, bieten sie unseren Kindern eine elegante Möglichkeit, faul zu sein.

Eltern sollten ihren Kindern zeigen, wie sie KI fürs Lernen einsetzen können, ohne das Lernen an die KI zu delegieren. Dies wäre metakognitive Faulheit: Man reduziert den eigenen geistigen Lernaufwand und lässt die KI die Aufgabe lösen. Das ist ungefähr so, wie wenn man seinen Hund zum Joggen schickt und meint, man habe etwas für die eigene Fitness gemacht.

So nutzt man KI

Es gibt vier unterschiedliche Ansätze, künstliche Intelligenz sinnvoll einzusetzen. Eltern sollten das gemeinsam mit ihren Kindern üben und ausprobieren.

1. Recherche

Eine Ergänzung zur Google-Suche. Mit KI-Chatbots entwickelt sich ein Dialog; Präzisierungen und Nachfragen sind Teil der Recherche. Aber: Die KI weiss oft nicht, was richtig oder falsch ist. Gerade politisch umstrittene Fragen sind heikel, ­Antworten müssen hinterfragt werden. Bei komplexeren Recherchen sollten Kinder lernen, Quellen einzufordern und diese auch zu kontrollieren. KI-Chatbots sind hilfreich bei Wörtern, Fakten sind für die Maschine hingegen zweitrangig.

2. Sokratischer Dialog

Hier stellt man der KI einen eigenen Text zur Verfügung und lässt sich dazu kritische Fragen stellen. So entsteht ein wechselseitiger Dialog, der einen Text immer besser macht. Selbst geschrieben – aber mit Unterstützung der KI.

3. Erklär-Bär

Wenn man beispielsweise einen mathematischen Zusammenhang nicht versteht, ist KI hilfreich. Sie erklärt den Sachverhalt bei Bedarf auf immer neue Weise, bis man den Zugang zur Materie findet.

4. Kreation

Die KI erstellt aus einem Text ein Bild. So lernen Kinder, etwas exakt zu formulieren beziehungsweise nachzubessern, wenn das Bild nicht den Vorstellungen entspricht. Aber diese Anwendung hat einen grossen Haken: KI arbeitet mit vorhandenen Bildern. Die Urheberrechtsdebatte ist bis heute ungeklärt und wir KI-Nutzerinnen und -Nutzer bewegen uns in einer juristischen und ethischen Grauzone. Thematisieren Sie mit Ihrem Kind, wem ein solches Bild eigentlich gehört.

Unterstützung gewünscht

Löst der rasante Vormarsch der künstlichen Intelligenz nun neue Erziehungskonflikte zwischen Eltern und ihren Teenagern aus? Viele Eltern denken schaudernd an die zähen Diskussionen über die Nutzung von Handys und sozialen Medien – und da ist die KI noch nicht mal inbegriffen. Doch wenigstens ist die Nutzung von KI viel weniger emotional belastet und die meisten Jugendlichen sind sogar erstaunlich kritisch und sich der Gefahren durchaus bewusst.

Ganz pragmatisch sehen sie aber auch die persönlichen Vorteile. Eine US-Studie (Bickham et. al. 2024, Optimism and Uncertainty: How Teens View and Use Artificial Intelligence) zeigt sogar, dass eine Mehrheit der Jugendlichen ganz ausdrücklich klare Anleitungen zur Nutzung dieser Tools möchte. Was können sich Eltern Besseres wünschen?

James-Focus-Bericht

Den neuen James-Focus-Bericht zu Selbstbildern im Netz von Swisscom und der Zürcher Hochschule für ­Angewandte Wissenschaften (ZHAW) finden Sie hier.