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«Meine Mutter ist nie zufrieden, wenn ich mein Zimmer aufräume»

Lesedauer: 5 min

«Meine Mutter ist nie zufrieden, wenn ich mein Zimmer aufräume»

Mason, 14, räumt wie vereinbart jeden Samstag sein Zimmer auf. Trotzdem endet es immer wieder im Streit – weil seine Mutter nie zufrieden ist. Jugendcoach Sarah Zanoni weiss Rat.
Text: Sarah Zanoni

Bild: Getty Images

«Frag doch mal Sarah!»

Ich muss jede Woche am Samstag mein Zimmer aufräumen. Und wenn ich es endlich gemacht habe, gibt es trotzdem jedes Mal Streit, weil meine Mutter findet, es sei NICHT aufgeräumt. Sie ist nie zufrieden! Dabei weiss ich einfach nicht, was ich denn noch anders machen sollte. Das Fiese daran ist: Wenn sie nicht zufrieden mit meiner Zimmerordnung ist, darf ich nicht mit meinen Freunden raus. Das macht mich wahnsinnig! Bitte hilf mir!
Mason, 14

Lieber Mason
Dein Problem ist ein richtiger ‚Klassiker‘ unter Familien. Ich kenne kaum eine Familie, in welcher das Zimmeraufräumen nicht zu einem Dauerthema wird.

3 elterliche Standpunkte

Die meisten Eltern nennen folgende drei Gründe, warum ihr Kind sein Zimmer aufräumen muss – oder eben nicht. Und ich kann jeden der drei Standpunkte verstehen, obwohl sie zum Teil sehr gegensätzlich sind:

  • Die einen Eltern sagen: «Mein Kind soll lernen, Ordnung und Sauberkeit zu halten. Es wird später einmal eine eigene Wohung haben, wo es ja auch ordentlich sein soll. Es muss das jetzt lernen, sonst wird es das später auch nicht können.» Das Motto dieser Eltern lautet: «Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!»
  • Andere Eltern betonen: dass das Kinderzimmer nicht dem Kind gehört. Sondern den Eltern, wenn sie die Eigentümer sind. Oder die Wohnung gehört einem Vermieter. Dann muss sich die Familie an die vertraglichen Miet-Bedingungen halten, die einen angemessenen Umgang und Pflege der Wohnung verlangen. Deshalb wollen diese Eltern ihrem Kind früh genug beibringen, dass es sich ebenfalls an diese Regeln zu halten hat. Es wäre respektlos und kostspielig, das Eigentum anderer aus Faulheit vergammeln zu lassen.

Die Grenze der Toleranz ist meist dann erreicht, wenn es im Zimmer stinkt, Schimmel entsteht oder Ungeziefer sich ausbreiten.

  • Die dritte Grupppe ist eher locker: Sie finden, ihr Kind darf in seinem Zimmer selber bestimmen, wie es leben möchte. Sein Zimmer ist seine Privatsphäre. Solche Eltern kümmern sich wenig darum, wie es dort drin aussieht. Die Grenze der Toleranz ist aber meist dann erreicht, wenn es im Zimmer stinkt, Schimmel entsteht oder Ungeziefer sich ausbreiten. Kommt es dazu, sind auch solche Eltern auf einmal nicht mehr so entspannt.

Alle drei Standpunkte sind etwas überspitzt dargestellt. Denn zwischen diesen Polen gibt es jede Menge Zwischenbereiche, in denen man sich bewegen kann. Es ist meist alles eine Frage der Verhandlung zwischen Kind und Eltern.

Deiner Beschreibung nach möchte deine Mutter vor allem, dass du lernst, Ordnung und Sauberkeit zu halten. WIE diese Ordnung auszusehen hat – davon hat deine Mutter eine klare Vorstellung. Wahrscheinlich hat sie dir gegenüber bisher noch nicht deutlich gemacht, worauf sie genau Wert legt.

Wie das Zimmer aufräumen gelingt

Wenn es bei euch jeden Samstag deswegen Streit und eine schlechte Stimmung gibt, ist das schade und eigentlich unnötig. Denn wie ich heraushöre, kümmerst du dich pflichtbewusst um dein Zimmerämtli. Wahrscheinlich nicht wirklich mit Freude und wohl auch nicht sofort, aber irgendwann scheinst du es jeweils zu schaffen.

Ich empfehle dir folgendes Vorgehen, damit deine Samstage künftig nicht mehr wegen dieser Sache vermiest werden:

Punkt 1: Klare Auflistung aller To Do's fürs Zimmer

Bitte deine Mutter, die wichtigsten Dinge aufzulisten, die sie beim Zimmeraufräumen erwartet. Zum Beispiel:

  • Nichts liegt mehr am Boden
  • Schmutzige Kleider in Wäschekorb im Bad
  • Saubere Kleider zurück in den Schrank
  • Müll in den Küchenmüll
  • Staubsaugen
  • Bett frisch beziehen
  • Lüften
  • Kleinkram in eine Box oder Schublade

Häng diese Liste an deine Zimmertüre oder dorthin, wo du sie am nächsten Samstag sicher wieder findest. Jetzt weisst du, was genau zu tun ist. Und deine Mutter kann jeden Punkt kontrollieren und abhaken.

Punkt 2: Motivation und Arbeitsbeginn

Viele Jugendliche haben keine Lust aufs Zimmeraufräumen. Und deshalb schieben sie es immer länger auf. Bis kaum mehr Zeit dafür bleibt. Sie versprechen hoch und heilig, dass sie es am nächsten Tag erledigen werden. Was natürlich dann trotzdem nicht geschieht. Diesem Aufschieben kannst du etwas entgegensetzen:

  • Gestalte das Zimmeraufräumen so, dass es dir Spass macht: Hör deine Lieblingsmusik über deine Kopfhörer, nimm dir einen Kaugummi, staubsauge tanzend, singend, pfeiffend oder was immer dich motiviert.
  • Stell einen Timer: entscheide, wie lange du für das Zimmerämtli etwa brauchst. Ich vermute, dass 30 Minuten ausreichen sollten, wenn du es jede Woche machst. Stelle den Timer so, dass er nach 20 Minuten das erste Mal klingelt. Dann siehst du, was du schon geschafft hast. Und in den letzten 10 Minuten kannst du noch mal Vollgas geben.

Punkt 3: Ausnahmen und zweite Chancen

Falls deine Mutter mit dem Ergebnis noch nicht zufrieden ist, sollte sie dir eine Chance auf Nachbesserung geben, ohne deswegen gleich deine Freizeit mit deinen Freunden zu verbieten. Du solltest ihr dann einen Zeitpunkt vorschlagen, bis wann du es verbessert hast: Entweder am gleichen Tag oder am Sonntag. Nun liegt es an dir, dass du dich an diese Abmachung hältst – sonst wird dir deine Mutter beim nächsten Mal nicht mehr vertrauen.

Punkt 4: Wertschätzung

Ich fände es toll, wenn deine Mutter dein Engagement wertschätzt und dich lobt, wenn du das Zimmer von nun an gründlicher aufräumst oder putzt.

Viel Erfolg!

Frag doch mal Sarah

In unserer Rubrik «Frag doch mal Sarah» beantwortet Jugendcoach Sarah Zanoni Fragen von Kindern und Jugendlichen.
Hast du auch eine Frage, die du ihr gerne stellen würdest? Dann sende eine E-Mail an online@fritzundfraenzi.ch oder kontaktiere uns auf unseren Social-Media-Kanälen.