Papa im Fokus
Familienleben

Fokus Väter: Papa im Mittelpunkt der Familie

Einst galt die Mutter als allein seligmachende Bezugsperson fürs Kind. Zum Glück haben sich die Zeiten geändert. Dank gesellschaftlicher Entwicklungen, aber auch dank neuer Väter, die mit alten Mustern brechen und sich nicht damit begnügen, im Leben ihrer Kinder eine Zuschauerrolle einzunehmen. So geht es den Familienmännern damit. 
Text: Virginia Nolan 
Bilder: Désirée Good / 13 Photo
Sie kochen, fahren die Kinder zum Fussballtraining und Cellounterricht, helfen bei den Hausaufgaben, verpassen keinen Elternabend und erledigen neben dem Wochenend-Grosseinkauf noch den saisonalen Kleiderkauf für den Nachwuchs: die «neuen Väter». Wer genau mit diesem Schlagwort gemeint ist, bleibt oft einer vagen Vorstellung überlassen. Doch was unterscheidet eigentlich den «neuen» vom «alten» Vater und welche Entwicklungen stehen zwischen diesen beiden Typen? Warum entscheiden sich Männer unserer Zeit für Vaterschaft und wie gestalten sie diese Rolle? Wo liegen Chancen und Widerstände, die sich daraus ergeben? Und wie prägen die Väter von heute die Generation von morgen?

Während Mütter und ihr Einfluss auf die kindliche Entwicklung schon vor 300 Jahren Forschungsgegenstand waren, ist die Väterforschung eine vergleichsweise junge Disziplin, die erst seit Mitte der 1990er-Jahre breites Interesse auf sich zieht. «Väter waren lange Zeit die vergessene Klientel der Familienforschung. Die Wissenschaft hat ihren Beitrag zur kindlichen Entwicklung über viele Jahre ignoriert und sie lediglich in der Rolle des Brotverdieners betrachtet», sagt Wassilios Fthenakis, Pionier der Väterforschung. (Lesetipp: Papa-Tipps vom Profi)
Auch abseits der Kür, wie sie etwa gemeinsame Hobbys darstellen, widmen Väter heute ihren Familien viel mehr Zeit als früher.
«Das Aufziehen von Kindern wurde und wird immer noch vor allem Frauen zugeschrieben», sagt Soziologin Diana Baumgarten von der Universität Basel. «Entsprechend gilt Mütterlichkeit als natürlicher Bestandteil von Weiblichkeit, während Männlichkeit bislang nur schwer mit Väterlichkeit und der alltäglichen Fürsorge für Kinder in Verbindung gebracht wird. Doch das beginnt sich zu ändern.» So sei es heute vielen Männern ein Bedürfnis, als Vater auf andere Art und Weise präsent zu sein, als dies in früheren Generationen der Fall gewesen war. «Wichtig ist ihnen die Möglichkeit, sich alltäglich in die Betreuung und Erziehung ihrer ­Kinder einzubringen und eine tragfähige Beziehung zu diesen aufzubauen», sagt Baumgarten.

Und eine Studie des Deutschen Jugendinstituts fasst zusammen: «Heute eint die Definitionen von ­neuer Vaterschaft in erster Linie die Abgrenzung von einem Modell, das den Vater auf die Ernährer-Rolle reduziert. Einig ist man sich auch, dass das neue Vaterbild durch mehr Engagement für das Kind, Emotionalität, Fürsorglichkeit und möglichst viel gemeinsame Freizeit gekennzeichnet ist.»

Mehreinsatz zu Hause trotz ­Vollpensum im Job

Aber auch abseits der Kür, wie sie etwa gemeinsame Hobbys darstellen, widmen Väter ihren Familien heute ungleich viel mehr Zeit als früher. Das Bundesamt für Statistik (BFS) erhebt seit 1997 alle drei bis vier Jahre Daten zur Haus- und Familienarbeit. Gemäss den letzten von 2016 wendeten in Partnerschaft lebende Väter, deren jüngstes Kind zwischen 0 und 14 Jahre alt war, durchschnittlich rund 29 Stunden pro Woche für Haus- und Familienarbeit auf. 1997 waren es noch sieben Stunden weniger gewesen. Besonders im Bereich der Kinderbetreuung hat sich das Engagement der Väter erhöht: Von rund 10 (1997) auf gut 14 Stunden (2016). Dabei geht der Mehreinsatz der Väter zu Hause meist mit einem beruflichen Vollzeitpensum einher.
 
2019 arbeiteten in der Schweiz rund neun von zehn Männern, die mit Partnerin und Kindern von 4 bis 12 Jahren zusammenlebten, Vollzeit. Der grössere Einsatz der Väter zu Hause sei kaum oder nur am Rand mit Veränderungen in der Erwerbsarbeit erklärbar, hält das BFS fest, «sondern beruht zu einem grossen Teil auf einer effektiven Zunahme ihres Zeitaufwandes für Haus- und Familienarbeit».
«Ich bin ein Exot»: Mauro Castrigno, 38, Vater von Gilda, 5, und Lino, 3, ist Hausmann. Seine Frau Jennifer, 41, arbeitet Vollzeit als Kriminalpolizistin. Die Familie wohnt in Rikon ZH. (Lesen Sie hier seine Erzählung)
«Ich bin ein Exot»: Mauro Castrigno, 38, Vater von Gilda, 5, und Lino, 3, ist Hausmann. Seine Frau Jennifer, 41, arbeitet Vollzeit als Kriminalpolizistin. Die Familie wohnt in Rikon ZH. (Lesen Sie hier seine Erzählung)
Der Haupternährer hat also noch lange nicht ausgedient. Auch Marco, 40, ist einer. Der Textchef einer Werbeagentur arbeitet 100 Prozent, ­seine Frau leitet an zwei Vormittagen pro Woche eine Spielgruppe und an zwei Abenden Yoga-Kurse. Wenn seine Frau vormittags arbeitet, fährt Marco vom Büro nach Hause, um für die Kinder zu kochen. Gibt sie abends Kurse, ist er kurz nach 17 Uhr zu Hause – wenn alles nach Plan läuft. «Es gibt Kundentermine, da kann ich mich nicht einfach früher ausklinken», sagt Marco. «Jetzt, da unsere Söhne zehn und acht ­Jahre alt sind, ist es nicht so schlimm, wenn sie dann mal eine Stunde allein auf mich warten müssen.»
 
Seine Frau, sagt Marco, spiele mit dem Gedanken, ihr Kursangebot aufzustocken. «In dem Fall müssten wir unsere Organisation überdenken», meint er. «Mein Arbeitgeber ist familienfreundlich, ich habe Glück. Niemand beschwert sich, wenn ich mal kurz weg bin, um ein Kind zum Zahnarzt zu fahren, wenn ich länger Mittag mache oder abends früher gehe. Aber eine gewisse Flexibilität muss ich als Mitarbeiter ja auch bieten können.» Auch wenn ihm keiner Vorwürfe mache, habe er das Gefühl, sich oft rechtfertigen zu müssen, sagt Marco: «Im Job, weil ich schon wieder früher weg muss, zu Hause, weil das Büro ruft. Das stresst.» 
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<div>Dieser Artikel gehört zum <a href="https://www.fritzundfraenzi.ch/dossiers/vater"><strong>Online-Dossier Väter. </strong></a>Lesen Sie mehr zu Themen wie: Vom <strong>Wunsch nach Vaterschaft</strong> <strong>und den Herausforderungen</strong> des Lebens mit Kindern.</div>
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