Irina Luigjes ist 35 Jahre alt, ihr Mann Raymon 38. Ihr Leben mit den vier Kindern Zimra, 11, Lias, 10, Moana, 8, und Niam, 6, haben sie Schritt für Schritt aufgebaut.
Raymon: «Viele Eltern denken heute, sie müssten ihren Kindern so viel bieten. Aber Kinder möchten sich einfach nur geliebt fühlen, und dabei hilft vor allem gemeinsame Zeit. Das muss nicht bei einer Reise in ferne Länder sein, das geht auch wunderbar im Wald. Wir machen am Sonntag bewusst gar nichts, da sind wir einfach zu Hause und füreinander da. Und am Abend haben wir immer zwei Stunden, in denen keiner auf sein Handy schaut. Solche Dinge geben uns viel Kraft für den Alltag.»
Irina: «Wenn Freunde von unseren Kindern zu Besuch sind und sie dann zu irgendwelchen Hobbys losmüssen, hören wir ganz oft: Ich möchte da eigentlich gar nicht hin, aber meine Eltern wollen das.»
Ich arbeite gern und will auch noch etwas anderes sein als «nur» Mami.
Glücklich ohne viele materielle Dinge
Raymon: «Ein Familienleben hat sehr viel mit Normen und Werten zu tun. Irina und ich brauchen nicht viele materielle Dinge, um glücklich zu sein. Das leben wir den Kindern auch vor. Letzte Weihnachten haben wir jedes Kind gefragt, ob es für einen bestimmten Betrag Geschenke haben oder dieses Geld nach Afrika spenden möchte. Alle vier Kinder haben das Geld gespendet.»
Irina: «Als Raymon aus Holland zu mir in die Schweiz gezogen ist, musste er erst die Sprache lernen, dann eine Arbeit finden. In den ersten Jahren mit den Kindern mussten wir finanziell gut wirtschaften. Ich habe immer in meinem Beruf in der Pflege weitergearbeitet. Das hat aber auch nur funktioniert, weil meine Eltern zwanzig Minuten entfernt wohnen und uns viel unterstützen können, genauso wie meine beiden Schwestern. Wenn wir eine Kita gebraucht hätten, wäre fast das ganze Geld, das ich verdient habe, dafür draufgegangen.»
Raymon: «Wir haben schon nach jedem Kind geschaut, wie das mit der Wohnung oder dem Auto passt. Aber rein aus finanziellen Gründen zu sagen, wir verzichten jetzt auf ein viertes Kind, das wäre für uns nie in Frage gekommen.»
Irina: «Ich denke, man braucht auch einfach ein bisschen Mut und Vertrauen. Als unsere 4-Zimmer-Wohnung irgendwann zu klein wurde, haben wir lange nach einem bezahlbaren Haus gesucht und schliesslich einfach Megaglück gehabt.»
Wir sagen den Kindern ehrlich, wenn es mal zu viel ist oder wir eine Pause brauchen.
Flexible Arbeitszeiten
Raymon: «Heute läuft es bei mir in meiner Arbeit als selbständiger Schwimmbadtechniker gut. Du müsstest nicht mehr unbedingt arbeiten gehen.»
Irina: «Ja, aber ich will auch noch etwas anderes sein als «nur» Mami. Und ich habe das grosse Glück, dass ich meine Arbeitszeiten recht flexibel gestalten kann und einen sehr familienfreundlichen Arbeitgeber habe. Derzeit arbeite ich nur noch am Abend oder mache Nachtschichten, so können wir das gut vereinbaren. Das geht aber auch nur, weil ich wirklich gut mit wenig Schlaf auskomme. Und weil du in den Wintermonaten weniger zu tun hast und mich dann auch mehr mit den Kindern und im Haushalt unterstützen kannst. Manchmal wünsche ich mir schon eine Haushaltshilfe. Aber ob ich dann wirklich glücklicher wäre? Da bin ich mir gar nicht so sicher.»
Raymon: «Im Moment passt das alles sehr gut für uns. Und wenn wir merken, dass es zu viel wird, dann reden wir miteinander. Wir sagen auch den Kindern ehrlich, wenn es mal zu viel ist oder wir eine Pause brauchen.»






