Die 11 häufigsten Teenie-Fragen zu Liebe und Sexualität

Aus Ausgabe
03 / März 2026
Lesedauer: 10 min
Welche Fragen haben Jugendliche rund um die erste Liebe? Sexologin Laila Schläfli weiss, was Teenager bewegt und wie Eltern ihre Kinder in dieser Entwicklungsphase unterstützen können.
Text: Laila Schläfli

Bild: Anastasia Pivnenko / Unsplash

Der erste Kuss. Das erste Mal Händchenhalten. Die erste Beziehung. Der erste Sex. Die erste Liebe fühlt sich einzigartig an und bleibt oft ein Leben lang im Gedächtnis. Mit dem Verliebtsein kommen auch Zweifel und Fragen: Mag sie mich wirklich? Was erwartet er von mir? Bin ich bereit für «das erste Mal»?

Oft sind die Eltern bei diesen Fragen nicht die erste Anlaufstelle – und doch wichtige Ansprechpartner. Mütter und Väter, die ihre Kinder in dieser intensiven Entwicklungsphase begleiten möchten, brauchen Verständnis für deren Erlebniswelt und die Bereitschaft, den Fragen der Teenager offen zu begegnen.

Beim anonymen Online-Beratungsangebot lilli.ch schreiben Jugendliche, was sie bewegt und was sie sich wünschen. Dieser Text greift ihre wichtigsten Anliegen auf und zeigt, wie Eltern darauf reagieren können.

Statt herausfinden zu wollen, was die Signale des anderen bedeuten, ist es besser, sich zu fragen: Was will denn ich?

1. Wie meint er das bloss?

Ein Blick, ein scheues Lächeln – und die 14-jährige Mia fragt sich, ob ihr guter Freund in sie verliebt ist. Warum beobachtet er sie in letzter Zeit immer von der Seite? Möchte er etwas von ihr? Warum sagt er nichts?

Wenn nonverbale Signale und verbale Aussagen nicht zusammenpassen, wird die Kommunikation unklar. Das verunsichert. In solchen Situationen versuchen viele Jugendliche herauszufinden, was die andere Person meint.

Dabei wäre es besser, den Blick nicht auf das Gegenüber zu richten, sondern auf die eigenen Bedürfnisse – und sich zu fragen: Was möchte ich eigentlich, unabhängig von den Signalen des anderen? Möchte ich den Jungen als Kollegen behalten? Oder könnte ich mir eine Liebesbeziehung vorstellen? Die eigenen Gefühle sind der Schlüssel zum nächsten Schritt.

2. Soll ich mit meinem besten Kollegen eine Freundschaft Plus (F+) anfangen?

Was will ich eigentlich vom anderen: eine Beziehung oder doch lieber eine Freundschaft? Ein Gedankenspiel kann zu mehr Klarheit verhelfen. Man entscheidet sich probeweise für oder gegen eine Beziehung und lebt dann ein paar Tage mit dieser Entscheidung – für sich, in Gedanken. Während dieser «Probezeit» kann man auf Hinweise achten, die für eine Verliebtheit sprechen: körperliche Signale wie Herzklopfen, ein Kribbeln im Bauch oder feuchte Hände in Anwesenheit des anderen.

Oder denkt man öfter an die Person, wenn sie nicht da ist? Eine solche Probezeit kann helfen, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse besser zu verstehen. Sobald die eigenen Wünsche klar sind, lässt sich ein offenes Gespräch vorbereiten, um ebendiese zu formulieren – oder die Signale des anderen besser zu verstehen.

Ein solches Gespräch zu führen, ist nicht einfach, denn es bedeutet, sich verletzlich zu zeigen. Eltern sollten deshalb Verständnis signalisieren und gleichzeitig deutlich machen: Klarheit entsteht erst, wenn man mit der anderen Person spricht. Und nur wer etwas wagt, kann gewinnen. Auch wenn es nicht zu einem Happy End kommt, können Jugendliche so Erfahrungen sammeln, und das unangenehme Ansprechen wird mit der Zeit einfacher.

3. Warum finde ich andere hot, obwohl ich in einer glücklichen Beziehung bin?

Es kann irritieren, wenn man andere attraktiv findet, obwohl man eine Freundin beziehungsweise einen Freund hat. Doch Fantasien bedeuten nicht zwangsläufig, dass man sie ausleben möchte. Es ist durchaus normal, während einer Beziehung auch andere Menschen attraktiv zu finden. Das sagt nichts über die Liebe zu einer Person aus. Verliebtheitsgefühle nehmen mit der Zeit ab und können Platz machen für Liebesgefühle. Dann wird die Beziehung tiefer.

Mit dem Freund, der Freundin über Verhütung, Wünsche oder Ängste reden zu können, ist eine wichtige Voraussetzung für das erste Mal.

4. Wie weiss ich, ob ich verliebt bin? Bin ich homosexuell?

Als ob das alles nicht schon aufregend genug wäre, kann die sexuelle Orientierung Jugendliche zusätzlich zweifeln lassen. Die Suche nach Klarheit führt häufig zu zwei Kernfragen: «Wie merke ich, dass ich verliebt bin?» und «Wie zeigt sich sexuelle Anziehung?». Beide Fragen werden auf lilli.ch oft gestellt. Hinweise auf Verliebtheitsgefühle können Herzklopfen sein oder ein Kribbeln im Bauch.

Eltern können ihrem Kind helfen, indem sie Fragen zum Crush stellen, zur Person, auf die es steht. Denkst du oft an ihn? Träumst du von ihr? Wichtig ist dabei zu vermitteln, dass keine Entscheidung endgültig ist. Gefühle verändern sich und man darf sich jederzeit neu entscheiden. Bei Fragen zur sexuellen Orientierung bieten Fachstellen zusätzliche Unterstützung an.

5. Ist es normal, dass ich Angst habe vor dem ersten Mal?

Jugendliche möchten wissen, wann sie für das erste Mal bereit sind. Ein wichtiger Punkt ist, mit dem Partner, der Partnerin reden zu können: über Verhütung, Wünsche, Ängste und Vorstellungen. Auch von Sex fantasieren oder träumen kann ein Hinweis dafür sein, dass Jugendliche bereit dafür sind.

Petting mit dem Partner oder der Partnerin hilft ebenso, sich auf diesen Schritt vorzubereiten, wie Selbstbefriedigung. Denn sein eigenes Geschlecht gut zu kennen, ist hilfreich beim ersten Mal. Kinder und Jugendliche sollen wissen, dass es in Ordnung ist, sich selbst zu berühren – in einem geschützten, privaten Rahmen, allein und ungestört.

Und Jugendliche müssen wissen: Ein Ja lässt sich jederzeit zurückziehen, wenn man es sich anders überlegt. Geplanter Sex muss nicht zwingend stattfinden.

Eltern sollten sich zudem bewusst sein, dass Jungs wie Mädchen noch immer mit Geschlechterstereotypen konfrontiert sind. Mädchen zum Beispiel fühlen sich vielleicht bei frühen oder häufigen sexuellen Aktivitäten als «Schlampen».

Um diesen Stereotypen entgegenzuwirken, können Eltern mit ihren Kindern gegenteilige Wertvorstellungen besprechen und entsprechende weibliche und männliche Vorbilder heranziehen. Oder man versucht gemeinsam zu ergründen, warum Jungs und Mädchen teilweise nach unterschiedlichen Massstäben beurteilt werden.

Doch Unsicherheiten und Probleme gehören dazu, schliesslich ist Sexualität ein lebenslanges Lernfeld. Wenn sich Eltern Sorgen machen, beruhigt es vielleicht zu wissen, dass der erste Geschlechtsverkehr in der Schweiz heute durchschnittlich mit knapp 17 Jahren stattfindet. Also etwas später als in ihrer Jugend. Ausserdem verhüten Jugendliche heute zuverlässiger als in den 1980er-Jahren.

Unterstützen Sie unsichere Jugendliche darin, sich selbst zu mögen, indem Sie ihre positiven Seiten hervorheben.

6. Ich bin nicht schön genug.

Das gängige Schönheitsideal beschäftigt viele Jugendliche. Wer diesem nicht zu entsprechen meint, fühlt sich oft nicht begehrenswert. Das schwächt das Selbstvertrauen. Das Aussehen macht jedoch nur einen Teil der Attraktivität aus. Es ist wichtig, dies Jugendlichen immer wieder zu vermitteln.

Auch Ausstrahlung und innere Einstellungen beeinflussen unsere Attraktivität. Wer seinen Interessen nachgeht, wird auch für andere interessant – und damit attraktiv. Zudem ist das Selbstbild entscheidend: Wer sich selbst gut findet, strahlt das auch aus.

«Wie merke ich, dass ich verliebt bin?» und «Wie zeigt sich sexuelle Anziehung?». Beide Fragen werden auf lilli.ch oft gestellt. (Bild: Eylül Aslan / Connected Archives)

Eigene Stärken und Ressourcen finden ist im Teenageralter manchmal schwierig. Dann kann es helfen, wenn Eltern ihrem Sohn beziehungsweise ihrer Tochter sagen, was ihn oder sie interessant macht. Das heisst: positives Feedback zu konkreten Handlungen geben und liebenswerte Eigenschaften möglichst spezifisch hervorheben. Je genauer ein Kompliment, desto glaubhafter ist es.

7. Ich will mich nicht blamieren.

Das Offenlegen der eigenen Gefühle ist riskant. Verständlicherweise wollen sich Jugendliche vor Zurückweisung schützen und diesen Schritt vermeiden.

Bevor sie über Gefühle sprechen, sollten Jugendliche vorab möglichst viel Zeit mit dem Crush verbringen. So lernen sie die Person besser kennen und können sie genauer einschätzen. Das minimiert das Risiko, verletzt zu werden. Abwarten und Beobachten ist daher manchmal kein schlechter Rat.

Das Ansprechen von Gefühlen ist Übungssache und wird mit der Zeit leichter. Das zu wissen, entlastet. Manche Jugendliche fürchten die «Friendzone», in der sie nicht landen möchten. Aber auch aus Freundschaften können Beziehungen entstehen.

8. Ich wünsche mir so sehr eine Beziehung!

Das Gefühl «Alle haben einen Freund, nur ich nicht» wird mit der Zeit quälend. Einige Jugendliche beschreiben, ständig übergangen und übersehen zu werden, und leiden darunter, keine Beziehung zu haben – und noch nie eine gehabt zu haben. Was hilft?

Die Zeit für sich nutzen: sich selbst besser kennenlernen, sich akzeptieren und so die Selbstsicherheit ausbauen. Dazu gehört, den Fokus auf sich und die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu legen – und sich nicht auf das zu konzentrieren, was fehlt. Wer sich gut kennt, kann Gleichgesinnte suchen. Und die Eltern können einen dabei unterstützen.

Eltern können ihr Kind fragen, was es noch in einer unglücklichen Beziehung hält. Oft ist es die Angst vor dem Alleinsein.

9. Meine Freundin ist oft abwesend und redet kaum mit mir.

Manche Jugendliche sind zwar in einer Beziehung, aber unglücklich. Um eine Trennung zu vermeiden, versuchen sie die andere Person zu ändern oder zu kontrollieren. Menschen lassen sich aber nicht kontrollieren. Das schwächt das Vertrauen. Wer unzufrieden ist, muss selbst etwas ändern.

Eltern können ihr Kind fragen, was es noch in der Beziehung hält. Oft ist es die Angst vor dem Alleinsein. Gezielte Fragen können den Prozess unterstützen: «Was wäre schlimm am Alleinsein? Du warst zuvor schon allein», «Du fühlst dich auch in der Beziehung alleingelassen, wäre Single-Sein wirklich schlimmer?», «Warum möchtest du jemandem hinterherlaufen, der dich nicht so akzeptiert, wie du bist?».

Das sind sehr direkte Fragen, aber ehrliche und wichtige. Jugendliche dürfen lernen, ihre Bedürfnisse zu benennen und zu erwarten, dass diese respektiert werden.

Rechtliche Fragen

Juristische Fragen betreffen häufig das Schutzalter. In der Schweiz dürfen Personen keine sexuellen Handlungen mit Personen unter 16 haben, wenn der Altersunterschied mehr als drei Jahre beträgt.

Das bedeutet beispielsweise, dass Beziehungen zwischen 14- und 18-Jährigen oder zwischen 12- und 16-Jährigen nicht erlaubt sind. Dabei macht sich jeweils die ältere Person strafbar.

Das Schutzalter gilt zudem für das Zeigen pornografischer Inhalte: Diese dürfen niemandem unter 16 Jahren gezeigt werden.

10. Meine Eltern möchten nicht, dass wir uns treffen.

Jugendliche wünschen sich, dass ihre Eltern hinter ihnen und ihren Beziehungen stehen und sie unterstützen. Und doch erleben einige das Gegenteil. Wenn Eltern mit der Beziehung ihres Kindes nicht einverstanden sind, sollten sie sich fragen, welche Ängste und Sorgen sie in Bezug auf diese Beziehung haben.

Denken sie, ihr Kind sei noch zu jung dafür? Wenn sie Verbote aussprechen: Was möchten die Eltern damit erreichen? Ihr Kind schützen? Vor schlechten Erfahrungen? Vor Enttäuschung? Gefühle offen anzusprechen, gibt den Jugendlichen die Chance, Verantwortung zu übernehmen.

Ein solcher Austausch öffnet die Tür für weitere Gespräche über Ängste, Sorgen und Erwartungen. Und für Jugendliche ist es zugleich ein Übungsfeld, um den Umgang mit Konflikten in Beziehungen zu lernen.

11. Meine Mutter stiehlt mir meine Freundin!

Genauso schwierig wie Desinteresse ist es, wenn Eltern zu sehr in der Beziehung ihrer Jugendlichen präsent sind. Wenn zum Beispiel die Mutter plötzlich zur besten Freundin wird und fast mehr mit der Partnerin ihres Sohnes simst als er.

Eltern sollen das Nähe-Distanz-Bedürfnis von Jugendlichen respektieren. Sind sie unsicher, ob sie schon zu nah sind, hilft es, nachzufragen. Oder offene, unverbindliche Angebote zu machen: «Wenn ihr wollt, könnt ihr nachher mitessen. Und sonst wisst ihr ja, wo der Kühlschrank ist.»

Übrigens dürfen auch Eltern das Angebot von lilli.ch nutzen und um Rat fragen. Schliesslich ist die Übergangsphase vom Kind zum Teenager für alle Beteiligten eine Herausforderung.

Hilfe im Netz:

  • Auf lilli.ch können sich Jugendliche und Erwachsene anonym online beraten lassen. Zudem gibt es viele Infos und Tipps rund um Sexualität, Verhütung und erste Beziehungen.
  • Queere Fachstellen: Milchjugend: milchjugend.ch
  • Regenbogenhaus in Zürich: dasregenbogenhaus.ch