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«Es gilt immer das Gleiche – egal, wer gerade zuständig ist»

Aus Ausgabe
06 / Juni 2026
Lesedauer: 3 min
Michèle und Reto Wipf leben mit ihren fünf Kindern auf einem Bauernhof im Kanton Zürich. Klare Abläufe und feste Regeln helfen ihnen, Familie und Betrieb miteinander zu verbinden.
Aufgezeichnet von Julia Meyer-Hermann

Bild: Marvin Zilm / 13 Photo

Michèle, 35, und Reto Wipf, 42, führen gemeinsam einen Bauernhof mit ­Direktvermarktung in Marthalen ZH. Zur Familie gehören fünf Kinder: Malea, 7, Kaja, 5, Amira, 4, Daria, 2, und Säugling Arno.

Reto: «Ohne klare Regeln geht es bei uns nicht. Wir führen einen Hof mit Tierhaltung, Direktvermarktung, Ackerbau und mehreren Angestellten. Unser Arbeitstag beginnt früh, manchmal um vier Uhr morgens. Gleichzeitig haben wir fünf Kinder, die auch ihren Rhythmus haben. Damit das zusammen funktioniert, braucht es klare Abläufe und eine gemeinsame Haltung von uns Eltern.

Für mich gehört beides zusammen: klare Regeln und Verlässlichkeit. So entsteht die Sicherheit, die Kinder brauchen.

Reto Wipf, Vater

Wir sind uns darüber einig, dass wir die Kinder im Blick haben. Aber bei sieben Personen kann man nicht in jeder Situation auf jeden Einzelnen Rücksicht nehmen. Die Kinder lernen von klein auf, dass sie Teil einer Gemeinschaft sind und Kompromisse dazugehören. Beim Essen ist das zum Beispiel so: Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Da gibt es bei uns keine Diskussion.

«Wir als Eltern geben den Rahmen vor»

Uns ist auch wichtig, dass grundlegende Fragen nicht ständig neu verhandelt werden. Wir als Eltern geben den Rahmen vor. Diese Leitplanken geben den Kindern Orientierung. Wenn heute etwas gilt und morgen ist wieder alles anders, dann fehlt diese Sicherheit. Es gilt immer dasselbe – egal, wer gerade zuständig ist. Ob ich ein Kind ins Bett bringe oder meine Frau: Es läuft immer gleich ab. Diese Einheitlichkeit macht es für die Kinder einfacher, weil sie wissen, woran sie sind.

Mit zunehmendem Alter verändert sich der Umgang natürlich. Bei den Älteren geht es stärker über Gespräche. Wir versuchen zu erklären, warum wir etwas wollen und warum etwas nicht geht. Mir ist wichtig, dass sie ihr Verhalten reflektieren. Für mich gehört beides zusammen: klare Regeln und Verlässlichkeit. So entsteht aus meiner Sicht die Sicherheit, die Kinder brauchen.»

In Werten und Haltung einig

Michèle: «Ich bin selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen und wurde ähnlich erzogen. Auch bei uns gab es klare Regeln. Das hat mich geprägt, und vieles davon übernehmen wir heute auch für unsere Familie.

Ich bin bei uns für die Kinder, den Haushalt und das Kochen zuständig. Ich mache das gerne und bin damit sehr glücklich. Ich stehe früh auf, bereite alles für den Morgen vor und begleite die Kinder durch den Tag. Es gibt feste Abläufe, zum Beispiel am Morgen oder abends beim Ins-Bett-Gehen. Obwohl wir unsere eigenen Bereiche haben, sprechen Reto und ich im Laufe eines Tages viel miteinander. Reto weiss immer, was bei den Kindern läuft, und umgekehrt. Zum Mittagessen trifft sich die ganze Familie.

Bei unserer Ältesten schauen wir darauf, dass sie nicht zu viel Verantwortung übernimmt und auch einfach Kind sein darf.

Michèle Wipf, Mutter

Reto und ich sind uns in unseren Werten und unserer Haltung sehr einig. Wir streiten oder diskutieren auch nie vor den Kindern. Sie sollen merken: Wir vertreten die gleiche Haltung.

Wenn sich ein Kind nicht an eine Regel hält, bleibe ich streng. Dann gibt es auch Konsequenzen, zum Beispiel eine Zeit lang kein Fernsehen. Danach funktioniert es meistens wieder. Gleichzeitig ist mir wichtig, dass die Kinder ihren Platz haben. Gerade bei unserer Ältesten schauen wir zum Beispiel darauf, dass sie nicht zu viel Verantwortung übernimmt und nicht in eine Mutterrolle rutscht. Sie soll auch einfach Kind sein dürfen.»