Teilen

«Warnsignale erkennen und im Gespräch bleiben»

Aus Ausgabe
05 / Mai 2026
Lesedauer: 2 min
Toxische Männlichkeitsideologien faszinieren besonders männliche Jugendliche. Psychologe Markus Theunert zeigt, wie die Plattform «Vorsicht Manosphere!» hilft, Warnsignale rechtzeitig zu erkennen und konstruktiv im Dialog zu bleiben.
Interview: Virginia Nolan

Bild: Getty Images

Herr Theunert, wofür steht der Begriff «Manosphere»?

Es ist ein Sammelbegriff für Interneträume, die problematische Männlichkeitsideologien proklamieren. Problematisch, weil sie von einer naturgegebenen Geschlechterordnung und dominanter Männlichkeit ausgehen. Sogenannte Manfluencer machen Frauen, Feminismus und Gleichstellung dafür verantwortlich, dass sich viele Männer verunsichert fühlen.

Portrait von Markus Theunert. Ein Gespräch über die Manosphere.
Markus Theunert ist Psychologe und Mitinitiant der Plattform «Vorsicht Manosphere!» (Bild: Filipa Peixeiro / 13 Photo)

Prominentester Vertreter ist Andrew Tate. Für ihn bedeutet Männlichkeit Dominanz, ein gestählter Körper, finanzieller Erfolg und natürliche Überlegenheit. Manfluencer behaupten, dass Feminismus Naturgesetze missachtet und Frauen Männer unterjochen wollen. Das heizt Frauenfeindlichkeit und Gewalt an.

Hier setzt die Plattform «Vorsicht ­Manosphere!» an. Wer ist angesprochen?

Die Plattform bietet Wissen und Orientierung für Eltern, Bezugspersonen und Fachkräfte. Die Verantwortung trägt die Fachstelle männer.ch mit Unterstützung durch Bund, Kantone und Gemeinden. Viele männliche Jugendliche sind fasziniert, wie machtvoll Männlichkeit im Netz inszeniert wird. Diejenigen, deren Selbstwert instabil ist und die ein starkes Bedürfnis nach Status und Sicherheit haben, sind besonders gefährdet, in den Sog der Manosphere zu geraten.

Es ist anspruchsvoll, Entwicklungen einzuordnen, Risiken abzuschätzen und mit Jugendlichen in Kontakt zu bleiben.

Nach Ausstrahlung der Netflix-Serie «Adolescence» 2025 ­meldeten sich bei männer.ch immer mehr besorgte Eltern und Lehrpersonen. Für ihre Fragen gab es keine richtige Anlaufstelle. Diese Lücke will die Plattform schliessen.

Wie bietet sie Hilfesuchenden Hand?

Es ist anspruchsvoll, Entwicklungen einzuordnen, Risiken abzuschätzen und mit Jugendlichen in Kontakt zu bleiben. Wann braucht es Vertrauen und Gelassenheit, wann sind Konfrontation und klare Grenzen nötig? Die Plattform zeigt auf, wie wir Jugendliche begleiten, problematischen Männlichkeitsideologien vorbeugen, Signale erkennen und im Gespräch bleiben können.

Wichtig ist, dass Offline-Räume nicht vernachlässigt werden, Eltern dafür sorgen, dass ihr Kind vielfältige analoge Begegnungen und Erlebnisse hat. Das kontrastiert die eindimensionalen Feindbilder und Rezepte der Manosphere und zeigt, dass die mit der Realität wenig gemeinsam haben.

Weitere Infos: manosphere.ch