Herr Omer, die Suizidrate von Jugendlichen in der Schweiz ist konstant. Stark zugenommen hat in den vergangenen Jahren aber die Zahl jener, die über Suizid nachdenken oder auch versuchen, sich das Leben zu nehmen.
Generell kann man sagen, dass die Schweiz bezüglich ihrer Suizidrate mit den meisten westlichen Ländern vergleichbar ist. In der Adoleszenz ist Suizid die häufigste oder zweithäufigste Todesursache, vor beziehungsweise nach Verkehrsunfällen. Was wir aber auch sehen: Das Alter, in dem Heranwachsende über Suizid nachdenken oder versuchen, sich das Leben zu nehmen, sinkt.
Wer exzessiv Zeit im Internet und in den sozialen Medien verbringt, weist ein höheres Risiko für Angststörungen und Depressionen auf.
Woran liegt das?
Wir wissen es nicht genau. Sicher ist: Wer exzessiv Zeit im Internet und in den sozialen Medien verbringt, weist ein höheres Risiko für Angststörungen und Depressionen auf. Diese gehen mit einer grösseren Suizidgefahr einher. Da heute oft auch jüngere Kinder viel Zeit an Handy und Computer verbringen, dürften auch sie mehr davon betroffen sein.
Sie sprechen in Ihrem Buch «Suizidgefährdete Jugendliche unterstützen: ein Leitfaden für Familie, Schule und soziales Umfeld» oft von Teenagern, die sich im Zimmer verschanzen und ganze Tage an digitalen Geräten oder im Bett verbringen. Äussert sich eine suizidale Krise in der Adoleszenz typischerweise so?
Wenn sich Jugendliche dermassen abschotten, ist das klar ein Warnzeichen. Doch nicht alle ziehen sich zurück und zeigen typische Symptome einer Depression. Es gibt auch suizidgefährdete Teenager, die sich sehr impulsiv verhalten und andere riskante Verhaltensweisen aufweisen, zum Beispiel Drogen konsumieren.

Kommt es vor, dass Eltern von einem Suizidversuch ihres Kindes völlig überrascht werden?
In den meisten Fällen sind die Eltern die Ersten, die Warnzeichen erkennen. Sie suchen in der Regel auch als Erste Hilfe auf. Manchmal stellen aber auch andere Menschen aus dem Umfeld des Kindes als Erste Veränderungen fest, die zu Besorgnis Anlass geben. Natürlich kann der Suizidversuch eines Teenagers für seine Eltern scheinbar aus dem Nichts kommen. Häufig ist das aber nicht.
Haben die Eltern in solchen Fällen die Anzeichen nicht sehen wollen?
Das glaube ich nicht. Wenn ein junger Mensch ernsthaft über Suizid nachdenkt und seine Eltern nichts davon mitbekommen, liegt das in der Regel daran, dass er seine Gedanken bewusst für sich behalten hat. Was dagegen häufig passiert: Die Eltern erkennen das Risiko – aber wissen nicht, wie sie darauf reagieren sollen. Darum haben die Psychologin Anat Brunstein-Klomek und ich dieses Buch geschrieben.
Wenn es den Eltern schlecht geht, kann sich auch der Zustand des Teenagers nicht verbessern.
Wenn man es liest, bekommt man bald einmal den Eindruck: Wir Eltern machen in kritischen Momenten ganz schön viel falsch.
Ich möchte nicht von Fehlern sprechen, denn es geht nicht um Schuldzuweisung. Aber ja, es gibt typische Reaktionen von Eltern, die problematisch sind. Manche werden zum Beispiel von einer vollkommenen Hilflosigkeit erfasst, wenn ihr Kind sagt, dass es darüber nachdenkt, sich das Leben zu nehmen. Sie sind wie gelähmt und zu keinem Gedanken fähig, ausser dass das Kind schleunigst zur Psychologin sollte.
Schwierig ist auch, wenn Eltern mit Vorwürfen reagieren oder zu Moralpredigten ansetzen: Wie kannst du nur so etwas sagen? Weisst du eigentlich, was du uns damit antust? Eine solche Reaktion führt zur Eskalation, und diese erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Teenager impulsiv handelt. Manchmal brechen Eltern auch in Panik aus. Alle diese Reaktionen sind menschlich und verständlich. Aber sie helfen in solchen Situationen nicht weiter.
Wie können Mütter und Väter besser reagieren?
Dazu muss ich vielleicht erst anfügen: Unser therapeutisches Programm ist das einzige, das den Sorgen und Problemen der Eltern denselben Stellenwert beimisst wie dem Leid der suizidgefährdeten Jugendlichen. Zum einen, weil Eltern schlicht ebenso ein Anrecht auf Hilfe haben. Zum anderen sind wir aber auch überzeugt: Wenn es den Eltern schlecht geht und sie sich selbst daheim nicht mehr wohl fühlen, kann sich auch der Zustand des Teenagers nicht verbessern. Das psychische Wohlergehen der Eltern und jenes des Kindes hängen eng zusammen.
Die Anwesenheit einer weiteren Person reduziert die Gefahr einer Eskalation zwischen Eltern und Kind.
Was können Eltern also konkret tun, wenn ihr Kind suizidgefährdet ist?
Das Allerwichtigste: Eltern müssen diese Situation nicht allein durchstehen. Sie dürfen – und sollen – möglichst breit Unterstützung holen. Das kann der eigene Vater sein oder eine gute Freundin der Familie, die Tante oder das Gotti des Kindes. Allein die Anwesenheit einer weiteren Person reduziert die Gefahr einer Eskalation zwischen Eltern und Kind. Wenn Mütter und Väter auf sich gestellt sind, geraten sie schneller unter Druck und reagieren eher verängstigt oder aufgelöst. Mit jemandem an ihrer Seite dagegen stehen sie auf stabilerem Grund.
Dieses Einbeziehen des Umfeldes erinnert stark an das von Ihnen entwickelte Konzept der neuen Autorität.
Richtig, auf diesem basiert auch unser Ansatz zur Suizidprävention. Das ist ein grosser Unterschied zu anderen therapeutischen Programmen, in denen das erweiterte Netzwerk gar nicht oder erst spät einbezogen wird. Doch wir sind überzeugt, dass wir mit einem solchen Schritt die Eltern stärken. Denn sie sind es, die in diesem Moment – nebst dem Kind – am dringendsten Hilfe brauchen. Ausserdem haben wir so auch mehr Wege und Möglichkeiten, um Jugendliche zu erreichen, die sich einer Kooperation vielleicht erst einmal entziehen.
Das Konzept der neuen Autorität
Haim Omer bietet neu einen Onlinekurs für Eltern an. In «Elternsein mit Präsenz, Beziehung und Haltung» werden die Grundlagen des Konzepts zur neuen Autorität vermittelt und Wege präsentiert, wie diese im Alltag direkt umgesetzt werden können. Das Webinar findet auf Deutsch statt und ist flexibel abrufbar.
Gibt es weitere Gründe, weshalb Eltern in einer akuten Krise möglichst solche Unterstützung beiziehen sollten?
Ja. In einer Ausnahmesituation sind Eltern eher gewillt, andere Menschen einzubeziehen. Hat sich die Lage wieder beruhigt, und sei dies nur vorübergehend, sinkt diese Bereitschaft normalerweise wieder. Solche Unterstützerinnen und Unterstützer bleiben aber auch wichtig, wenn nicht höchste Alarmstufe herrscht.
Inwiefern?
Es gibt dazu eine wegweisende Studie mit Jugendlichen, die schon einmal einen Suizidversuch unternommen haben. Im Interview wurden sie von den Forschenden gebeten, sich vier Personen zu überlegen, die sie in einer erneuten Krise kontaktieren könnten. Sie sollten nicht nur deren Namen aufschreiben, sondern jeweils auch den Grund, weshalb sie sich an diesen Menschen wenden würden.
Es zeigte sich: Wer diese Liste erstellte, wies ein deutlich geringeres Risiko für weitere Suizidversuche auf. Allein das Wissen um die Möglichkeit also, aus seinem Kokon der Einsamkeit heraustreten zu können, hat eine präventive Wirkung. Das ist umso beeindruckender, als dass ein früherer Suizidversuch zu den stärksten Vorhersagefaktoren überhaupt gehört, dass die Person noch einmal versuchen wird, sich das Leben zu nehmen.

Warum ist das so?
Die Person hat mit dem ersten Anlauf sozusagen den Rubikon überschritten. Ist diese Hemmschwelle erst einmal überwunden, fallen weitere Suizidversuche nicht mehr gleich schwer. Natürlich spielt aber auch mit, dass die Probleme, die den jungen Menschen in seine verzweifelte Lage gebracht haben, meist auch nach dem Suizidversuch weiter bestehen.
Wie also können Götti, Oma oder die beste Freundin konkret helfen?
Da gibt es viele Wege, sie hängen auch von der jeweiligen Person ab. Ich kann zum Beispiel anfangen, der suizidgefährdeten Person regelmässig Nachrichten zu schreiben – auch wenn das zu Beginn vielleicht eine einseitige Angelegenheit ist.
Ich kann sie zum Abendessen einladen oder vorschlagen, wieder einmal zusammen fischen zu gehen. Ich kann ihr ausserdem, in Worten und Gesten, ganz zentrale Botschaften vermitteln: Ich liebe dich. Du bist mir wichtig. Ich habe dich schon andere Herausforderungen meistern sehen. Du schaffst das und ich werde dir dabei helfen, wo ich nur kann.
All das sagt dem Teenager: Du gehörst dazu. Wir dürfen eines nicht vergessen: Eine suizidale Krise ist eine Spirale wachsender Selbstisolation. Die Jugendlichen fühlen sich je länger, je mehr alleine auf der Welt. Darum ist es auch so wichtig, Menschen beizuziehen, zu denen das Kind einen guten Draht hat. Sie geben ihm wieder ein Gefühl von Zugehörigkeit und Verankerung zurück.
Spielt bei diesem Einbezug des Umfeldes nicht auch die Kultur eine Rolle? Sie leben in Israel, wo es üblicher sein dürfte, dass man bei Tanten, Cousins und Freunden ein- und ausgeht. Lässt sich dieser Ansatz so einfach auf ein Land wie die Schweiz übertragen, in dem die Menschen zurückhaltender sind?
Natürlich gibt es zwischen den beiden Ländern grosse kulturelle Unterschiede. Interessanterweise stösst unser Konzept aber gerade im deutschsprachigen Raum auf deutlich mehr Resonanz als etwa in Israel. Vielleicht liegt das ja genau daran, dass die Menschen in Deutschland oder der Schweiz eben mehr für sich leben.
Unsere Arbeit beschränkt sich ja nicht nur auf den guten Rat, mehr unter die Leute zu gehen. Sondern wir finden mit den Menschen ganz konkret Wege, die ihnen ermöglichen, aus ihrer Isolation herauszutreten, über schwierige Themen zu reden und Unterstützung zu erbitten.
Die Eltern sind ein Anker, der das Kind gegen seinen unmittelbaren Impuls stabilisiert.
Sie kritisieren häufig, dass wir der Privatsphäre zu viel Bedeutung beimessen. Dürfen besorgte Eltern also das Handy der suizidgefährdeten Jugendlichen kontrollieren oder deren Zimmer ungefragt betreten?
Damit ich hier nicht falsch verstanden werde: Dem eigenen Kind hinterherzuspionieren, ist eine schlechte Idee. Immer. Aber wenn dieses uns zu verstehen gibt, dass es über Suizid nachdenkt, dann muss die Privatsphäre auch mal hintanstehen. Und ja, das kann bedeuten, dass man als Mutter oder Vater wissen will, was der Teenager in seinem Zimmer oder in den sozialen Medien macht.
Allerdings geschieht das nicht hinter seinem Rücken. Wir kündigen den Schritt an und erklären ihn auch. Zum Beispiel können Eltern sagen: Wir machen uns grosse Sorgen und möchten nicht, dass du dich in deinem Zimmer einschliesst. Bitte gib uns den Schlüssel. Wir klopfen an, aber lass uns rein. Wir sind deine Eltern. Wir können und werden dich nicht alleine lassen.

Die Gefahr dürfte gross sein, dass das Kind darauf nicht reagiert.
Nein, so gross ist sie nicht. Suizidgefährdete Jugendliche haben ein tiefes Bedürfnis, gesehen zu werden. Sie müssen spüren, dass ihr Schmerz erkannt und ernst genommen wird – aber auf fürsorgliche, nicht auf aufdringliche Weise. Sicher gibt es aber Kinder, die erst mal nicht antworten oder Eltern den Zutritt zum Zimmer verweigern. Auch hier hilft es, wenn Mütter und Väter nicht auf sich allein gestellt sind, sondern auch die Oma oder ein guter Freund zugegen ist.
Diese finden in diesem Moment möglicherweise eher den Zugang zum Kind. Noch einmal: Ich sehe, wie sehr du leidest. Ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, um dir zu helfen. Solche Sätze sind für einen suizidalen Teenager unheimlich wichtig. Viele Jugendliche mit Essstörungen erzählen uns in der Therapie, dass ihre Eltern über Jahre nicht bemerkt hätten, wie lange sie jedes Mal im Bad verschwanden, um sich zu übergeben.
Wie kann den Eltern so etwas entgehen?
Ich glaube, auch hier spielt massgeblich der Glaube mit rein, die Privatsphäre sei unantastbar. So sagen wir uns vielleicht, dass der Körper unserer Tochter schliesslich ihr gehört und wir uns nicht einmischen dürfen; dass sie alleine darüber befindet, wie viel Zeit sie auf der Toilette verbringt und was sie dort tut. Dieser Privatsphärereflex ist tief verankert.
Sie schreiben in Ihrem Buch, das Teilen von Nahrung und Besitz sei eines der elementarsten Fundamente von Zugehörigkeit. Kann so etwas Alltägliches, fast Banales wie Essen so grosse Wirkung erzielen?
Banal ist das gar nicht. Es ist ja nicht so, dass ich dem suizidgefährdeten Teenager eine Mandarine in die Hand drücke und gut ist. Lassen Sie mich Ihnen die Geschichte eines Mädchens erzählen, das mit 14 Jahren bereits mehrere Suizidversuche hinter sich hatte.
Die Beziehung zum Vater war sehr distanziert, es sprach irgendwann kaum noch mit ihm. Eines der Dinge, die der Vater tat, um seiner Tochter wieder näherzukommen: Er begann, ihr jeden Abend vor dem Schlafengehen einen Tee und ein Guetzli ans Bett zu bringen. Das könne er sich sparen, befand die Tochter. Der Vater aber klopfte weiter allabendlich an ihre Tür.
Dem Kind aus Mitleid nachgeben sagt: Du bist eh schon ein Häufchen Elend.
Eines Abends, es war etwa ein Monat vergangen, brachte er den Tee erst um elf Uhr statt um zehn; er hatte mit der Mutter des Mädchens einen Anlass besucht. Du bist zu spät, begrüsste ihn die Tochter. Wie sich der Vater freute! Das Ritual bedeutete dem Mädchen also etwas.
Selbst da aber sollte es nochmals zwei Wochen dauern, bis es seinen Vater zum ersten Mal mit einer Umarmung empfing. Damit will ich sagen: Der Tee ist ein erster Schritt eines langen Prozesses. Er ist etwas Kleines, das aber mehr und mehr Raum einnimmt. Denn natürlich geht es hier um etwas Fundamentales: Die Tochter gewinnt ihren Vater zurück. Das Ritual zeigt ihr, dass sie sich auf ihn verlassen kann.
Sie erwähnen in diesem Zusammenhang auch das sogenannte Parlament des Geistes.
Edwin Shneidman, der Vater der wissenschaftlichen Suizidologie, hat diesen Begriff geprägt. Gemäss dieser Vorstellung spielt sich im Kopf einer suizidgefährdeten Person stets eine Debatte zwischen den Stimmen des Todes und den Stimmen des Lebens ab. Wie wir wissen, dass es Letztere gibt? Solange wir am Leben sind, spricht immer noch etwas gegen einen Suizid – und sei es schlicht die Angst vor dem Tod oder das Verantwortungsgefühl gegenüber der kleinen Schwester. Dieses Konzept des Parlaments des Geistes ist auch wichtig, weil man bei der Hilfe für suizidgefährdete Menschen oft denkt, man müsse diese ein für alle Mal davon überzeugen, dass Suizid der falsche Weg sei.
Was ist daran falsch?
Wir bringen in einer akuten Krise niemanden dazu, sich eindeutig für das Leben zu entscheiden. Das heisst aber nicht, dass wir nichts tun können! Wenn wir stattdessen bei kleinen, aber konkreten Faktoren ansetzen – und das kann auch ein allabendlicher Tee sein –, verschaffen wir der Seite des Lebens ein paar zusätzliche Stimmen. So reduzieren wir das Suizidrisiko wenigstens für den Moment, und vor allem: Wir gewinnen kostbare Zeit, um weitere Massnahmen zum Schutz des Kindes zu ergreifen.
Wie soll ich als Mutter oder Vater reagieren, wenn mein Kind droht, sich etwas anzutun, wenn es weiter in die neue Schule muss oder das Handy über Nacht nicht im Zimmer haben darf? Wie kann ich den Gefühlen einer verzweifelten Jugendlichen Rechnung tragen, ohne auf ihre Forderungen einzugehen?
Das ist unheimlich schwer für Eltern, ganz klar. Gleichzeitig wissen wir: Wenn wir hier Zugeständnisse machen, mag das die Krise vorübergehend entschärfen. Langfristig aber verschlimmert sich die Lage nur. Dieses Geben aus Mitleid, wie wir es nennen, sagt dem Kind zudem: Du bist ja eh schon ein Häufchen Elend, da, nimm halt. Das ist auch dem Selbstkonzept der Jugendlichen nicht zuträglich.
Was sollen Eltern stattdessen tun?
Wir helfen Müttern und Vätern dabei, bei solchen Forderungen nicht nachzugeben. Sie können dem Kind zum Beispiel antworten: Wir verstehen, wie schwer es sein muss, dich in der neuen Schule zurechtzufinden. Wir können aber nicht zulassen, dass du nicht mehr hingehst. Wir werden über das nachdenken, was du gesagt hast, und zusammen eine Lösung finden. Lass uns heute Abend reden. Den Zeithorizont zu erweitern, ist auch hier ganz zentral. Die Eltern sind ein Anker, der das Kind gegen seinen unmittelbaren Impuls stabilisiert. Sie demonstrieren Selbstkontrolle.
Die Pflicht der Eltern ist es, für das Leben ihres Kindes zu kämpfen.
Weshalb ist das so wichtig?
Wir können nicht kontrollieren, was unsere Kinder fühlen und denken – und auch nicht, was sie tun. Wir können nur über uns selbst bestimmen. Eltern denken verständlicherweise, dass es ihre Pflicht ist, jede Möglichkeit eines Suizids auszuschliessen. Das ist aber unmöglich. Ihre Pflicht ist es, für das Leben ihres Kindes zu kämpfen. Was ihnen hilft, ist, sich selbst zu kontrollieren.
Wenn wir unsere Selbstkontrolle schon ein wenig verbessern, sind Eskalationen weniger wahrscheinlich und die Beziehung zum Jugendlichen verbessert sich. Das ist bereits ein Gewinn. Selbstkontrolle heisst ja, dass ich auch in Krisenmomenten meiner Rolle als Mutter oder Vater bewusst bin und diese erfülle. Die Stärke, die Eltern damit ausstrahlen, trägt zur Stabilisierung des Kindes bei. Und sie sagt dem Kind: Das stehen wir zusammen durch.









