Arztbesuch

Schlafstörungen bei Teenagern

Bei Kindern und Jugendlichen kommen Schlafstörungen häufig vor – in unterschiedlicher Ausprägung. Wann sollten Eltern auf jeden Fall fachliche Unterstützung suchen? Und was können sie und ihr Kind für einen erholsamen Schlaf tun?
Text: Christine Amrhein 
Bild: Harry & Lidy / Plainpicture
Der 13-jährige Lars hat seit Jahren Einschlafprobleme: Abends liegt er ein bis zwei Stunden wach, bevor er endlich schlafen kann. Dabei beschäftigen ihn oft Sorgen und Ängste – zum einen vor der Schule, aber immer öfter auch die Angst, nicht schlafen zu können. Seine Eltern machen sich Sorgen, dass sich sein Schlafdefizit negativ auf die Schulleistungen auswirken könnte. 
Etwa 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen leiden ­im Laufe ihrer Entwicklung an ­einer Schlafstörung.
Schlafstörungen sind bei Jugendlichen keine Seltenheit – und haben in den letzten Jahren zugenommen: Laut einem Bericht des Deutschen Ärzteblatts hat sich der Anteil der 15- bis 19-Jährigen, die unter einer nicht organischen Schlafstörung leiden, von 2006 bis 2016 mehr als verdoppelt.

Insgesamt leiden etwa 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen irgendwann in ihrer Entwicklung an einer Schlafstörung. Das kann sich deutlich auf ihren Alltag auswirken: Die Teenager sind tagsüber müde und unkonzentriert, haben schlechte Laune und sind in der Schule weniger leistungsfähig. 

Typisch für eine Schlafstörung ist, dass der Schlaf in irgendeiner Form beeinträchtigt ist, was oft zu Müdigkeit oder Schläfrigkeit am Tag führt. Doch im Einzelfall ist es gar nicht so einfach, zu erkennen, welche Schlafstörung vorliegt und was die genauen Ursachen sind. Wie schwer die Schlafstörung ausgeprägt ist und wie stark sie sich auf den Alltag auswirkt, kann ebenfalls sehr unterschiedlich sein.

Wann sollten Eltern auf jeden Fall fachlichen Rat einholen? 

«Wenn das Kind oder der Jugendliche tagsüber sehr müde ist oder dazu neigt, ­einzuschlafen, oder wenn es wegen der Schlafprobleme zu Stimmungsschwankungen, Konzentrationsproblemen oder deutlich verschlechterten Schulleistungen kommt, sollte man dies ärztlich abklären lassen», sagt Martina Hug, Oberärztin am Fachbereich Entwicklungspädiatrie des Universitäts-Kinderspitals Zürich. «Das Gleiche gilt, wenn im Schlaf auffälliges Verhalten auftritt, etwa Atemaussetzer oder ungewöhnliche, rhythmische Bewegungen. Aber auch dann, wenn die Eltern eine Beobachtung nicht einordnen können und darüber beunruhigt sind, sollten sie sich nicht scheuen, fachliche Unterstützung zu suchen.»

Zuerst zum Kinderarzt

Erster Ansprechpartner ist in den meisten Fällen der Kinderarzt. «Er kann prüfen, ob hinter den Schlafproblemen eine körperliche Ursache steckt, wie etwa häufiges Husten bei Asthma oder Schmerzen», erläutert Alexandre Datta, leitender Arzt und stellvertretender Abteilungsleiter der Neuro- und Entwicklungspädiatrie und Co-Leiter des Zentrums für Schlafmedizin der Basler Universitätskliniken. «Auch Müdigkeit am Tag kann vielfältige Ursachen haben, die nicht unbedingt mit dem Schlaf zusammenhängen müssen, etwa Eisenmangel oder psychische Ursachen wie eine Depression.» Der Kinderarzt wird daher sorgfältig nach den Ursachen fahnden.

Dabei ist es wichtig, Müdigkeit von Schläfrigkeit, also der Tendenz, einzuschlafen, abzugrenzen. «Anhand der Symptome kann er einschätzen, welche Art der Schlafstörung vorliegt», sagt Datta. «Dementsprechend kann er die Eltern beraten und selbst erste Behandlungsmassnahmen einleiten – oder das Kind, wenn notwendig, an einen Facharzt oder an eine Schlafambulanz überweisen.»
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Abends wach und tagsüber müde

Insgesamt lassen sich sechs Kategorien von Schlafstörungen unterscheiden. Die weitaus häufigsten Schlafprobleme bei Kindern und Jugendlichen sind Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen und Müdigkeit am Tag. Man spricht hier auch von einer Insomnie. «Neben Kleinkindern sind besonders häufig Jugendliche ab 11 bis 12 Jahren betroffen», berichtet Datta.

«Zum einen nimmt in diesem Alter der Schlafdruck ab, sodass das Einschlafen abends schwerer fällt. Zum anderen verschiebt sich der Schlafrhythmus aus hormonellen Gründen nach hinten: Die Jugendlichen gehen später ins Bett und schlafen morgens länger – und wenn sie, etwa wegen der Schule, früh aufstehen müssen, führt das häufig zu einem chronischen Schlafdefizit.»

So wie beim 16-jährigen Marco: Er feiert mit seinen Freunden gern bis spät in die Nacht Partys, an denen es neben Alkohol auch Energydrinks gibt. Unter der Woche spielt er bis spätabends Computerspiele. Häufig kann er bis in die frühen Morgenstunden nicht einschlafen, ist tagsüber sehr müde und kommt morgens teilweise gar nicht mehr aus dem Bett. Die Vorstellung, die Schule ohne Abschluss zu beenden, macht ihm grosse Sorgen.

Oft spielen bei den Ein- und Durchschlafproblemen auch psychische Belastungen eine Rolle, die mit Problemen in der Schule, mit Konflikten mit den Eltern oder mit Gleichaltrigen zusammenhängen: etwa Ängste, Leistungsdruck, Traurigkeit oder Ärger. Manchmal stehen die Schlafprobleme auch mit einer Depression in Verbindung. «Laut Studien haben bis zu 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit Depressionen einen gestörten Schlaf», berichtet Hug. «Sie können abends schwer einschlafen, sind nachts öfters wach und wachen häufig morgens zu früh auf.» Umgekehrt kann aber auch Schlafmangel zu depressiven Symptomen wie Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder Stimmungsschwankungen beitragen.
Die Nutzung von Smartphones oder Tablets kurz vor dem Schlafengehen beeinflusst den Schlaf ungünstig.
Schliesslich kann sich die Nutzung von Smartphones oder Tablets kurz vor dem Schlafengehen ungünstig auf den Schlaf auswirken. «Das blaue Licht der Bildschirme, aber auch die erhöhte Erregung durch die Nutzung sozialer Medien hemmen die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin, das für einen geregelten Schlaf-Wach-Rhythmus wichtig ist», erläutert Datta.

Wichtig ist daher, zunächst die Ursachen der Schlafprobleme herauszufinden. «In unserer Schlafsprechstunde fragen wir sorgfältig nach den Faktoren, die zu Schlafproblemen führen können», sagt Hug. «Ausserdem sollen die Jugendlichen 14 Tage lang ein Schlaftagebuch führen, mit dem wir ihren tatsächlichen Schlafbedarf und Besonderheiten des Schlafes erfassen können.» 

Anschliessend werden die Eltern und auch das Kind beziehungsweise der Jugendliche beraten, was sie tun können, um die Schlafprobleme in den Griff zu bekommen. «Dabei erhalten sie zunächst wichtige Informationen über den Schlaf, etwa, wie viel Schlaf ein Kind in welchem Alter braucht und worauf es für einen guten Schlaf ankommt», berichtet Hug. 

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