Kindergarten

Was ändert sich im zweiten Kindergartenjahr?

Bestimmt sind Sie erstaunt, liebe Eltern, wie schnell das erste Kindergartenjahr verflogen ist. Nun gehört Ihr Kind bereits zu den Grossen – Was bedeutet das und wie entwickeln sich Mädchen und Buben in diesem Jahr?
Text: Claudia Landolt
Bilder: Maike und Florian Frisch
Laura kommt nach Hause. «Der Liam hat beim Abschied wieder ein Theater gemacht!», sagt sie, während sie ihre Schuhe auszieht. Und rollt dabei mit den Augen. Denn sie, Laura, ist schon gross. Und im grossen Chindsgi tut man so etwas nicht mehr, sagt sie.

Vergessen sind die Tage, in denen es Laura schwerfiel, sich von den Eltern zu trennen. Und deshalb «Fridolin», den Stoffhasen, immer bei sich trug. Jetzt bleibt Fridolin zu Hause, wenn Laura in den Kindergarten geht. Sie gehört nun zu den Grossen und zeigt den Kleinen, wo die Sachen im Kindergarten sind, hilft beim Anziehen und teilt das Znüni.

Kein kleines Kind?

Auch Ihr Kind ist jetzt im zweiten Kindergartenjahr. Auch Ihre Tochter oder Ihr Sohn ist nicht mehr das kleine Kind. Das mit den Ringelshirts und den kleinen, ewig klebrigen Händchen, die es Ihnen immer ins Gesicht drückte. Das Kind, das so bereitwillig Ihre Hand ergriff, wenn man sich aus der gewohnten Umgebung entfernte. Das Heute ist nicht mehr das Früher!

Kinder möchten gross sein. Sie streben vorwärts – fast immer schneller, als es uns Eltern lieb ist. Vorwärtsstreben ist nichts anderes als eine Suche. Man muss es sich so vorstellen: «Wenn sich ein Kind auf die Suche macht und dabei etwas findet, das ein kleines bisschen mehr ist als das, was vorher schon da war, so geht es ihm wie jedem Erwachsenen: Es freut sich», schreibt der deutsche Neurobiologe und Buchautor Gerhard Hüther.

Je grösser die anfängliche Aufregung über das Neue, desto grösser die Freude, wenn alles wieder «passt». Dann bekommt das Kind umso mehr Lust, sich erneut auf die Suche zu machen. Dies lasse erahnen, sagt Hüther, wie gross das Lustgefühl werden kann, das Kinder empfinden, wenn sie sich erfolgreich auf den Weg machen, um die Welt zu entdecken.

Der Mittelpunkt der Welt

Sie entdecken nicht nur die Welt anders, sie denken auch völlig anders als Erwachsene. Sie geben Antworten, ohne darüber nachzudenken. Oft die erstmögliche, die ihnen einfällt. Manchmal auch ein bisschen egozentrisch gefärbt, weil sie noch glauben, dass sie der Mittelpunkt der Welt sind. Und sie verschwenden, wie das Beispiel von Laura zeigt, keinen Gedanken mehr an die Vergangenheit.
Bei der «Theory of mind» legen Kinder die Ichbezogenheit ab.
Im Zentrum der kindlichen Entwicklungspsychologie steht die sogenannte «Theory of mind». Sie gilt als Meilenstein in der Entwicklung eines Kindes und bedeutet die Abkehr von der kleinkindlichen Ichbezogenheit und der damit verbundenen Schwierigkeit, sich eine Szene aus der Sicht eines anderen vorzustellen. Verfügt das Kind über diese «Theory of mind», realisiert es, dass nicht alle so denken wie es selbst. Das Kind hält seine Ansicht nicht mehr für die einzige.

Dennoch ist sein Denken noch nicht ganz frei von logischen Irrtümern, da es mehr von der Wahrnehmung als von der Logik beherrscht ist. Es wird auch jetzt noch eher von den Dingen geleitet, die es sieht, und kann sich nur auf eine einzige Sache konzentrieren.
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