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«Es geht darum, eine gute Balance zu finden»

Aus Ausgabe
06 / Juni 2026
Lesedauer: 3 min
Corina Schäfer will ihren Teenagern im Alltag Orientierung geben, klare Grenzen setzen – und ihnen gleichzeitig Raum lassen, damit sie ihre eigenen Erfahrungen machen können.
Aufgezeichnet von Julia Meyer-Hermann
Bild: Marvin Zilm / 13 Photo

Corina Schäfer, 45, medizinische ­Praxisassistentin und angehende ­Kinesiologin, lebt mit ihrem Mann Olaf, 50, Heizungstechniker, und ihren ­Kindern Mia, 15, und Nils, 13, in ­Oerlingen ZH.

Seit unsere Kinder im Teenageralter sind, verändert sich für meinen Mann und mich der Elternalltag. Wir müssen unseren Kindern auch in diesem Alter Grenzen setzen. Aber eine Autorität zu sein, bedeutet für mich nicht, autoritär oder massregelnd zu handeln.

Es geht darum, eine gute Balance zu finden: Was können unsere Teenies schon allein, was wollen und sollen sie selbst entscheiden – und wo brauchen sie uns als Eltern noch? Gerade im Jugendalter ist das nicht immer einfach. Vieles läuft über Emotionen, das Gehirn ist noch nicht vollständig ausgereift, dazu kommen all die hormonellen Schwankungen. Da brauchen sie unsere Begleitung.

Ein grosses Thema bei uns sind die Medien. Sie stellen heute allgemein eine grosse Herausforderung für Jugendliche dar. Vieles läuft digital – in der Schule genauso wie in der Freizeit. Dadurch ist das Handy ständig präsent.

Wir haben die Regel, dass die Handys nachts nicht im Zimmer bleiben, sondern ab 22 Uhr abgegeben werden. Die Gefahr ist zu gross, dass sie sonst noch lange unbemerkt auf verschiedenen Plattformen hängen bleiben. Uns ist wichtig, dass der Kopf auch einmal zur Ruhe kommen kann. Gleichzeitig wissen wir, dass die digitale Welt heute einfach dazugehört und wir das nicht grundsätzlich ändern können. Bei Nils, unserem 13-Jährigen, funktioniert das ganz gut, bei Mia ist es altersbedingt schon schwieriger durchzusetzen. Da müssen wir aushalten, dass sie das nicht immer gut findet.

Klare Grenzen beim Ausgang

Ein weiteres Beispiel ist der Umgang mit dem Ausgang. Wir sind grundsätzlich offen: Am Wochenende darf Mia ausgehen, sie hat seit einiger Zeit auch einen Freund und darf grundsätzlich bei ihm übernachten. Gleichzeitig haben wir klare Grenzen gesetzt.

Die Kinder sollen wissen, dass sie zu uns kommen können, auch wenn etwas schiefgelaufen ist.

Unter der Woche gibt es keine Übernachtungen, und auch bei den Zeiten gibt es Absprachen, wann sie zu Hause oder spätestens bei ihm sein muss. Natürlich können wir das nicht immer kontrollieren, das wollen wir auch gar nicht. Gegenseitiges Vertrauen ist uns wichtig. Die Kinder sollen wissen, dass sie zu uns kommen können, auch wenn etwas schiefgelaufen ist. Wir haben die Haltung: Wir waren selbst einmal jung und wollten Grenzen austesten. Unsere Teenager brauchen ihre eigenen Erfahrungen, aber eben auch Eltern, die ihnen einen Rahmen geben.

Olaf und ich sprechen viel miteinander und nehmen uns bewusst Zeit dafür. Uns ist es sehr wichtig, als Eltern am gleichen Strick zu ziehen. Wenn wir unterschiedliche Ansichten haben, sprechen wir darüber und finden einen gemeinsamen Weg, den wir dann auch gemeinsam vertreten.

Bei solchen Gesprächen schauen wir auf unsere eigene Erziehung zurück und überlegen: Was fanden wir gut, was nicht? Dann entscheiden wir, was für unsere heutige Familiensituation passt. Es ist nicht so wichtig, was andere machen – für uns muss es stimmen.