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4 Tipps, wie uns das Weglegen des Handys besser gelingt

Aus Ausgabe
07+08 / Juli+August 2026
Lesedauer: 5 min

4 Tipps, wie uns das Weglegen des Handys besser gelingt

Bevor wir unsere Kinder wegen ihrer Smartphonenutzung kritisieren, sollten wir als Eltern zuerst selbst die richtige Balance finden. Eine Anleitung in vier Punkten.
Text: Thomas Feibel

Illustration: Petra Duvkova / Die Illustratoren

Schon peinlich, aber letzte Woche kam ich zu spät zu meinem eigenen Vortrag über gute und gesunde Smartphonenutzung. Der Grund war noch beschämender: Ich konnte mein Handy nicht finden. Obwohl ich das Hotelzimmer auf den Kopf stellte, Bett und Koffer durchwühlte und sogar auf allen Vieren herumkroch, blieb es spurlos verschwunden.

Wie sollte ich nun ohne digitalen Routenplaner zum Veranstaltungsort gelangen? Schon klar, Hotels stellen ihren Gästen für gewöhnlich einen kleinen Ortsplan zur Verfügung, Passanten könnten ebenfalls den Weg weisen. Nur drang in meiner kopflosen Suche das Rationale nicht mehr durch. Schliesslich fand ich mein Smartphone in der Falte einer grünen Stoffbahn am Bettende, die nun wirklich kein Mensch braucht!

Ich gebe es zu: Seit 2008 nutze ich ein Smartphone und habe bis heute keine überzeugende Balance in der Nutzung gefunden. Damit bin ich nicht allein. Viele Erwachsene, die den Handykonsum von Kindern kritisch beäugen, blenden ihre eigene Bildschirmzeit mühelos aus.

Zwar habe ich an dieser Stelle bereits mehrfach über unsere Vorbildfunktion geschrieben, doch diesmal möchte ich für mehr Milde und Verständnis werben. Denn es gibt gute Gründe, warum es auch uns Erwachsenen so schwerfällt, das Smartphone aus der Hand zu legen. Jedoch müssen wir nur etwas an den Stellschrauben drehen, damit uns ein bewussterer Umgang mit digitalen Geräten gelingt. Hier eine Anleitung in vier Punkten.

1. Der realistische Blick

Weisen wir Kinder wegen ihrer häufigen Nutzung des Smartphones zurecht, sagen sie oft, dass wir doch selbst die ganze Zeit am Handy seien. Mit unserer Standardantwort «Ich bin aber erwachsen» ist die Diskussion zwar schnell abgewürgt – trotzdem haben sie mit ihrem Argument nicht unrecht. Warum aber kommen wir Erwachsenen häufig so schlecht vom Smartphone los?

Weil es schwer ist! In knapp zwei Jahrzehnten hat sich das Gerät mit seinen vielen nützlichen Funktionen in unser Leben geschlichen und nahezu unverzichtbar gemacht. Kalender- und Notizfunktionen, die geräteübergreifend funktionieren, erleichtern die Organisation von Arbeits- und Privatleben ungemein. E-Mails lassen Küche, Tram oder Strand vorübergehend zum Büro werden.

Anzuerkennen, dass es schwer ist, das Handy zur Seite zu legen, entlastet uns – und die Kinder.

Einen Grossteil der schnellen Absprachen übernehmen Messenger wie Whatsapp oder Threema. Das integrierte Navi hilft uns bei Autofahrten und Wanderungen, die bequeme Bestellung im Onlinehandel spart Zeit  ... Wenn also ein einziges Gerät so zahlreiche und unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen kann, greifen wir entsprechend oft danach.

Kindern und Jugendlichen ergeht es übrigens ganz ähnlich. Wie sollten sie das Smartphone einfach mal zur Seite legen können, wenn es auch ihre unterschiedlichsten Bedürfnisse stillt: mit Freunden kommunizieren, ihren Vorbildern in sozialen Medien folgen, Musik hören, Videos schauen, zocken oder für die Hausaufgaben recherchieren?

Anzuerkennen, dass es schwer ist, entlastet uns – und die Kinder.

2. Ständige Erreichbarkeit

Die ständige Erreichbarkeit ist mehr Fluch als Segen. Geschäftliche Anrufe erreichen uns auch in unserer Freizeit. Wie sollen wir uns vom Arbeitsalltag erholen, wenn noch abends oder sogar am Wochenende Nachrichten von Kolleginnen und Vorgesetzten eintrudeln? Selbst wenn wir nicht sofort antworten, geht uns der Sachverhalt nicht mehr aus dem Kopf – weil wir wissen, dass eine Reaktion von uns erwartet wird.

Arbeit und Privatleben besser zu trennen, hilft auch unseren Kindern, sich an die vereinbarten Regeln der Handynutzung zu halten.

So relativiert sich der Feierabend schleichend, was in der Familie nicht selten zu Konflikten führt. Das befriedigende Gefühl, die Kontrolle zu haben, wenn man nur alles gleich erledigt, ist trügerisch. Reicht es denn nicht aus, sich erst am nächsten Arbeitstag darum zu kümmern?

Kinder wiederum beobachten, wie das Smartphone bei den Erwachsenen alles unterbrechen darf. Auch sie erleben eine ähnliche Belastung. Sie merken, wie in ihrer Peergroup der soziale Druck und die Angst zunehmen, ausgeschlossen zu werden. Gelingt es uns, Arbeit und Privatleben besser zu trennen, können wir auch unseren Kindern mit mehr Verständnis helfen, sich an die vereinbarten Regeln der Handynutzung zu halten.

3. Kleine Tipps und Tricks

Wenn wir mit Smartphone und Internet tatsächlich so viel Zeit sparen, warum haben wir dann nicht mehr Zeit? Mit ein paar simplen Tricks können wir ihre Nutzung einschränken.

3.1 Nutzung zu Hause

  • Beim Nachhausekommen das Gerät zuerst einmal in einem Körbchen am Eingang platzieren.
  • Das Handy öfter deutlich ausser Reichweite legen.
  • Smartphonefreie Räume schaffen: Schlafzimmer, Kinderzimmer sowieso, Garten.
  • Gemeinsame Unternehmungen oder Einkäufe ­bewusst ohne Smartphone durchführen.
  • Abends fernsehen ohne paralleles Dauerscrollen am Handy.
  • Klassischen Wecker anstelle des Handys nutzen.
  • Kein Smartphone am Esstisch.

3.2 Benachrichtigungen und Erreichbarkeit reduzieren

  • Messenger wie Whatsapp stummschalten. ­Eintreffende Nachrichten können auch mal später beantwortet werden.
  • Push-Mitteilungen von klassischen News-Sites ­deaktivieren.
  • Grundsätzlich weniger Benachrichtigungen auf dem Sperrbildschirm.
  • E-Mails nur am Computer lesen beziehungsweise feste Abrufzeiten für Mails einführen.
  • Kein endloses Mail-Ping-Pong, lieber kurz zum ­Hörer greifen und den Sachverhalt im Gespräch klären.

3.3 Bewusster Medienkonsum

  • Reflexartigen Griff zum Handy einschränken.
  • Nicht jede freie Minute herumscrollen.
  • Auch mal zur Ruhe kommen, eigene Langeweile ­zulassen und aushalten.
  • In sozialen Medien dem Kommentieren widerstehen.
  • Handyfreie Zeiten einführen.

3.4 Technische Hilfsmittel nutzen

  • Regelmässig kontrollieren, welche Apps und ­Funktionen die meiste Zeit in Anspruch nehmen.
  • Fokus- oder Nicht-stören-Modi verwenden.
  • Töne möglichst ausschalten.
  • Detox-Apps nutzen.
  • Unwichtige Apps vom Startbildschirm entfernen.

4. Schluss mit Ausreden

Meistens rechtfertige ich den ständigen Griff zum Smartphone mit Ausreden, die ich als gute Gründe tarne. Denn wenn ich alles richtig mache, warum bin ich dann immer noch unzufrieden?

Keine Sorge, wir müssen nicht von einem Tag auf den anderen zu Mobilfunkasketen werden. Das wäre auch unrealistisch. Schon kleine Fortschritte tragen zu einem besseren Wohlbefinden und zu einer harmonischeren Familienzeit bei. Beim nächsten «Aber du bist doch selbst die ganze Zeit am Handy» unserer Kinder antworten wir dann besser mit «Du hast recht, lass uns gegenseitig darauf achten».