Lee geht in die achte Klasse. Er lebt mit seiner Mutter Tamara, 45, PR-Expertin, seinem Vater Austin, 47, und seinen Geschwistern Lennox, 15 und Luela, 11, in Köniz BE.
Lee: «Ein guter Freund ist für mich jemand, der immer da ist, wenn ich ihn brauche, der nett und loyal ist. Ich habe drei richtig gute Freunde: Zwei kenne ich seit der siebten Klasse, den anderen seit der ersten.
Jeden Freitag machen wir was zusammen, oft auch am Wochenende. Wir gehen raus oder treffen uns bei jemandem zu Hause, manchmal kochen wir. Zuletzt haben wir Fajitas gemacht, die sind echt gut geworden. Meist ist ein Elternteil in der Nähe, aber wir kriegen das auch alleine hin.
Wenn jemand beim Filmeschauen oder Kochen ständig am Handy ist, stört das irgendwann. Deshalb vereinbaren wir manchmal, dass alle die Handys weglegen. Das funktioniert ganz gut. Wir haben alle ein Handy, seit wir zwölf sind. Ohne könnte ich es mir nicht mehr vorstellen.
Klare Grenzen gehören dazu – doch sie tragen nur, wenn die Beziehung stark ist.
Nach der Schule schreibe ich täglich mit meinen Freunden auf Whatsapp, um in Kontakt zu bleiben oder uns zu verabreden. Snapchat und Instagram nutze ich weniger. Wir gamen auch zusammen, zum Beispiel Minecraft, und chatten parallel in der Gruppe. Manchmal sind wir zehn bis fünfzehn Leute. Einige gamen drei bis vier Stunden lang. Aber meine Freunde und ich müssen meist nach einer Stunde aufhören. Das ist für mich aber okay.»
Vertrauen im Vordergrund, nicht Bildschirmzeit
Tamara: «Lee ist in einer tollen Clique, in der viele ähnliche Smartphone-Regeln haben wie wir – das hilft enorm. Bei uns gilt: ab zwölf Jahren zehn Minuten Bildschirmzeit pro Lebensjahr pro Tag. Wenn im Freundeskreis vergleichbare Regeln gelten, entsteht eine gemeinsame Kultur, die alle trägt.
Lee macht viel Sport – Fussball und Tennis –, insofern hat er gar nicht so viel Zeit fürs Handy. Trotzdem bleibt es ein Konfliktthema. Ich verstehe, wie selbstverständlich digitale Medien für Jugendliche sind, besonders für Freundschaften. Gleichzeitig fehlt mir manchmal das Verständnis. «Mama, du bist halt anders aufgewachsen», sagt unser 15-jähriger Sohn Lennox dann, «das verstehst du nicht.» Wahrscheinlich hat er recht.
Umso wichtiger ist es, im Gespräch zu bleiben, Perspektiven zu wechseln und Regeln immer wieder gemeinsam auszuhandeln. Klare Grenzen gehören dazu – doch sie tragen nur, wenn die Beziehung stark ist. Genau darin liegt die Herausforderung und zugleich die Chance: im Austausch zu bleiben und miteinander zu wachsen.
Am Ende geht es weniger um Bildschirmzeiten als um Vertrauen. Nicht die Minuten prägen unsere Kinder, sondern die Qualität unserer Beziehung. Diese Gespräche formen uns als Familie – sie fordern uns heraus, zuzuhören, nachzufragen und unsere Werte immer wieder bewusst zu reflektieren.»






