Alfred Adler, der Begründer der Individualpsychologie, hatte fünf Geschwister und litt vor allem unter dem Verhältnis zu seinem grossen Bruder Sigmund. Sein Leben lang fühlte er sich unterlegen. Eine Erfahrung, die ihm zu schaffen machte und die ihn später folgende Aussage machen liess: Der Charakter eines Kindes hängt massgeblich von seinem Platz in der Geschwisterreihenfolge ab.
Dieser zufolge leiden grosse Geschwister nach der Geburt eines zweiten Kindes unter dem Gefühl der Entmachtung und mangelnder Aufmerksamkeit vor allem der Mutter. Um trotzdem geliebt zu werden, tendieren, so Adler, grosse Geschwister dazu, die Eltern zu kopieren und entwickelten sich zu eher starrsinnigen und konservativen Erwachsenen.
Das Zweitgeborene hingegen werde, so die Theorie, aufgeschlossen und flexibel. Gibt es jedoch weitere Nachfolger, seien die Zweitgeborenen stark gefordert, weil es sowohl nach oben als auch nach unten Konkurrenz gibt. Die Jüngsten dagegen gelten gerne als kreativ und aufgeschlossen, nicht selten mit Entertainer-Qualitäten gesegnet, weil sie im Trubel der Grossfamilie nicht untergehen wollen.
Ein unhaltbares Klischee
Lässt sich wirklich aufgrund der Geschwisterfolge voraussagen, wie man sich als Erwachsener entwickelt? «Das ist etwas für die Rumpelkiste», sagt Jürg Frick, Fachpsychologe. «Ein unhaltbares Klischee, denn es gibt keine pauschalen Annahmen über Geschwister.»
Man könne die Entwicklung eines Kindes nicht treffsicher anhand seiner Spielgefährten zu Hause vorhersagen. Es gebe da allerhöchstens Tendenzen. Was Frick meint: Es gibt nicht nur biologische Unterschiede zwischen den Kindern, sondern es ist auch wichtig, was aus diesen biologischen Unterschieden im weiteren Leben passiert.
Die vollständige Studie kann unter www.swissfuture.ch bezogen werden.








