Wenn während der Sommermonate die Kinder im Unterricht sitzen und die Hitze kaum noch auszuhalten ist, geht es längst nicht mehr nur um Komfort. Hitzewellen treten in der Schweiz immer häufiger auf und sie stellen Schulen vor wachsende Herausforderungen. Überhitzte Klassenzimmer beeinträchtigen nicht nur die Konzentration, sondern können auch gesundheitliche Folgen haben. Für Eltern stellt sich deshalb zunehmend die Frage: Unter welchen Bedingungen lernen unsere Kinder eigentlich?
Tatsächlich sind viele Schulgebäude noch immer unzureichend auf hohe Temperaturen vorbereitet. Grosse Fensterflächen ohne ausreichende Beschattung, schlechte Dämmung oder fehlende Möglichkeiten zur nächtlichen Abkühlung führen dazu, dass sich die Räume bereits am Vormittag stark aufheizen.
Hitze belastet den Kreislauf, führt schneller zur Erschöpfung und verringert die Aufnahmefähigkeit. Lernen wird anstrengender.
Am Nachmittag erreichen Klassenzimmer oft Temperaturen, die konzentriertes Arbeiten kaum mehr zulassen. Messungen aus verschiedenen Schulen zeigen, dass die oft empfohlene Grenze von 26 Grad regelmässig überschritten wird – in Einzelfällen wurden sogar Spitzenwerte von über 40 Grad gemessen.
Für Kinder und Jugendliche hat das direkte Folgen. Hitze belastet den Kreislauf, führt schneller zur Erschöpfung und verringert die Aufnahmefähigkeit. Lernen wird anstrengender, Fehler häufen sich und auch das Verhalten verändert sich. Was viele Eltern aus dem Alltag kennen – quengelnde, müde oder unkonzentrierte Kinder an heissen Tagen –, gilt im Schulzimmer umso mehr.
Keine verbindlichen Regeln
Hinzu kommt eine rechtliche Grauzone: Zwar gibt es Empfehlungen für ein gesundes Raumklima, doch verbindliche Grenzwerte für Schulen fehlen bislang weitgehend. Dabei gilt grundsätzlich: Lehrpersonen haben Anspruch auf einen sicheren Arbeitsplatz und Kinder auf eine Lernumgebung, die ihre Gesundheit schützt. Aktuell hängt die Umsetzung von Hitzeschutzmassnahmen jedoch stark von einzelnen Kantonen oder Gemeinden ab – mit entsprechend unterschiedlichen Bedingungen.
Der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) fordert deshalb ein Umdenken. Statt kurzfristiger Improvisation braucht es langfristige Lösungen und klare Regeln. Ein zentraler Vorschlag ist die Einführung verbindlicher Temperaturgrenzen für Schulräume. Als Orientierung gilt eine Obergrenze von 26 Grad für den regulären Unterricht. Wird dieser Wert überschritten, sollen abgestufte Massnahmen greifen – von angepassten Stundenplänen bis hin zu organisatorischen Änderungen im Schulbetrieb.
Besonders wichtig ist dabei der Schutz empfindlicher Gruppen. Jüngere Kinder, Jugendliche mit gesundheitlichen Problemen oder schwangere Lehrpersonen reagieren empfindlicher auf Hitze und benötigen gezielte Unterstützung. Hier sind Schulen und Behörden gefordert, passende Lösungen bereitzustellen.
Welche Massnahmen nötig sind
Doch wie lassen sich Schulgebäude überhaupt «hitzetauglich» machen? Fachleute setzen in erster Linie auf sogenannte passive Massnahmen. Dazu gehören aussenliegende Beschattungssysteme, begrünte Dächer und Fassaden oder Baumflächen auf dem Schulgelände. Auch die gezielte nächtliche Lüftung kann helfen, Gebäude abzukühlen. Solche Ansätze sind besonders nachhaltig, da sie ohne zusätzlichen Energieverbrauch auskommen.
Reichen diese Massnahmen nicht aus, kann auch technische Unterstützung nötig werden. Moderne Kühlsysteme, die mit erneuerbarer Energie betrieben werden, bieten hier eine sinnvolle Ergänzung. Wichtig ist jedoch, dass sie effizient arbeiten und umweltverträglich sind.
Die Anpassung von Schulgebäuden an den Klimawandel erfordert Investitionen in Sanierungen, Neubauten oder technische Ausstattung.
Ein weiterer Schlüssel liegt in der systematischen Erfassung der Situation vor Ort. Schulen sollten regelmässig Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftqualität messen. Diese Daten helfen nicht nur, Probleme sichtbar zu machen, sondern auch gezielte Verbesserungen umzusetzen. Für Eltern kann Transparenz dabei ein entscheidender Faktor sein: Wer weiss, unter welchen Bedingungen der Unterricht stattfindet, kann sich besser einbringen und mit der Schule im Austausch bleiben.
Nicht zuletzt stellt sich die Frage der Finanzierung. Die Anpassung von Schulgebäuden an den Klimawandel erfordert Investitionen – etwa in Sanierungen, Neubauten oder technische Ausstattung. Der Berufsverband plädiert daher für gezielte Förderprogramme, die Gemeinden entlasten und langfristige Lösungen ermöglichen.
Eine langfristige Entwicklung
Was bedeutet das konkret für Familien? Eltern können aufmerksam bleiben und das Gespräch mit der Schule suchen, wenn sie den Eindruck haben, dass die Hitze im Klassenzimmer zum Problem wird. Gleichzeitig lohnt es sich, Kinder an heissen Tagen gut vorzubereiten – mit ausreichend Wasser, leichter Kleidung und gegebenenfalls Sonnenschutz für den Schulweg.
Klar ist: Die zunehmende Hitze ist keine vorübergehende Erscheinung, sondern eine Entwicklung, auf die sich auch das Bildungssystem einstellen muss. Damit Kinder in Zukunft weiterhin gut lernen können, braucht es sichere, gesunde und klimaangepasste Schulräume. Ähnlich wie beim Heizen während der kalten Wintermonate ist der Schutz vor Hitze kein Luxus, sondern eine grundlegende Voraussetzung für Bildungserfolg und Wohlbefinden.







