«Matteo hat gemerkt, dass er seine Angst steuern kann»

Aus Ausgabe
02 / Februar 2026
Lesedauer: 2 min
Vor vier Jahren erlebte Matteo, 11, im Schulhort den Schreck seines Lebens. Daraus entwickelte sich eine Angststörung. Seine Mutter Verena erzählt, wie er die Angst besiegen konnte.
Aufgezeichnet von Claudia Füssler

Bild: Catherine Falls / Getty Images

Es ist schon eine Weile her, da habe ich mich immer wieder als Geist verkleidet und bin durchs Haus gespukt, um Matteo zu erschrecken. Das war aber kein familieninterner Jux, sondern Teil einer Therapie. Mein Sohn musste sich nämlich erst wieder an ­gruselige Dinge gewöhnen.

Dass er damit überhaupt ein Problem hatte, war uns Eltern lange gar nicht bewusst gewesen. Doch eines Nachts war ich aufgewacht, da sass Matteo ­zitternd und schwitzend im Bett. Er hatte aber kein Fieber. Da wurde mir klar: Er hat Angst. Drei Tage lang ass er nichts, klammerte sich den ganzen Tag an seinen Teddy und wich mir nicht von der Seite. Dann legte sich das wieder.

Wir dachten, nun sei wieder alles in Ordnung, doch es gab immer wieder Nächte, in denen er schlecht schlief oder nicht einschlafen konnte. Auch wich er allem aus, was irgendwie gruselig war – sein Bruder hatte zum Beispiel ein T-Shirt mit einem Totenkopf drauf, das ertrug er gar nicht.

Was die Angst auslöste

Schliesslich fanden wir heraus, was der Auslöser von Matteos Angst gewesen war: eine gruselige Halloweendekoration im Schulhort. Matteo hatte nicht damit gerechnet, sich in einer dunklen Ecke einem leuchtenden Skelett gegenüberzusehen, und war fürchterlich erschrocken.

Entsprechend fiel seine Reaktion aus, als wieder Halloween war: Er wollte nicht in den Hort und vermied alles, was irgendwie gruselig war. Es war nie so schlimm, dass er gar nicht mehr rausgehen oder Freunde treffen wollte, aber es war ein punktuelles Problem, das ihn und uns als Familie belastete. Matteo hatte inzwischen Angst vor der Angst; er wollte sie nicht mehr haben.

Matteo hat gemerkt, dass er seine Angst steuern kann.

Verena, Mutter von Matteo

Als er neun Jahre alt war, habe ich ihn zur Therapie angemeldet. Fünf Sitzungen dauerte es, bis Matteo seine Angst los war. In dieser Zeit las und schaute er daheim gruselige Bücher und Filme. Nach und nach gewöhnte er sich daran, dass unter dem Gespensterkostüm sein Mami steckte. Er merkte, dass er seine Angst steuern kann – und dass es weniger wird, wenn er sich mit ihr auseinandersetzt.

Das haben wir auch als Familie getan: Es müssen alle mit im Boot sein, verstehen, was passiert, und aktiv mitarbeiten, um die Angst zu besiegen – dann funktioniert es auch.

* Name der Redaktion bekannt