Angst: Unser Thema im Februar
Wussten Sie, dass es über 500 offiziell registrierte Phobien gibt? Zu den bekanntesten gehören die Arachnophobie (Angst vor Spinnen), die Akrophobie (Höhenangst), die Aerophobie (Flugangst) und die soziale Phobie, die Angst, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen.
Als ich ein Kind war, hatte ich Angst vor dem Wind. Anemophobie, abgeleitet vom griechischen Wort anemos für Wind. Ich war fünf und geriet in Panik, sobald ein leichtes Lüftchen aufkam und Blätter sich bewegten. Mein kleines Herz raste und ich kam nur im abgedunkelten Zimmer zur Ruhe. Nach einem Jahr zu Hause und zahlreichen Therapiestunden war ich über den Berg – geblieben ist bis heute der Respekt vor Sturm und Wind. Die Angst aber ist weg.
Jeder fünfte Heranwachsende ist heute mit einer Angststörung belastet. Vor Ausbruch der Corona-Pandemie waren es noch halb so viele. Was hat zu diesem Anstieg geführt? (Achtung Spoiler: Ja, die Zunahme hat auch mit der häufigen Nutzung sozialer Medien zu tun.) Welche Kinder sind besonders häufig betroffen? Was können Eltern tun und welche Wege führen aus der Angst? Diesen und anderen Fragen spürt meine Kollegin Claudia Füssler im Dossier «In der Angst gefangen» nach. Ich empfehle es Ihnen sehr.

Kennen Sie das Lied «Nein, meine Söhne geb’ ich nicht» von Reinhard Mey? In einer Zeile heisst es: «Sie werden nicht in Reih und Glied marschieren. Nicht durchhalten, nicht kämpfen bis zuletzt. Auf einem gottverlass'nen Feld erfrieren. Während ihr euch in weiche Kissen setzt. Nein, meine Söhne geb’ ich nicht.» Ich hatte Meys Lied im Ohr, als ich den Essay «Papa, ich habe Angst vor dem Krieg» von Alexander Krützfeldt las.
Der deutsche Autor und zweifache Vater setzt sich in seinem Text mit dem eigenen Weltbild als Pazifist auseinander. Ausgelöst durch Fragen seiner Söhne sinniert er darüber, ob der Grundsatz «Der Klügere gibt nach» heute noch Bestand hat. Und was es mit ihm als Vater macht, wenn die eigenen Kinder eines Tages zur Bundeswehr müssen – und in den Kampfeinsatz. «Im Alltag bemerke ich, dass ich Soldaten und Soldatinnen anders anschaue. Früher war da so eine leichte Mischung aus Verachtung und Unverständnis. Heute ist es Dankbarkeit.» Ein bemerkenswerter Text, der lange nachklingen wird – versprochen.
Herzlichst,
Ihr Nik Niethammer






