«Im Restaurant ist mir immer langweilig!»
«Frag doch mal Sarah!»
Meine Eltern gehen häufig mit mir und meinem Bruder ins Restaurant essen. Manchmal sind auch noch Freunde meiner Eltern dabei. Das ist zwar schon immer so gewesen, aber in letzter Zeit möchte ich das einfach nicht mehr. Wir Kinder dürfen dann nämlich nie am Handy sein. Meine Eltern verstehen nicht, wie langweilig und gleichzeitig anstrengend das ist. Was kann ich tun?
Alexander, 14
Lieber Alexander
Einerseits klingt das toll, dass deine Familie oft ins Restaurant gehen kann. Nicht nur, dass du und dein Bruder gutes Essen und Getränke wählen dürft (wovon ich einfach mal ausgehe), sondern auch dass ihr durch die häufigen Restaurantbesuche gelernt habt, ein Menü zu bestellen und wie man sich mit «guten Manieren» beim Essen verhält.
Vielleicht kommen dir diese Fähigkeiten später einmal zugute: Zum Beispiel, falls du mal mit einer jungen Frau auf ein Date gehst oder geschäftlich an einem Teamlunch teilnimmst. Dann musst du dir auf jeden Fall keine Gedanken darüber machen, welche Gabel man zuerst nimmt, wohin man die Serviette legt und welche Körperhaltung bei Tisch angebracht ist. Aber bis dahin vergehen wohl noch ein paar Jahre.
Vielen Eltern ist nicht bewusst, dass sie beim Essen ihre Kinder nicht ins Gespräch mit einbeziehen.
Nun aber zu den Nachteilen, die du ja auch nennst: Langeweile und Anstrengung. Für dich als Jugendlichen sind stundenlange Gespräche von Erwachsenen am Tisch wahrscheinlich nicht besonders attraktiv. Könnten sie zwar noch werden, wenn du dich auch an den Diskussionen beteiligen könntest und wolltest. Dies wiederum hängt einerseits vom Thema ab, über das gesprochen wird: Interessierst du dich womöglich für Sport oder Politik, Natur oder Soziales, Musik oder Kunst – oder etwas ganz anderes?
Andererseits spielt es auch eine Rolle, ob du als Sohn überhaupt in die Diskussion der Erwachsenen einbezogen wirst. Fragen sie dich nach deiner eigenen Meinung oder Erfahrung? Ich kenne viele Eltern, denen überhaupt nicht bewusst ist, dass sie beim Essen ihre Kinder gar nicht ins Gespräch mit einbeziehen. Stattdessen reden sie ununterbrochen über ihre eigenen Dinge. Dabei wäre es ein grosser Gewinn, die Meinung von euch jungen Menschen zu erfahren und mit euch über all die spannenden Dinge des Lebens zu sprechen.
Beschweren sich die Kinder dann, dass sie lieber heim oder ans Handy gehen wollen, reagieren manche Eltern gereizt statt verständnisvoll. Schade, denn anstatt dass sich die Kinder langweilen müssten, wäre es doch interessanter, gemeinsam zu diskutieren.
Tipps gegen Langeweile im Restaurant
Deshalb möchte ich dich, lieber Alexander, ermutigen, deinen Eltern vor dem nächsten Restaurantbesuch ein paar Themen vorzuschlagen, über die du mit ihnen debattieren möchtest. Erstelle deshalb im Handy eine Liste aller Themen, die dir in den Sinn kommen und die du wenigstens halbwegs interessant findest.
Beim nächsten Restaurantbesuch kannst du deine Eltern mit deinen Themen überraschen. Frag sie doch direkt, was sie zu diesen Themen zu sagen haben. Vielleicht gibt es gerade irgendwelche Aktualitäten, die sie aus den Nachrichten oder der Zeitung erfahren haben und dir weitererzählen können.
Indem du selber die Initiative ergreifst, kannst du gleichzeitig von nervigen Fragen ablenken, wie etwa: «Wie läuft es in der Schule?» Falls dies dennoch passieren sollte, empfehle ich dir, dass du die fragende Person darauf hinweist, was du in deiner Freizeit gerne machst. Darüber zu reden, finden die meisten Jugendlichen toller als über die Schule zu berichten.
Falls du aber überhaupt keine Lust zum Mitdiskutieren hast, gäbe es noch andere Alternativen:
- Nimm ein Spiel mit, das du mit deinem Bruder spielen kannst. Zum Beispiel UNO. Das ist klein und lässt sich relativ leise spielen, ohne jemanden zu stören.
- Nimm ein paar ausgedruckte Rätsel mit: Sudoku, Buchstabenrätsel, Logicals. Alles was du dazu noch brauchst, ist ein Stift zum Schreiben. Damit vergeht die Zeit schneller; ausserdem kannst du die Rätsel alleine lösen.
- Nimm zwei leere Blätter Papier und zwei Stifte mit. Damit kannst du mit deinem Bruder «Stadt-Land-Fluss» spielen. Als Kategorien könnt ihr euch alles Mögliche einfallen lassen: Automarken, Essen/Trinken, Sportarten, Stars, etc.
Mit den Eltern reden
Und zu Guter Letzt fände ich es sinnvoll, wenn du mit deinen Eltern darüber sprichst, warum du nicht mehr motiviert bist, an diesen Restaurantbesuchen teilzunehmen. Schildere bitte möglichst genau, was dich daran stört und was du dir wünschst. Möglich, dass du künftig nicht mehr jedes Mal mitgehen musst. Aber ebenso möglich, dass sie weiterhin auf deine Teilnahme bestehen. In diesem Falle hoffe ich für dich, dass sie dein Anliegen ernst nehmen und dir ihrerseits Lösungsvorschläge anbieten.
Frag doch mal Sarah
Hast du auch eine Frage, die du ihr gerne stellen würdest? Dann sende eine E-Mail an online@fritzundfraenzi.ch oder kontaktiere uns auf unseren Social-Media-Kanälen.






