Die schlechte Nachricht zuerst: Trennen sich die Eltern, ist das eine Belastung für das Kind. Es wird emotional verunsichert, kann Ängste entwickeln, Verhaltensauffälligkeiten oder einen schulischen Leistungsabfall zeigen. Die gute Nachricht: Langfristig muss eine Scheidung keine Belastung bleiben.
Ausschlaggebend ist, wie Eltern sie bewältigen. Schaffen sie es, die Bedürfnisse des Nachwuchses ins Zentrum zu rücken und das Konfliktniveau tief zu halten? Oder streiten sie weiterhin, manipulieren ihre Kinder und machen den Ex-Partner oder die Ex-Partnerin schlecht?
Schlagen Eltern den zweiten Weg ein, ist das Risiko hoch, dass die Kinder langfristig unter der Trennung leiden. Doch wie bringt man es fertig, den ersten Pfad zu gehen? Das kindliche Wohl in den Mittelpunkt zu stellen – in einer Phase, in der man selbst emotional mitgenommen ist? Wie bleibt man Eltern, wenn man kein Paar mehr ist? Welche Folgen hat es, wenn die Erwachsenen anhaltend streiten?
Wie spricht man mit Kindern über die Scheidung? Und gibt es nach der Trennung ein Modell, das für alle Familienmitglieder passt? Solchen und weiteren Fragen geht dieses Dossier nach. Es richtet seinen Fokus auf Familien, in denen weder Gewalt noch Missbrauch vorkommen, da in solchen Fällen der Kontakt des Kindes zum Gewalt ausübenden Elternteil anders beurteilt werden muss.
Kinder von getrennten Eltern haben bessere prosoziale Fähigkeiten, das heisst, sie können besser teilen oder anderen helfen.
Während Scheidungen in den 1980er- und 1990er-Jahren ein Stigma anhaftete, gehören sie heute zur Normalität. Jährlich werden rund 16 000 Ehen in der Schweiz geschieden. Davon betroffen sind zwischen 12 000 und 13 000 minderjährige Kinder.
Hinzu kommen diejenigen von nicht verheirateten Paaren, die auseinandergehen. Sie fliessen in keine Statistik ein. Klar ist: Jedes Jahr kommt in der Schweiz eine Kleinstadt an Trennungskindern hinzu.
Was sagt die Wissenschaft zu Trennungskindern?
Verschiedene internationale Studien belegen, dass diese ein erhöhtes Risiko haben, psychische Krankheiten zu entwickeln. Trennungskinder zeigen häufiger Schulschwierigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten sowie ein niedrigeres Selbstwertgefühl. Als Erwachsene schätzen sie ihre Gesundheit und Lebenszufriedenheit tiefer ein als solche, die in einer sogenannt intakten Familie aufgewachsen sind.
Sogar ein schwächeres Immunsystem wurde wissenschaftlich belegt. Kürzlich sind österreichische Forschende zum Schluss gekommen, dass Heranwachsende aus Einelternhaushalten seltener hohe Schulabschlüsse erzielen und eine tiefere Lebenserwartung haben.
Das Kind denkt sich: Wenn mich ein Elternteil verlässt, könnte auch der andere plötzlich weg sein.
Claudia Starke, Psychotherapeutin
Forschungen aus der Schweiz waren bislang kaum vorhanden. Nun aber untersucht in der sogenannten FamyCH-Studie erstmals ein interdisziplinäres Team von Psychologinnen, Soziologen, Architektinnen und Juristen, wie es um das Wohlbefinden von Trennungskindern steht.
Schlechtere Gesundheit betroffener Kinder
Während die Soziologinnen beispielsweise die Familienstrukturen erforschen, nehmen die Psychologen die psychische und körperliche Gesundheit unter die Lupe. Die Architekten untersuchen, welchen Einfluss die räumliche Situation, zum Beispiel das Wohnen an zwei Orten, auf die Kinder hat. Und die Juristinnen befassen sich damit, wie sich die Gerichtsurteile auswirken. Zu diesem Zweck werden seit 2024 und noch bis 2027 über 4500 Erwachsene mehrmals dazu befragt, wie sie das Wohlbefinden ihrer Kinder einschätzen.
Die ersten Resultate reihen sich in die Ergebnisse aus anderen Ländern ein: Getrennt lebende Eltern schätzen die Gesundheit ihrer Kinder als weniger gut ein als solche, die zusammenleben. Ihr Nachwuchs hat auch mehr emotionale Schwierigkeiten, fühlt sich beispielsweise einsam oder unglücklich und zeigt mehr Verhaltensauffälligkeiten wie Wutanfälle. Hingegen haben Kinder von getrennten Eltern bessere prosoziale Fähigkeiten, das heisst, sie können besser teilen oder anderen helfen.

Welchen Einfluss die finanzielle Lage hat
Nicht vergessen darf man bei all diesen Studien, dass die finanzielle Lage in vielen getrennt lebenden Familien angespannter ist als in klassischen Kernfamilien – nicht zuletzt, weil sie zwei Haushalte bezahlen müssen. So sind Alleinerziehende gemäss einer Studie der Universität Bern viermal häufiger von Armut betroffen als Zweielternfamilien.
Welchen Einfluss die fehlenden Ressourcen auf die Resultate der Trennungskinder-Forschungen haben, ist nicht abschliessend geklärt. Wissenschaftlich belegt ist allerdings, dass Menschen mit tieferem Einkommen durchschnittlich über eine weniger gute physische und psychische Gesundheit verfügen. Ist das schlechtere Wohlbefinden der Kinder von getrennt lebenden Eltern also eine Auswirkung der Scheidung oder des fehlenden Geldes? Das ist nicht abschliessend geklärt.
Eine Trennung ist für die Kinder eine riesige Anpassungsleistung. Sie sind meistens emotional tief verunsichert.
Benedict Weizenegger, Psychologe
Einer, der sich aufgrund seiner eigenen Geschichte ausführlich mit dem Thema Scheidung beschäftigt hat, ist der vor sechs Jahren verstorbene Kinderarzt und Buchautor Remo Largo. Seine Frau und er trennten sich 1984 einvernehmlich und blieben freundschaftlich miteinander verbunden. Ihre drei Töchter lebten zuerst bei der Mutter und später bei ihm.
In seinem Buch «Glückliche Scheidungskinder» stellt er fest: «Wenn man genauer hinsieht, stellt sich heraus, dass nur ein kleiner Prozentsatz der Trennungskinder Probleme hat, während die Mehrheit sich nicht anders entwickelt als Kinder aus sogenannten Kernfamilien.» Eine Trennung muss also nicht zwingend langfristige negative Folgen für die Heranwachsenden haben. Fachpersonen sind sich einig: Die Eltern haben es in der Hand.

Um zu wissen, was Kinder brauchen, gilt es erst einmal zu verstehen, was eine Trennung in ihnen auslöst. Benedict Weizenegger, leitender Psychologe in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Baselland, sagt im Podcast «Psychoversum – Eltern im Scheidungskrieg»: «Eine Trennung ist für die Kinder eine riesige Anpassungsleistung. Sie sind meistens emotional tief verunsichert.» Denn sie wünschten sich grundsätzlich eine vertraute, sichere Umgebung, die vorhersehbar sei.
Ein Kind verspürt Verlustängste und Schuldgefühle
Die Trennung bedeutet für ein Kind in erster Linie einen Verlust: Es verliert seinen gewohnten Alltag und mit dem Auszug eines Elternteils ein Stück weit auch diesen. «Das löst beim Kind Verlustängste aus», erklärt Claudia Starke. «Es denkt sich: Wenn mich ein Elternteil verlässt, könnte auch der andere plötzlich weg sein.» Die Psycho- und Familientherapeutin arbeitet in einer Gemeinschaftspraxis in Wädenswil ZH, insbesondere mit Patchworkfamilien. Auch ihre Ehe ging in die Brüche.
Sie sagt: Macht ein Kind eine Verlusterfahrung, kann eine existenzielle Angst ausgelöst werden, die seine Bindungssicherheit erschüttert. Denn das Konzept einer Liebe, die endet, versteht es noch nicht. Muss das Kind auch noch umziehen, verliert es zudem Freunde und allenfalls andere wichtige Bezugspersonen. Wohnt es neu an zwei Orten, muss es sich in die jeweils neuen Welten einleben.
Ist das Kind bei der Mutter, ist es ihr gegenüber loyal, ist es beim Vater, ist es ihm gegenüber loyal.
Benedict Weizenegger, Psychologe
Zu den Verlustängsten kommen oftmals Schuldgefühle, wie Claudia Starke sagt: «Kinder übernehmen unweigerlich Verantwortung. Vielleicht haben sich die Eltern ihretwegen gestritten, vielleicht waren sie krank und haben sich als Belastung wahrgenommen oder sie haben nicht gehorcht. Wenn kurz darauf ein Elternteil auszieht, dann fühlen sie sich schuldig.» Deshalb sei es wichtig, Kindern immer wieder zu vermitteln, dass sie keine Schuld an der Trennung tragen.
Loyalitätskonflikt nicht befeuern
Was nach einer Scheidung oft geschieht: Kinder geraten in einen Loyalitätskonflikt. Sie lieben Papi und Mami, möchten keinen von beiden verlieren oder enttäuschen, wie Benedict Weizenegger sagt: «Ist das Kind bei der Mutter, ist es ihr gegenüber loyal. Ist es beim Vater, ist es ihm gegenüber loyal.» Das könne dazu führen, dass es zu beiden sage: «Ich möchte am liebsten bei dir wohnen.» Wenn Eltern diesen Loyalitätskonflikt befeuern, also schlecht über den oder die Ex reden, kann sich dies negativ auf den Nachwuchs auswirken.
Im schlimmsten Fall wird ein Kind derart manipuliert, dass es sich vom anderen Elternteil entfremdet und den Kontakt zu ihm abbricht. Das passiert bei jedem zehnten Trennungskind. Eine deutsche Studie aus dem Jahr 2023 zeigt: Erwachsene, die als Kind von einem Elternteil entfremdet wurden, sind unzufriedener und weisen sowohl psychisch als auch körperlich eine schlechtere Gesundheit auf als solche, die Kontakt zu Mutter und Vater hatten.
Briefträger, Geheimnisträgerin oder Spion
Eine weitere häufige Dynamik in Trennungssituationen ist die sogenannte emotionale Parentifizierung. Das heisst, das Kind übernimmt die Rolle eines Erwachsenen und wird zum Partnerersatz gemacht. «Es tröstet zum Beispiel die Mutter, wenn sie viel weinen muss», erklärt Benedict Weizenegger.
Daneben gibt es noch weitere schädliche Rollen, in die ein Kind geraten kann. Diese kennt der Kinder- und Jugendpsychiater Thomas Hess, der sowohl beruflich als auch privat der Partner von Claudia Starke ist. Da gibt es den Briefträger, die Geheimnisträgerin oder den Spion.

Wird der Sohn als Briefträger missbraucht, muss er dem anderen Elternteil Informationen überbringen, was eigentlich in der Verantwortung der Erwachsenen liegt. «Sag dem Papi, dass er dir am Abend keine Süssgetränke mehr geben soll» ist dafür ein Beispiel.
Ist die Tochter eine Geheimnisträgerin, darf sie dem Vater beispielsweise nicht erzählen, was sie bei der Mutter gemacht hat. Zu Spionageaufträgen zählt Hess, wenn der Sohn im anderen Haushalt zum Beispiel nachschauen soll, ob ein Brief des Anwalts gekommen ist.
Symptome richten sich nach innen oder aussen
Befinden sich Kinder in solchen Rollen, ist klar: Die Konflikte zwischen den Erwachsenen bestehen weiter. Und da sind wir beim Kern. Eine Trennung hat dann anhaltende negative Folgen, wenn sich die Eltern weiter streiten. Zu diesem Schluss sind verschiedene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gekommen, auch diejenigen des FamyCH-Teams.
Bei einer Trennung müssen Eltern ihre Beziehung zum Kind intensivieren – trotz eigener Belastung.
Claudia Starke, Psychotherapeutin
Zwei zentrale Risikofaktoren für ein schlechteres kindliches Wohlbefinden hat die Studie bislang gefunden: «Ein hohes Konfliktniveau und eine schlechte Co-Elternschaft beeinträchtigen das Wohlbefinden der Kinder», erklärt Familiensoziologin Julia Sauter von der Universität Lausanne, die an der Forschung beteiligt ist. Letzteres bedeutet, dass die Eltern bei der Erziehung nicht gut zusammen funktionieren.
Ob Heranwachsende von einer Scheidung belastet sind, zeigt sich Benedict Weizenegger zufolge auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Bei manchen Kindern richten sich die Symptome nach innen: «Sie sind unsicher, ängstlich, zeigen klammerndes Verhalten, können sich nicht mehr konzentrieren oder entwickeln psychosomatische Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen», so der Kinderpsychologe. Andere wiederum werden laut, aggressiv, zeigen Verhaltensauffälligkeiten.
Was also brauchen Kinder während und nach einer Trennung, um nicht langfristig unter den Folgen zu leiden? «Sie müssen sicher sein, dass sie weder Mama noch Papa verlieren», sagt Claudia Starke. «Dafür müssen die Eltern ihre Beziehung zu den Kindern intensivieren.» Sie müssen sich Zeit für sie nehmen, damit sie sich ihrer Bindung sicher sein können.
Häufig geschieht jedoch das Gegenteil, weil Mutter und Vater mit ihren eigenen Gefühlen beschäftigt sind, weil es ihnen selbst schlecht geht. So verlieren sie die Sicherheitsbedürfnisse der Kinder aus dem Blickfeld.
Eltern müssen die kindlichen Emotionen aushalten
Wichtig ist jedoch, dass Mami und Papi die kindlichen Gefühle nicht bagatellisieren und Trauer sowie Wut zulassen. Diese Erfahrung hat auch Marianne Nolde gemacht. Sie ist psychologische Gutachterin an Familiengerichten in Deutschland und hat sich selbst vom Vater ihrer Söhne getrennt. In ihrem Buch «Eltern bleiben nach der Trennung» schreibt sie, dass Eltern die kindlichen Emotionen aushalten müssen.
«Angestaute Gefühle werden sich ein Ventil suchen – vielleicht zeigen sie sich in körperlichen Symptomen oder Verhaltensauffälligkeiten.»
Marianne Nolde, psychologische Gutachterin
Was ein wütendes oder trauriges Kind braucht, ist keine Rechtfertigung, dass die Scheidung die bessere Lösung ist, sondern Trost und Verständnis. «Was nicht weiterhilft, ist, bei jeder Trauerreaktion des Kindes ein schlechtes Gewissen zu haben, weil Sie Ihrem Kind so etwas Schlimmes angetan haben», schreibt Nolde. Darf es Trauer nicht zulassen, besteht die Gefahr, dass es sie nicht zeigt und sich verschliesst. «Die angestauten Gefühle werden sich aber ein Ventil suchen müssen – vielleicht zeigen sie sich in körperlichen Symptomen oder Verhaltensauffälligkeiten.»
Essenziell sei, dass die ganze Bandbreite an Gefühlen Raum hat. «Ihr Kind darf auch herzlich lachen. Das ist kein Verrat am anderen Elternteil, der gerade nicht dabei sein kann.» Was ein Trennungskind nämlich braucht, ist «das Einverständnis, dass es weiterhin beide Elternteile lieben darf». Die FamyCH-Studie belegt, dass neben einer guten Co-Elternschaft das Wohlbefinden durch einen weiteren Faktor gesteigert wird: Eine gute Beziehung zwischen den Eltern und dem Kind ist dafür entscheidend.
Drei Grundbedürfnisse eines Kindes
Damit sich ein Kind gut entwickeln kann, müssen gemäss Remo Largo dessen drei Grundbedürfnisse ausreichend befriedigt werden. Und das gilt auch nach einer Trennung. Erstens muss es sich geborgen fühlen, wofür es vertraute und verfügbare Bezugspersonen braucht. Deshalb sollte es nach einer Scheidung in der Regel Kontakt zu beiden Elternteilen haben.
Zweitens sucht das Kind soziale Anerkennung, weshalb ab dem dritten Lebensjahr Gleichaltrige und Freunde von elementarer Bedeutung sind. Die Beziehung zu diesen sollte wenn möglich erhalten bleiben. Drittens möchte ein Kind sich und seine Fähigkeiten entwickeln, weshalb es durch eine Trennung nicht übermässig emotional belastet werden sollte.
«Wenn rechtlicher Beistand nötig ist, sollten Eltern einen gemeinsamen Anwalt konsultieren. Sonst geht es nur noch darum, wer gewinnt.»
Thomas Hess, Kinder- und Jugendpsychiater
Um das zu schaffen, müssen Eltern sich immer wieder eines in Erinnerung rufen: Die Kinder stehen im Zentrum. Wir sind kein Paar mehr, bleiben aber für immer Eltern. «Die Paar- muss von der Elternebene getrennt werden», sagt Claudia Starke. Dies zu schaffen, sei nicht immer einfach.
Daher empfehlen alle Fachpersonen, sich rechtzeitig Unterstützung in Form einer Mediation, einer Beratung oder einer Therapie zu holen. Und rechtzeitig heisst idealerweise schon vor der Trennung. Wut, Trauer oder Frust über den oder die Ex sollten sie dort verarbeiten oder anderweitig deponieren, zum Beispiel bei Freundinnen oder Freunden. Nicht jedoch bei den Kindern.
Nach zwei bis sechs Jahren erholen sich die meisten Kinder
Während und nach einer Scheidung herrscht in den meisten Familien Unruhe, Verunsicherung und Desorganisation. «Die Neugestaltung der Familie nach einer Trennung ist ein Prozess, kein einmaliges Ereignis», schreibt Marianne Nolde in ihrem Buch «Eltern bleiben nach der Trennung».
Bei 80 bis 85 Prozent der Familien kehrt nach zwei bis drei Jahren eine geklärte Situation ein, wie Psychotherapeutin Sabine Brunner sagt. Die meisten Kinder erholen sich nach zwei bis sechs Jahren gut von der Scheidung.
Bei den restlichen 15 bis 20 Prozent der Familien bleiben Streitereien auch nach zwei Jahren bestehen. In einen hoch konflikthaften Scheidungskrieg verwickelt sind schätzungsweise 5 bis 10 Prozent der Eltern.
Thomas Hess plädiert dafür, davon abzusehen, sich je einen eigenen Anwalt zu nehmen: «Wenn rechtlicher Beistand nötig ist, dann sollten Eltern einen gemeinsamen Anwalt konsultieren – wenn möglich mit mediativem Hintergrund.» Sonst könne es passieren, dass es nur noch darum geht, wer gewinnt.
Die Trennung als zweitbeste Lösung
Ums Gewinnen oder Rechthaben geht es den Erwachsenen allerdings viel zu oft. Das hat Marianne Nolde in ihrer Laufbahn als Gutachterin an Familiengerichten beobachtet. Beide Elternteile sehen sich als Opfer und keiner als Täter. Beide könnten sich so im Recht fühlen. Dies verhindere jedoch eine Kommunikation, welche die Lage der Kinder erleichtern würde.
Statt die Schwächen des Ex-Partners zu analysieren und in Groll zu erstarren, empfiehlt sie, den eigenen Anteil am Scheitern der Paarbeziehung zu verstehen. Hilfreich sei ebenfalls, die Situation aus der Perspektive des anderen zu sehen.

Natürlich braucht es für einen guten Umgang immer zwei. Was also tun, wenn der Ex-Partner im Streitmodus verharrt? Marianne Nolde empfiehlt, dennoch mit einer «freundlicheren Kommunikation» anzufangen. Nur schon, um den Kindern ein positives Beispiel zu sein: «Was Sie jetzt bei der Lösung Ihrer Konflikte mit dem Ex-Partner vorleben, ist das, was Ihre Kinder sich abschauen werden.»
Das Verhalten der oder des Ex könne man nicht verändern, das eigene jedoch schon. Wichtig sei es allerdings auch, Grenzen zu setzen, sollten diese vom anderen Elternteil überschritten werden.
Nolde nennt eine Trennung «die zweitbeste Lösung». Die beste ist noch immer eine intakte Familie mit wenig Konflikten. Das belegen Studien. Kinder, die in hochstrittigen Familien aufwachsen, leiden jedoch ähnlich wie Trennungskinder mit weiterhin streitenden Eltern.
Aus diesem Grund ist eine Scheidung manchmal die bessere Lösung. Marianne Nolde ist überzeugt: «Die zweitbeste Lösung, das habe ich häufig beobachten können, kann doch noch eine sehr gute sein.»









