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Wie sprechen wir mit dem Kind über die Trennung?

Aus Ausgabe
10 / Oktober 2026
Lesedauer: 2 min
Entscheidend ist das Alter: Für kleine Kinder ist vor allem wichtig, was sich in ihrem Alltag verändert. Jugendliche hingegen wollen besser verstehen, weshalb sich die Eltern trennen.
Text: Sibille Moor

Bild: Getty Images

Vorschulkinder (bis 5 Jahre)

Kinder in diesem Alter können sich unter Trennung oder Scheidung nichts vorstellen. Deshalb ist es nicht sinnvoll, zu erklären, weshalb die Eltern sich trennen, wie der verstorbene Kinderarzt Remo Largo in seinem Buch «Glückliche Scheidungskinder» schreibt.

Der Satz «Mami und Papi haben sich nicht mehr lieb» kann bei einem kleinen Kind Ängste auslösen – schliesslich könnten Mami und Papi es auch plötzlich nicht mehr gernhaben. Viel wichtiger sind konkrete Er­klärungen, wie sich der kindliche Alltag verändert. Zum Beispiel: «Papi wohnt nun in einer anderen Wohnung. Du kannst ihn dort besuchen und mit ihm spielen. Danach kommst du wieder hierher.»

Psycho- und Familientherapeutin Claudia Starke empfiehlt, die Situation mit Figuren oder Zeichnungen darzustellen. Ebenso können Bilderbücher zum Thema helfen. Remo Largo rät, nicht zu viel zu erklären, sondern sich vielmehr von den Fragen der Kinder leiten zu lassen. Wichtiger als alle Erläuterungen ist für kleine Kinder, dass ihre Eltern weiterhin für sie da sind.

Primarschulkinder (6 bis 12 Jahre)

Auch Primarschulkinder verstehen gemäss Remo Largo das Konzept von endlicher Liebe nicht. Liebe ist für sie zeitlich unbegrenzt. Deshalb benötigen 6- bis 12-Jährige ebenfalls keine Erklärungen dazu, dass die Eltern sich nicht mehr lieben. Ein Satz wie «Wir haben uns viel gestritten und das möchten wir künftig nicht mehr» kann als Erläuterung reichen, wie Kinder- und Jugendpsychiater Thomas Hess sagt.

Wichtig ist es, dem Nachwuchs zu vermitteln: «Du trägst keine Schuld. Wir sind kein Paar mehr, aber wir bleiben deine Eltern.»

Thomas Hess, Kinder und Jugendpsychiater

Wichtig sei zudem, dem Nachwuchs zu vermitteln: «Du trägst keine Schuld. Wir sind kein Paar mehr, aber wir bleiben deine Eltern.» Ebenfalls sollte man den Kindern konkret aufzeigen, wie sich ihr Alltag ändert, wann sie wo wohnen, wie sich ihr Schulweg gestaltet, wann sie ihre Freunde weiterhin treffen können. Dazu kann ein gut sichtbarer Familienplaner helfen.

Jugendliche (ab 13 Jahren)

Erst Jugendliche können laut Remo Largo verstehen, dass Liebe endlich sein kann. Sie erfahren dies selbst, wenn sie sich erstmals verlieben. Ebenso weicht in der Pubertät ihre eigene bedingungslose Liebe gegenüber den Eltern einer abgeschwächten emotionalen Abhängigkeit. Mit Jugendlichen kann daher ein offenes Gespräch über die Trennung geführt werden.

Genauso wie für jüngere Kinder ist es für Teenager jedoch in erster Linie wichtig, zu erfahren, was die Trennung für sie konkret bedeutet. Zudem müssen sie stärker in die Entscheidungen zu ihrem Wohnort mit eingebunden werden. Was sie sich in ihrem Leben bereits aufgebaut haben, muss künftig gesichert sein.