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Ernährung

Familiensolidarität mit der Allergikerin 

Ella Macher, 16, aus Bäretswil ZH leidet an schweren Lebensmittelallergien. Ihre Eltern Sandra und Andreas sowie Bruder Flynn, 12, stellten deshalb auch den eigenen Speiseplan auf den Kopf. 
Protokoll: Virginia Nolan
Fotos: Filipa Peixeiro / 13 Photo
Sandra: Ihr erster Griessbrei kostete Ella fast das Leben. Sie bekam einen Ausschlag, ihr Hals schwoll zu, sie verlor das Bewusstsein. Ella hatte als Baby einen allergischen Schock. Es stellte sich heraus, dass sie hochallergisch auf Weizen war – sowie auf Nüsse, Eier und Milch. Ella: Heute sind meine Reaktionen nicht mehr lebensbedrohlich. Ich hatte neulich sogar Brot probiert – und nachher nur Bauchweh. Experimentieren läuft nicht immer gleich gut. Andreas: Als du Milchschaum probiert hattest, warst du zwei Tage ausser Gefecht. Sandra: Solche Reaktionen waren früher gang und gäbe. Nur schon, wenn ein anderes Kind Glace gegessen hatte und Ella mit ungewaschenen Fingern berührte, reagierte sie mit Nesselfieber. Ella: Daran erinnere ich mich kaum mehr.
Ich kann nicht verstehen, wie Leute sich mit Pseudo-Allergien interessant machen möchten. 
Ella Macher
Sandra: Mich dagegen prägt die Angst, dass Ella etwas Falsches erwischen könnte, bis heute. Ich schärfte der Kindergärtnerin ein, dass Ella nicht einmal die Blockflöte mit anderen teilen darf, Lehrer und Eltern von Schulfreunden wurden informiert, Spezialessen fürs Klassenlager organisiert. Ich war jahrelang wie auf Nadeln. Ella: Dass Mama nicht aus der Rolle meiner Beschützerin herauskann, ist ein grosses Thema zwischen uns. Andreas: Es führt auch zu Konflikten zwischen uns Eltern, weil ich es unterstütze, wenn Ella experimentieren will. Als Arzt interessieren mich ihre Reaktionen eher, als dass sie mich ängstigen. Gleichzeitig verstehe ich Sandra, weil der Umgang mit Ellas Allergien im Alltag vor allem an ihr hängt.
Sandra: Früher kochte ich zu jeder Mahlzeit zwei verschiedene Gerichte. Irgendwann wuchs mir das über den Kopf, mittlerweile pflegt auch Andreas als Vegetarier eine spezielle Ernährung. Flynn: Wir essen meist alle «Ella-konform» – das ist bei uns ein fester Begriff. Manchmal gibts für mich und Papa etwas Käse dazu. Sandra: Flynn hat in den vergangenen Jahren oft zurückstecken müssen, ich hatte keine Kapazität, auf seine Essenswünsche einzugehen. Flynn: Manchmal motze ich auch. Meist sehe ich es positiv: Ellas Allergien machten uns erfinderisch – und Kochen spannender. Sandra: Der vegane Trend hat uns viele neue Produkte beschert. Ella: Es gibt aber leider auch den Trend, Pseudo-Allergien an die grosse Glocke zu hängen. Ich kann nicht verstehen, wie Leute sich damit interessant machen möchten, wo ich stets nur eines wollte: ja nicht auffallen mit meinen Allergien.
«Und was essen Sie so?»  Bei Familie Macher essen alle «ella-konform». 
«Und was essen Sie so?»  Bei Familie Macher essen alle «ella-konform». 

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  • «Essen sollte frei von Druck sein»: Wir können Kindern beibringen, gesundes Essen zu mögen, meint Ernährungspsychologin Katja Kröller. 
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