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Kindergarten

«Hilfe, ich mag die Kindergärtnerin meines Kindes nicht!»

Die Beziehung zwischen Eltern und Kind wird im Kindergarten um eine Person erweitert: die Kindergartenlehrperson. Diese Dreierkonstellation ist nicht immer störungsfrei. Vier Fragen zu Loyalitätskonflikten zwischen Eltern, Kind und Lehrperson ...
Interview: Claudia Landolt
Bild: Niki Boon

Wie wichtig ist eine gute Beziehung zwischen Eltern und Kindergärtnerin?

Stefanie Rietzler: Kinder schöpfen Sicherheit, wenn sie wahrnehmen, dass ihre Eltern sie vertrauensvoll in die Hände der Kindergärtnerin geben. Kinder sind sehr empfänglich für die Emotionen der Eltern. Wenn sie auf der Seite der Eltern Angst oder Abneigung gegen den Kinder­ garten spüren, kann es ihnen deut­lich schwerer fallen, sich auf die Kindergärtnerin, aber auch auf die anderen Kinder und das Angebot des Kindergartens einzulassen.

Fabian Grolimund: Als Eltern geben wir unsere Kinder mit einem ruhigen Gefühl in fremde Hände, wenn eine gute Basis da ist. Wenn Eltern und Kindergärtnerin sich ver­trauensvoll begegnen, lässt es sich offener kommunizieren und es kön­nen auch bei Schwierigkeiten rascher und unkomplizierter Lösungen gefunden werden.

Was, wenn das Kind keinen Draht zur Kindergärtnerin findet?

Fabian Grolimund: Man darf von einer Kindergärtnerin fordern, dass sie im Umgang mit jedem Kind res­pektvoll und fair ist. Eine besonders gute Chemie zwischen ihr und den Eltern lässt sich aber nicht erzwin­gen. Manchmal bleibt das Verhältnis distanziert. Ich erinnere mich an einen Jungen, der zu meiner Mutter in den Kindergarten ging. Während eines Waldspaziergangs verschwand er einfach, zwei Stunden suchte sie vergeblich nach ihm. Die Eltern nah­men es gelassen und meinten: «Machen Sie sich keine Sorgen – der kommt heim, wenn er Hunger hat.» Meine Mutter war allerdings fast krank vor Angst und bestand darauf, dass der Junge in den Kindergarten gebracht wird, sobald er nach Hause kommt. Dort sagte sie ihm: «Das darfst du nie wieder machen! Ich hab dich doch so gern – und hatte solche Angst um dich.» Er schaute verlegen auf den Boden. Dann meinte er: «Ich habe eben ein Problem ... ich habe dich nicht gern.»

Stefanie Rietzler:
Manche Kinder sind allgemein zurückhaltend in einer ungewohnten Umgebung und brauchen eine Aufwärmphase, bis sie sich auf die Kindergärtnerin ein­ lassen können. Auch die Situation, dass sie diese Bezugsperson mit vie­len anderen Kindern «teilen» müs­sen und die Kindergärtnerin nicht immer verfügbar sein kann, müssen manche Kinder zuerst verdauen. Wenn man sich als Eltern Sorgen macht, ist es hilfreich, sich zu fragen: Kann sich mein Kind im Kinder­ garten trotzdem wohlfühlen? Hat es ein generelles Vertrauen, dass es zur Kindergärtnerin gehen kann, wenn es ihm nicht gut geht? Hat es Anschluss an die anderen Kinder? Wenn auch letzteres nicht der Fall ist, wäre es wichtig, das Gespräch mit der Kindergärtnerin zu suchen und zu überlegen, was man tun kann. 

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