Maddalena Barblan, 40, Musikerin und Kindergärtnerin, und Michael Scheurer Barblan, 45, Sanitärinstallateur und Schauspieler, leben mit ihren zwei Söhnen, 12 und 10, in Thun BE.
Maddalena: «Innere Klarheit ist für mich ganz entscheidend im Umgang mit unseren Kindern. Kinder wollen Grenzen austesten und spüren, wie weit sie gehen können. Wenn ich mir selbst darüber im Klaren bin, welche Werte mir wichtig sind und wo meine Grenzen liegen, kann ich das auch unseren Söhnen vermitteln.
Natürlich hängt es vom Temperament eines Kindes ab, ob es Vorgaben folgt. Unsere beiden Söhne sind unterschiedlich. Wenn ich zum Beispiel sage: «Räum bitte dein Zimmer auf», dann macht es der Jüngere oft einfach. Beim Älteren ist das anders – er braucht zusätzlich einen eigenen inneren Anstoss.
Beim Handy haben wir gemerkt, wie schnell sich Dinge verselbständigen. Deshalb haben wir die Zeit begrenzt und klare Zeiten für Whatsapp und Spotify eingeführt. Es geht uns darum, dass es medienfreie Phasen gibt, in denen Raum für eigene Kreativität entstehen kann. Das tut uns als ganze Familie gut.
Ich achte darauf, dass ich bei mir bleibe. Mir hilft der Gedanke: Ich mache mein Bestes. Mehr kann ich in dem Moment nicht tun.
Maddalena Barblan
Manchmal entstehen auch starke Gefühle, wenn wir Grenzen setzen. Meiner Erfahrung nach bringt es nichts, in der akuten Wut eine Klärung herbeiführen zu wollen. Dann geht es erst einmal darum, dass sich die Situation nach einem klaren Stopp wieder beruhigt.
Es gibt auch Momente, in denen die Wut rausmuss. Wir thematisieren Strategien, die uns helfen können, ohne jemanden zu verletzen. Etwa sich körperlich auszupowern oder in ein Kissen zu boxen. Hier gilt es herauszufinden: Was hilft mir in diesem Moment?
Als Eltern nicht immer einig
Gleichzeitig achte ich darauf, dass ich bei mir bleibe. Mir hilft der Gedanke: Ich mache mein Bestes. Mehr kann ich in dem Moment nicht tun. Michael und ich sind uns als Eltern nicht immer einig. Das ist auch gar nicht realistisch. Wichtig ist für uns, dass wir darüber sprechen und schauen: Wie wichtig ist dem anderen dieses Thema? Das beziehen wir dann in unsere Entscheidungen mit ein.»
Michael: «Für mich beginnt Autorität damit, auf Augenhöhe zu agieren. Das heisst nicht, dass es keine Grenzen gibt – aber ich versuche, sie nicht einfach vorzugeben, sondern gemeinsam Lösungen zu finden. In meinem Beruf als Handwerker arbeite ich auch viel mit Jugendlichen. Deshalb erlebe ich immer wieder, dass man weiterkommt, wenn man Respekt zeigt und nicht nur Druck macht.
Bei Anspannung versuche ich oft, die Situation aufzulockern – manchmal auch spielerisch oder mit Humor. Eine Klärung muss es trotzdem geben, aber ich als Erwachsener kann steuern, wann dafür der richtige Moment ist.
Für mich ist wichtig, dass die Kinder lernen, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.
Michael Scheurer Barblan
Das Thema Gaming ist bei uns – wie in vielen Familien – ein Punkt, bei dem es immer wieder zu Spannungen kommt. Ich merke, dass ich da eine andere Sicht habe als Maddalena, auch wegen meiner eigenen Erfahrungen aus meiner Jugend. Ich finde es wichtig, das nicht nur zu reglementieren, sondern auch zu verstehen. Ich spiele zum Teil auch mit unseren Söhnen zusammen und vermittle ihnen dabei, dass ich mich selbst begrenze und bewusst damit umgehe.
Natürlich poche ich auch auf Regeln. Für mich ist wichtig, dass sie generell lernen, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Das gilt auch für andere Bereiche. Ich sage ihnen: «Du musst das machen – egal wie, wann oder wo. Sag mir, bis wann du es erledigt hast.» Sie können das meist gut einhalten.»







