Was macht die Politik für armutsbetroffene Kinder?

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Kinder und Jugendliche bilden mit knapp 10 Prozent die grösste von Armut betroffene Bevölkerungsgruppe in der Schweiz. Welche politischen Massnahmen gibt es?
Text: Helen Iten

Bild: Maike Vará

Ein Blick auf die Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigt: 134 000 Kinder und Jugendliche leben in der Schweiz unter der Armutsgefährdungsgrenze. Dies entspricht 8,1 Prozent der ständigen Schweizer Wohnbevölkerung. Damit sind Kinder die grösste Gruppe, die hierzulande von Armut betroffen ist.

Die Kantone Neuenburg, Genf und Basel-Stadt weisen dabei die grössten Sozialhilfequoten bei Minderjährigen auf. Die Armuts­bekämpfung ist Sache der Kantone. Je nachdem, wo man wohnt, wird man unterschiedlich stark unterstützt.

Nationale Strategie zur Bekämpfung von Armut

2020 erteilte das Parlament dem Bundesrat den Auftrag, ein nationales Armutsmonitoring einzurichten und der Bundesversammlung alle fünf Jahre Bericht zu erstatten. Das Monitoring soll dem Bund, den Kantonen und den Gemeinden Wissen zur Verfügung stellen, damit sie die Armutspolitik möglichst wirksam ausgestalten können. Die Regelmässigkeit des Monitorings soll langfristige Trends sichtbar machen.

Der erste Monitoringbericht wurde Ende 2025 veröffentlicht. Darin wird unter anderem festgehalten, dass in der Schweiz ein starker Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und den Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen besteht und daher die Schule grosses Potenzial habe, die Chancengerechtigkeit zu verbessern.

Neue Ziele bei der Sozialhilfe

Als möglicher Ansatzpunkt wird die Sensibilisierung von Lehrpersonen genannt – damit Kinder aus einkommensschwachen Haushalten nicht systematisch unterschätzt würden. Zudem trage ein verbesserter Zugang zu ausserschulischen Aktivitäten zur sozialen Integration bei.

Basierend auf diesen Ergebnissen soll bis Mitte 2027 eine natio­nale Strategie zur Armutsbekämpfung entwickelt werden.

Weiter hat die Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren die zweite Etappe der Skos-Richtlinien­revision gutgeheissen. Neu soll die Förderung von Kindern und Jugendlichen explizit zu den Zielen der Sozialhilfe gehören. Entsprechend sollen Kosten, die bei armutsbetroffenen Familien etwa durch Lager, Musikunterricht oder Sport anfallen, durch die Sozialhilfe übernommen werden können, wenn sie dem Kindeswohl und der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben dienen.

Guter Start mit «Gustaf»

Seit 2019 verfolgt der Kanton Nidwalden mit dem Projekt «Gustaf» (Guter Start ins Familienleben) einen ganzheitlichen Ansatz im Umgang mit armutsbetroffenen Familien. «Gustaf» vernetzt die Fachdienste aus dem Gesundheits-, Sozial- und ­Bildungsbereich, die Informationen austauschen. Dabei geht es darum, die entsprechenden Familien möglichst früh zu erreichen.

Der Verein Nidwaldner Hebammen hat vom Gesundheitsamt den Auftrag erhalten, werdende Eltern in Belastungs­situationen früh anzusprechen und bei Bedarf passende psychosoziale oder materielle Unterstützungen zu vermitteln. Das Projekt wird seit 2023 als ständiges Angebot weitergeführt.

Informationen, Hilfe und Beratung rund um das Thema (Familien-)Budget: budgetberatung.ch