Als Luis über 40 Grad Fieber bekommt, denkt niemand an Sepsis. Wenige Tage später liegt der Junge auf der Intensivstation. Seine Geschichte zeigt, warum Eltern reagieren sollten, wenn ein Kind sich so krank fühlt wie noch nie. 

Im Februar 2023 erkrankt der damals achtjährige Luis an Windpocken. Zunächst wirkt alles harmlos: Er ist fit, die Pusteln jucken kaum. Die Familie fährt wie geplant ins Wallis. Zwei Tage später bekommt Luis hohes Fieber und Schüttelfrost. Trotz Medikamenten sinkt die Temperatur kaum. Im Spital erhält er ein fiebersenkendes Mittel und wird nach Hause geschickt.

Am nächsten Tag kann Luis kaum mehr laufen. Die Beine und der linke Oberarm schmerzen. Der Kinderarzt am Ferienort stellt eine bakterielle Infektion fest und verschreibt ein Antibiotikum. Seine Mutter Manuela Heymer ist erleichtert: «Ich dachte, jetzt hat man endlich die Ursache gefunden und alles wird gut.»

In der Nacht bekommt Luis einen Ausschlag am ganzen Körper. Und einen Bluterguss am Arm. In der Praxis am Ferienort wird die Familie beruhigt. Manuela Heymer aber spürt, dass etwas nicht stimmt. Die Familie fährt zurück nach Hause und geht dort zum Kinderarzt: Luis hat kleine Hauteinblutungen, sein Blutdruck ist viel zu tief. Der Arzt alarmiert sofort den Rettungsdienst. Mit Blaulicht geht es ins Spital. Luis kommt direkt auf die Intensivstation. «Dort sagte man uns, es war höchste Zeit», erinnert sich die Mutter. «Die Sepsis wurde erst spät erkannt.» Manuela Heymer fühlt sich endlich ernst genommen. Und fürchtet gleichzeitig, die Hilfe komme zu spät.

Was ist Sepsis?

Sepsis ist ein lebensbedrohlicher medizinischer Notfall. Sie entsteht, wenn die Abwehrreaktion des Körpers auf eine Infektion ausser Kontrolle gerät und dabei eigenes Gewebe sowie lebenswichtige Organe schädigt. Am Anfang ist Sepsis oft schwer zu erkennen. Deshalb ist es wichtig, Warnzeichen ernst zu nehmen. Wenn sich jemand krank, ungewöhnlich schwach oder müde fühlt wie sonst nie, dann könnte es Sepsis sein. Bei Verdacht auf Sepsis gilt: sofort handeln und über die Notfallnummer oder eine Arztpraxis Hilfe holen. 

Mehr Informationen finden Sie unter www.sepsis.ch/wsd

Sepsis ist ein Notfall

Bei einer Sepsis reagiert der Körper so heftig auf eine Infektion, dass lebenswichtige Organe geschädigt werden. Bei Luis sind es Niere und Leber. Auch Muskelgewebe ist zerstört und muss operiert werden. Und sein Nervensystem ist beeinträchtigt: «Luis schwankte und konnte die Füsse nicht gleichmässig aufsetzen», erinnert sich seine Mutter.

Vier Wochen bleibt Luis im Spital. Antibiotika, intensive Überwachung und eine Operation retten sein Leben. Erst zu Hause beginnt die Verarbeitung. Er geht zur Physiotherapie und erholt sich schnell. Das hilft auch seiner Familie, Normalität zu finden.

Heute ist Luis wieder fit. Bleibende Schäden hat er zum Glück keine. Manuela Heymers Botschaft an andere Eltern: «Wenn euer Bauchgefühl sagt, dass etwas nicht stimmt, lasst nicht locker und holt euch eine weitere Meinung. Bei Sepsis zählt jede Minute.»

Sepsis
Der Sohn von Manuela Heymer (51) überlebte eine Sepsis. Heute appelliert sie: Wer eine Sepsis vermutet, darf nicht abwarten.