Wie weiss man eigentlich, ob ein Beruf zu einem passt? Genau hier kommt die Schnupperlehre ins Spiel. Sie spielt eine zentrale Rolle bei der Berufswahl von Jugendlichen. Denn wo lässt sich ein Beruf besser kennenlernen als direkt vor Ort? Infoveranstaltungen wie Berufsmessen oder die sogenannten Tun-Messen, organisiert von der Stiftung für Nachwuchsförderung in Technik und Naturwissenschaften, können die Richtung weisen.
Einzelne Betriebe bieten auch Informationsanlässe und Tage der offenen Tür an. Es lohnt sich – gerade wenn die breite Berufspalette zu überfordern droht –, auf diese Weise erste Eindrücke zu sammeln, um in den Berufswahlprozess einzusteigen.
Blick hinter die Kulissen
«Da meine Familie sehr naturwissenschaftlich geprägt ist, entwickelte ich früh ein Interesse an Chemie», erzählt Zuhra Naseem. Daher war die Richtung, die sie einschlagen wollte, früh klar: ein Beruf, in dem Chemie die Hauptrolle spielt. Ihre Tante – selbst in der Chemiebranche tätig – vermittelte ihr eine erste Schnupperlehre in einem Pharmaunternehmen. Ein Vorgehen, das unterstützend sein kann.
«Für mich war es hilfreich, dass ich die Schnupperstelle vermittelt bekam und die allererste Arbeitserfahrung auf diesem Weg machen durfte.» Sie meldete sich zwar selbst bei der Ansprechperson, wusste aber, dass diese ihren Anruf bereits erwartete. Das erleichterte es ihr, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.
8 Tipps für die Schnupperlehre
- Bevor Sie die Schnupperlehre antreten: Schreiben Sie auf, was Sie über den Beruf herausfinden wollen.
- Nicht alle Fragen klären sich bei der Arbeit. Fragen Sie nach.
- Schreiben Sie jeden Abend Ihre Eindrücke auf. Was hat Ihnen gefallen, was nicht? Können Sie sich vorstellen, in diesem Betrieb zwei, drei oder vier Jahre zu verbringen?
- Seien Sie Sie selbst. Nur so lernen Ihre Vorgesetzten Sie kennen.
- Sind Sie scheu? Dann bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als sich zu überwinden.
- Alles erledigt? Fragen Sie nach weiteren Aufgaben oder nach Arbeiten, bei denen Sie zuschauen können.
- Nach Beendigung der Schnupperlehre: Bitten Sie um eine schriftliche Beurteilung Ihrer Leistung.
- Eine nicht gut verlaufene Schnupperlehre ist kein Unglück. Schreiben Sie auf, was nicht gut war, was Sie verbessern können und was im Betrieb anders sein muss, damit Sie sich wohlfühlen.
Eignung für den Beruf
Nicht nur für Jugendliche, die einen Beruf kennenlernen möchten, ist die Schnupperlehre wichtig. Auch für die Betriebe ist sie zentral. Anhand der Bewerbungsdossiers treffen sie eine erste Auswahl. Wem sie die Lehre zutrauen und einen Vertrag anbieten, entscheiden Lehrbetriebe in der Regel erst anhand des Eindrucks, den die Schnupperlernenden in der Werkstatt, im Laden oder in der Klinik hinterlassen.
Beim Schnuppern entscheiden demnach beide Parteien für sich, ob sie sich eine gemeinsame Zusammenarbeit von drei bis vier Jahren vorstellen können.
Zuhra Naseem merkte schon am ersten Tag der Schnupperlehre als Chemie- und Pharmatechnologin EFZ, dass ihr die Atmosphäre nicht entsprach. «Die Arbeit als Technologin ist sehr handwerklich, viele Maschinen müssen bedient werden und oft wird am Computer gearbeitet. Ausserdem musste ich einen Schutzanzug anziehen.»
Die Jugendliche fühlte sich in dieser Umgebung von Beginn an nicht wohl. «Es war dunkel und fühlte sich an, als ob ich im Spital wäre. Zudem war ich mit meinem Berufsbildner allein am Arbeitsplatz, dabei bin ich sehr gesellig und mag es, wenn Leben um mich herum ist.» Obwohl sie die Arbeit interessierte, merkte sie während dieser Schnupperlehre, dass ihr das Umfeld nicht zusagte.
Eine Schnupperlehre ist ein Realitätscheck; die eigenen Erwartungen an den Beruf oder das berufliche Umfeld können abgeglichen werden.
Auch negative Erfahrungen helfen
Eine Schnupperlehre ist ein Realitätscheck; die eigenen Erwartungen an den Beruf oder das berufliche Umfeld können abgeglichen werden. Dieser ebnet den Weg für weitere Schritte – selbst wenn er negativ ausfällt. Zuhra Naseem wusste nach dem Einblick in die Pharmatechnologie, dass sie der Chemie treu bleiben, die Fachrichtung jedoch anpassen musste.
«Ich bewarb mich danach für Schnupperlehren als Laborantin Fachrichtung Chemie und merkte sofort: Das passt zu mir!» Keine grossen Maschinen, sondern überschaubare Arbeitsplätze, helle Räume und Mitarbeitende, die im selben Labor werkeln. Nun gefiel der damals 15-Jährigen nicht nur die Arbeit, sondern auch das Umfeld.
«Die Richtung war bei mir von Beginn weg klar», sagt Zuhra Naseem, nun im zweiten Lehrjahr zur Laborantin Fachrichtung Chemie EFZ. «Die Schnupperlehren haben mir geholfen, die damit verbundenen Möglichkeiten zu testen und das für mich Passende herauszupicken.»
Diese Arten von Schnupperlehren gibt es
Schnupperbesuch
Er dauert in der Regel einen Tag und zeigt den Teilnehmenden, wie ein Arbeitstag im Betrieb abläuft. Auch bei einem Schnupperbesuch können Interessierte wichtige Eindrücke von Beruf und Betrieb gewinnen.
Schnupperlehre
Sie dauert üblicherweise zwei bis fünf Tage. Viele Betriebe verlangen eine Schnupperbewerbung, die aber nicht als Bewerbung für die Lehrstelle gilt. Die Teilnehmenden sollen einen realistischen Eindruck vom Berufsalltag erhalten. In der Regel können sie kleine Aufgaben ausführen. Manche Betriebe führen auch Eignungstests durch. Die Betriebe wollen die Schnupperlernenden kennenlernen und gewinnen einen ersten Eindruck, ob diese für die Lehre bei ihnen geeignet sind.
Bewerbungsschnupperlehre
Sie dauert oft eine Arbeitswoche, kann aber auch länger sein. Die oder der Schnuppernde hat in der Regel mitgeteilt, dass er oder sie die Lehre in diesem Betrieb machen will, oder hat sich bereits auf eine offene Lehrstelle beworben. Jetzt geht es für beide Seiten darum, herauszufinden, ob sie sich vorstellen können, die nächsten drei oder vier Jahre zusammenzuarbeiten.







