Kontaktabbruch: Unser Thema im März

Aus Ausgabe
03 / März 2026
Lesedauer: 2 min

Kontaktabbruch: Unser Thema im März

Ein schmerzlicher Schritt: Weshalb wenden sich erwachsene Kinder von ihren Eltern ab? Was hilft bei festgefahrenen Beziehungen? Chefredaktor Nik Niethammer stellt Ihnen das Dossier «Kontaktabbruch» und weitere Themen der März-Ausgabe vor, die am Mittwoch, 4. März 2026, erscheint. Sie können das Heft auch online bestellen.
Text: Nik Niethammer

Bild: Ulrike Meutzner / 13 Photo

Es sind Worte voller Schmerz und Bitterkeit: «Ich weiss nicht einmal, wo meine Tochter wohnt», sagt Rita. Die 60-Jährige hat seit einem Jahr keinen Kontakt mehr zu ihrer Tochter. «Mir ist durch unsere Distanz einiges klar geworden. Dass ich eine Glucke war, zum Beispiel. Ich habe meinen Kindern zu viel abgenommen, war übergriffig. Mein Elternhaus ist lieblos gewesen, wir mussten krampfen, sonst setzte es was. Eine liebevolle Familie zu haben, war alles, was ich wollte – vielleicht zu sehr.»

Das Schicksal von Rita berührt. Und es ist kein Einzelfall. Ungefähr 100'000 erwachsene Kinder in Deutschland haben den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen. Die Zahl ist eine grobe Schätzung von Soziologen, wahrscheinlich ist die Dunkelziffer höher. In der Schweiz leben gemäss einer 2021 publizierten Studie des Dachverbandes für gemeinsame Elternschaft 13'000 Kinder ohne Kontakt zu einem Elternteil.

Der Verlust ihres Enkels wiege für sie fast schwerer als der Bruch mit ihrer Tochter, sagt Rita. «Es zerreisst mir das Herz, wenn ich Leute mit ihren Enkeln sehe. Meinen schreibe ich Briefe, die ich bei meinem Testament aufbewahre. Sie sollen wissen: Ich habe jeden Tag an sie gedacht. Ich besuche eine Selbsthilfegruppe für verlassene Eltern. Es tut gut, mit meinem Schmerz nicht allein zu sein. Ich teile meine Geschichte in der Hoffnung, dass andere über ihre sprechen. Ich hoffe, dass sich diese Gelegenheit irgendwann auch meiner Tochter und mir bietet.»

Wenn die Beziehung zwischen erwachsenen Kindern zu Mutter oder Vater im Argen liegt, hat das unterschiedliche Gründe. Familientherapeutin Claudia Haarmann sieht einen gemeinsamen Nenner: «Da ist entweder zu viel oder zu wenig Nähe. Auf der einen Seite berichten Söhne und Töchter von kühlen, distanzierten Eltern, die keine Nähe zulassen, kaum je ein Gefühl von Wärme und Liebe vermitteln konnten. Auf der anderen Seite höre ich Geschichten über Eltern, die überfürsorglich sind, immerzu anrufen, die ihren Kindern nah und über alles im Bild sein wollen.»

Kontaktabbruch: Cover
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Wie kann eine Annäherung zwischen verhärteten Fronten gelingen und wann ist es besser, getrennte Wege zu gehen? Davon handelt unser Dossier «Kontaktabbruch». Es geht der Frage nach: Was können wir als Eltern tun, damit die Ablösung gelingt und die Beziehung zu unseren Kindern dereinst eine partnerschaftliche Verbindung von Erwachsenen wird?

Herzlichst,
Ihr Nik Niethammer