«Ich habe grosse Angst vor dem Schulwechsel»
«Frag doch mal Sarah!»
Weil wir in eine andere Stadt zügeln, muss ich nach den Ferien in eine neue Schule wechseln. Ich werde meine jetzigen Schulfreundinnen mega vermissen und habe jetzt schon richtig grosse Angst vor dem Schulwechsel. Vor lauter Aufregung kann ich nachts kaum einschlafen. Was, wenn die neue Klasse nicht nett zu mir ist?
Magdalena, 10
Liebe Magdalena
Bei dir gibt es bald einige Veränderungen: Umzug an einen neuen Wohnort und gleichzeitig der Wechsel an die neue Schule, in eine neue Klasse und zu neuen Lehrpersonen. Dass dir das Sorgen bereitet, kann ich gut verstehen. Aber jede Veränderung im Leben birgt auch eine Chance – lass uns das mal genauer anschauen.
Eine Veränderung heisst: Etwas Neues wartet auf dich. Da aber alles Neue auch etwas Unbekanntes ist, kann das auch Angst machen. Das ist eine normale Reaktion – sowohl bei Kindern wie auch bei Erwachsenen. Diese Art von Angst zeigt sich oft als innere Unruhe und löst Stress aus.
Alle grösseren Veränderungen im Leben bedeuten ein bestimmtes Mass an Stress.
Man weiss aus der Forschung, dass alle grösseren Veränderungen im Leben ein bestimmtes Mass an Stress erzeugen. Interessanterweise unterscheidet der Körper nicht, ob du positiven oder negativen Stress hast. Das bedeutet, dass zum Beispiel nicht nur ein Umzug und ein Schulwechsel Stress auslösen, sondern genauso eine Hochzeit oder ein Geburtstagsfest.
Du siehst: für den Körper ist es egal, ob du dich freust oder ärgerst, traurig bist oder dich fürchtest. Du kannst so oder so aufgeregt sein und ‚Lampenfieber‘ haben: also Bauchweh, schwitzige Hände, Herzklopfen und ähnliches.
Stressreaktionen erkennen und annehmen
Ganz bestimmt hattest du schon ab und zu solche Stressreaktionen, oder? Das ist nämlich etwas Natürliches und gehört zu unserem Leben. So gesehen, muss man nicht erschrecken, sondern könnte einfach denken: «Ach so, das ist Stress – das kenne ich und damit kann ich klarkommen.» Wie man damit klarkommen kann, möchte ich dir gerne erklären.
Den Stress wegen des Schulwechsels spürst du natürlich schon im Voraus, liebe Magdalena. Weil du dir jetzt schon vorzustellen versuchst, wie es wohl in der neuen Schule sein wird. Du könntest nun versuchen, deine Aufregung umzupolen. Stell dir vor, wie alles richtig toll laufen wird: Die neuen Schulkameradinnen werden dich herzlich aufnehmen und du wirst gute Freundinnen finden. Und da du jetzt weisst, dass man auch bei Vorfreude mit Stress reagiert, musst du dir weniger Sorgen machen, wenn du diese körperlichen Symptome spürst.
Strategie vor dem Schulwechsel
Weisst du was? Anstatt noch so lange zu warten, bis ihr am neuen Ort eingezogen seid, könntest du (vielleicht zusammen mit deinen Eltern) schon einmal vorher bei der neuen Klasse vorbeigehen und deine zukünftigen Klassengspänli und die Lehrperson kennenlernen. Bring ihnen doch einen Kuchen mit, wenn du magst. Darüber freuen die sich bestimmt!
Klar, bei einem Besuch bleibt zu wenig Zeit, um die neuen Kinder ‚richtig‘ kennenzulernen. Aber sie haben dich dann schon einmal gesehen (und du sie auch). Und nach den Ferien, wenn du dann wirklich am ersten Schultag dort bist, wärst du kein unbekanntes Gesicht mehr für sie.
Alte und neue Freundschaften
Du sagst, dass du deine jetzigen Schulfreundinnen vermissen wirst. Das ist natürlich traurig und trotzdem sagst du damit auch etwas Schönes: Denn es bedeutet, dass dir deine Freundinnen wirklich wichtig sind und ihr euch sehr gern habt.
Vertraue darauf, dass echte Freundschaften nicht einfach verloren gehen. Sie bleiben, auch wenn man sich nicht mehr so oft sehen kann. Immerhin gibt es heute viele Möglichkeiten, in Kontakt zu bleiben. Vielleicht hast du selbst schon ein Handy, oder du kannst deine Eltern ab und zu darum bitten, deinen Freundinnen eine Nachricht zu schicken, oder zu telefonieren. Wichtig ist, dass man in Kontakt bleibt.
Es hilft, wenn man als neue Schülerin eine offene und freundliche Haltung den anderen gegenüber zeigt.
Nun möchte ich nochmals auf deine neue Schule zu sprechen kommen: Versuch, möglichst offen und neugierig zu bleiben, für alles, was da kommen mag. Es hilft, wenn man als neue Schülerin eine offene und freundliche Haltung den anderen gegenüber zeigt. Mach einfach mit, wenn sie dich zum Beispiel zum Rausgehen einladen. Und lass dich nicht von ihren neugierigen Blicken und Fragen einschüchtern – auch dies ist ein normales Verhalten und zeigt: «Hey, wer bist du? Wir möchten dich kennenlernen.»
3 hilfreiche Tipps bei Stress
Hier noch drei hilfreiche Tipps, die du ausprobieren kannst, wenn du Stress spürst:
- Tief ein- und ausatmen: Lege eine Hand auf deinen Bauch direkt unter dem Bauchnabel. Atme ganz tief ‚in den Bauch‘ – dein Bauch soll sich beim Einatmen ausdehnen wie ein Ballon. Halte die Luft zwei bis drei Sekunden an und blase sie dann langsam durch den Mund aus. Wiederhole diese Übung fünf bis zehn Mal.
- Zähle in einer anderen Sprache laut von 50 retour (zum Beispiel in Englisch oder Französisch):
Du wirst sehen, dass du dazu schon ein bisschen Konzentration brauchst. Bis du bei 0 angekommen bist, hat dein Körper schon vergessen, weswegen du eigentlich gestresst warst, und es geht dir dann besser. - Rieche an einem starken Duft: Ich empfehle dazu, immer ein Fläschchen mit Pfefferminzöl bei sich zu haben. Oder es gibt von der Apotheke so einen Inhaler, der nach Pfefferminz riecht. Er ist praktisch, da nichts auslaufen kann und man ihn einfach kurz an die Nase hält und tief einatmet. Danach ist nicht nur deine Nase frei zum Atmen, sondern dein Körper wird durch den intensiven Geruch vom Stress abgelenkt.
Es gibt noch viel mehr Möglichkeiten, damit Stress nicht mehr so oft und störend auf einen wirken kann. Aber diese drei Tipps helfen in akuten Situationen, wie zum Beispiel auch bei Prüfungsstress direkt vor dem Test.
Viel Erfolg und viel Freude am neuen Schulort!
Frag doch mal Sarah
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