«Menstruation im Schwimmbad – das ist mir so peinlich»

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«Menstruation im Schwimmbad – das ist mir so peinlich»

Die 14-jährige Annika möchte während ihrer Menstruation nicht am Schwimmunterricht teilnehmen – doch offen darüber sprechen fällt ihr schwer. Also erfindet sie Ausreden. Jugendcoach Sarah Zanoni weiss Rat.
Text: Sarah Zanoni

Bild: Getty Images

«Frag doch mal Sarah!»

Wenn ich meine Tage habe und wir im Sportunterricht ins Schwimmbad gehen, ist mir das total unangenehm. Es ist mir peinlich, so ins Wasser zu gehen. Aber sagen, dass ich meine Tage habe, will ich auch nicht. Deshalb behaupte ich dann immer, ich hätte Bauchschmerzen. Nun glaubt mir meine Sportlehrerin nicht mehr.
Annika, 14

Liebe Annika
Ich kann deine Schamgefühle wegen der Menstruation durchaus verstehen. Obwohl ihr in der Schule bestimmt das Thema Sexualkunde und die Entwicklung des Kindes hin zur Frau oder zum Mann durchgenommen habt, ist es für viele Jugendliche sehr unangenehm, offen über diese Dinge zu sprechen.

Trotzdem möchte ich dir sagen, dass du dir bewusst machen solltest, dass wirklich jedes Mädchen die Periode bekommt und jede Frau über Jahrzehnte hinweg etwa jeden Monat einmal die Menstruation hat. Und auch die Jungs und Männer wissen, dass wir Frauen die Monatsblutung bekommen.

Die Menstruation kann eigentlich weder ein Geheimnis, noch etwas Peinliches sein.

Auch wenn dieser Gedanke vielleicht neu und noch sehr fremd für dich ist: Aber eine Sache, von der ALLE Menschen Bescheid wissen und 51 Prozent der Menschheit direkt davon betroffen ist, kann eigentlich weder ein Geheimnis, noch etwas Peinliches sein.

Schwimmen während der Menstruation

Trotzdem verstehe ich natürlich, dass du dich während deiner Tage nicht wohl genug fühlst, um schwimmen zu gehen. Das geht sogar den meisten Mädchen so – du bist mit Sicherheit nicht die Einzige, die wegen der Periode nicht am Schwimmunterricht teilnimmt.

Obwohl es dazu ein paar interessante Fakten gibt.

  • Das Schwimmen ist während der Menstruation weder unhygienisch noch gefährlich. Viele Mädchen haben Bedenken, aber mit den richtigen Produkten, wie zum Beispiel Tampons ist es sehr unwahrscheinlich, dass Menstruationsblut ins Wasser gelangt.
  • Der Wasserdruck kann den Blutfluss während des Schwimmens verringern, aber die Periode wird nicht grundsätzlich gestoppt. Sobald man das Wasser verlässt, fliesst das Blut wie gewohnt weiter.

Alternativen zum Schwimmunterricht

An vielen Schulen gilt die Regelung, dass man während der Periode nicht ins Schwimmbecken steigen, aber dafür eine andere sportliche Betätigung machen muss. Wer sich einfach «krank» meldet, ist daher nicht ganz korrekt, denn man ist ja nicht krank, sondern fühlt sich nur fürs Schwimmen unpässlich.

Hier ist es sehr hilfreich, wenn man der Turnlehrerin oder dem Turnlehrer eine klare Information gibt, dass man die Periode hat. Deine Lehrperson kann dir eine andere sportliche Aufgabe geben, die du dann ausführen kannst, während deine Mitschülerinnen im Schwimmbecken sind.

Falls dieses Vorgehen wider Erwarten nicht auf Verständnis stösst, sollte man von seinen Eltern eine Entschuldigung schreiben lassen und diese auf jeden Fall schon am Morgen mit dabeihaben.

Über schwierige Themen reden

Liebe Annika, da ich schon mit vielen Jugendlichen und vielen Lehrpersonen zu tun hatte, weiss ich leider, dass auf besonders schüchterne Jugendliche nicht immer mit Respekt begegnet wird. Oft heisst es dann: «Sie soll doch einfach zu mir kommen und sagen, was los ist!». Als ob das so einfach wäre!

In solchen Fällen empfehle ich jeweils, dass die Jugendliche zusammen mit ihren Eltern das Gespräch mit der betreffenden Lehrperson (oder der Klassenlehrperson) suchen soll. Dann lässt sich eine solche Situation oft entschärfen und wird dann besser akzeptiert.

Schüchternheit ist kein Makel, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal.

Selbstverständlich sollst auch du lernen, dich mit der Zeit immer mehr zu trauen, auch über schwierige Themen zu reden. Aber wie gesagt: «Mit der Zeit…» - das braucht eben auch Zeit, manchmal Jahre.

Schäme dich bitte niemals, dass du vielleicht schüchterner als andere bist: Schüchternheit ist kein Makel, sondern ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal. Vielleicht ist auch deine Mutter oder dein Vater eher schüchtern.

Wer schüchtern ist, hat aber oft auch ein eher kleines Selbstvertrauen. Selbstvertrauen bedeutet: «Ich traue mir das zu! Ich kann eine neue oder schwierige Situation meistern! Ich bin gut genug!» Falls du dich darin erkennst, dass du eben dieses Selbstvertrauen (noch) nicht hast, dann könntest du daran arbeiten. Es gibt viele Möglichkeiten, dies zu tun.

Selbstvertrauen stärken

Eine davon wäre, ein «Erfolgs-Journal» anzulegen: Nimm ein leeres Buch, in das du ab heute jeden Tag die guten Dinge aufschreibst, die du gerade erlebst. Das kann sein: Ein Lob deiner Eltern, ein freundliches Lächeln einer Mitschülerin, ein Kompliment, ein Dankeschön oder auch etwas, das dir besonders gut gelungen ist, wie zum Beispiel eine schöne Zeichnung oder etwas, das dir einfach gut getan hat: ein warmes Bad, ein Spaziergang, tolle Musik.

Mit der Zeit wird sich dein Erfolgs-Journal mit positiven Dingen füllen. Beim Durchschauen wirst du merken, dass du immer wieder mal positive Rückmeldungen von anderen Menschen bekommst und auch eigene Erfolgserlebnisse zu verzeichnen hast. Diese Erkenntnis wird dein Selbstvertrauen nach und nach stärken – und dann wird es mit der Zeit auch einfacher, wenn es darum geht, etwas Unangenehmes beim Namen zu benennen.

Frag doch mal Sarah

In unserer Rubrik «Frag doch mal Sarah» beantwortet Jugendcoach Sarah Zanoni Fragen von Kindern und Jugendlichen.
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