Wir unterscheiden drei Ausprägungen des Glücks, denen jeweils eine unterschiedliche neurobiologische Aktivität zugrunde liegt. So steht das sogenannte jugendliche Glück für Begehren, Neugier und Euphorie – Gefühle, die vor allem in der Jugend tonangebend sind und uns antreiben, zu unbekannten Ufern aufzubrechen, Neues zu lernen und Belohnung im Erfolg zu suchen», sagt Tobias Esch, Neurowissenschaftler an der Universität Witten/Herdecke (D).
Das jugendliche Glück sei mit einer enormen Lernbereitschaft des Gehirns verbunden, das im Zuge dieser Empfindungen neue Strukturen anlege: «Wenn wir uns himmelhoch jauchzend fühlen, ist da oben der Wachstumsmotor aktiv.»
In der Familienphase erleben wir Glück vor allem als die Abwesenheit von Unglück.
Tobias Esch, Neurowissenschaftler
Entlastungs- und Daseinsglück
Stehen im Frühling des Lebens Abenteuerlust und Vergnügen im Zentrum, ist es in der Rushhour mehrheitlich das sogenannte Entlastungsglück. «Die Erleichterung, wenn Stress abklingt, Konflikte ruhen oder ein Unheil abgewendet werden konnte», erklärt Esch.
«Diese Form von Glück dominiert die mittlere Lebens- und aktive Familienphase, die mit vielfältigen und gleichzeitigen Anforderungen in Beruf und Privatleben verbunden ist. Glück erleben wir dann vor allem als die Abwesenheit von Unglück.» Diesen Tiefpunkt, «das Tal der Tränen», wie Esch sagt, durchlaufen wir mit 40 bis 50 Jahren, danach geht es wieder aufwärts.
Zwischen 65 und 75 Jahren erreicht ein Gefühl seinen Höhepunkt, das die Neurowissenschaft als Daseinsglück bezeichnet: Es ist geprägt von abnehmenden Verpflichtungen, zunehmender Gelassenheit durch Lebenserfahrung, von Ankommen und innerem Frieden.
Statistisch gesehen sind wir also in der Jugend und im frühen Seniorenalter besonders glücklich und durchschreiten dazwischen eine Talsohle – damit gleicht das menschliche Glücksempfinden im Verlauf eines Lebens einer U-Kurve. «Ein Leben mag auch anders verlaufen», weiss Esch, «aber für die durchschnittliche Gesamtbevölkerung finden wir diesen typischen U-Verlauf in praktisch allen Ländern der Welt.»






