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Glück als Schulfach: Wie geht das?

Aus Ausgabe
07+08 / Juli+August 2026
Lesedauer: 2 min
Die Forderung nach Glück als Schulfach wird lauter. Das Bildungszentrum für Technik in Frauenfeld TG hat sie umgesetzt.
Text: Virginia Nolan

Bilder: Mara Truog / 13 Photo

Ist das hier eine Art Psychotherapie?» Wenn Patrick Schmitt, Lehrer am Bildungszentrum für Technik (BZT) in Frauenfeld, neue Schülerinnen und Schüler empfängt, sind diese verwundert, öfter noch verunsichert oder misstrauisch: Glück als Schulfach – kann das gut gehen? Lassen sich positive Gefühle erlernen wie das Einmaleins, und das ausgerechnet dort, wo sie oft zu kurz kommen?

Das BZT gehört zu den ersten Schulen in der Schweiz, die Glück in den Stundenplan aufgenommen haben. Im Brückenangebot für Jugendliche, die nach der obligatorischen Schulzeit noch keine Anschlusslösung haben, unterrichtet Schmitt seit 2021 «Glück & Resilienz».

Glück als Schulfach: Lehrer Patrick Schmitt
«Jugendliche sollen sich bei uns Werkzeuge erarbeiten, die ihnen helfen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen», sagt Lehrer Patrick Schmitt.

Selbstwert und Teamfähigkeit stärken

«Glück allein ist ein recht abstrakter Begriff, den wir unterschiedlich deuten», sagt Schmitt. «Ausserdem geht es hier nicht nur darum, sich gut zu fühlen. Jugendliche sollen sich vielmehr Werkzeuge erarbeiten, die ihnen helfen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.» Da komme Resilienz ins Spiel – jene innere Widerstandskraft, die uns selbst dann Zuversicht bewahren oder sie wiederfinden lässt, wenn das Glück uns einen Strich durch die Rechnung macht.

So erhalten Jugendliche in den 72 ​Lektionen mit Schmitt die Gelegenheit, sich in Fähigkeiten zu üben, die Forschende für unser langfristiges psychisches Wohlbefinden als zentral erachten. Dazu gehören laut Schmitt etwa Selbstregulation oder Teamfähigkeit, ganz besonders auch das Wissen um die eigenen Stärken und Werte: «Wer bin ich, was ist mir wichtig? Wie und wo kann ich zur Geltung bringen, was mich auszeichnet?»

Mit solchen Fragen setzen sich Jugendliche in Schmitts Glücksunterricht auseinander, und zwar in ganz unterschiedlichem Rahmen – von Reflexions- oder Gruppenarbeiten über praktische Übungen bis hin zu Kreativprojekten.

Themen, die Jugendliche direkt betreffen

Während es im ersten Semester vor allem darum geht, das Bewusstsein für die eigenen Stärken und Werte zu schärfen, stehen im zweiten Halbjahr Themen wie Dankbarkeit, Entscheidungsfindung, Prokrastination – das ständige Aufschieben von Aufgaben – oder der Umgang mit schwierigen Emotionen und Veränderungen auf dem Programm.

Glück als Schulfach ist kein Selbstzweck – es muss evidenzbasiert sein, damit es Jugendlichen auch wirklich etwas bringt.

Patrick Schmitt, Lehrer

«Ich knüpfe wo immer möglich an Themen an, die Jugendliche direkt betreffen», sagt Schmitt. «Nur so gelingt ein Transfer in ihren eigenen Alltag.» Für seinen Unterricht bedient sich Schmitt eines breiten Repertoires an Methoden aus Glücks- und Resilienzforschung, positiver Psychologie oder Persönlichkeitstraining. Auch seine eigene langjährige Erfahrung als ausgebildeter Gesundheitsclown, der Kranke und Sterbende begleitet, fliesst mit ein.

Wenn Glück Schule machen soll, dann nicht als beliebige Wohlfühlveranstaltung, ist Schmitt überzeugt: «Glück als Schulfach ist kein Selbstzweck – es muss evidenzbasiert sein, damit es Jugendlichen auch wirklich etwas bringt.»