Freundschaft im digitalen Zeitalter: Unser Thema im April
Wenn man mit einem Menschen stundenlang telefoniert, zehnminütige Sprachnachrichten austauscht und bis morgens um drei Uhr persönliche Dinge bespricht, handelt es sich meist um die beste Freundin oder den besten Freund.
Meine 14-jährige Tochter hat vier beste Freundinnen. Es rührt und fasziniert mich gleichermassen, zu sehen, wie liebevoll die fünf Teenager miteinander umgehen. Sie tragen Freundschaftsbändeli, schreiben sich Briefe voller Wertschätzung und Zuneigung und bauen sich bei Übernachtungspartys ein grosses Nest, in dem sie zusammen schlafen.
Freundschaften tragen uns durch den Alltag. Sie geben Halt, wenn es schwierig wird, und machen schöne Momente noch schöner. Studien zeigen, wie stark enge Beziehungen wirken. Sie senken den Stress, stärken das Selbstwertgefühl und machen widerstandsfähiger.
Wie aber werden Freundschaften heute geschlossen und geführt – in Zeiten, in denen Jugendliche scheinbar rund um die Uhr über Instagram, Snapchat und Whatsapp miteinander verbunden sind? Und was hat es mit Untersuchungen auf sich, die nahelegen, dass sich fast die Hälfte aller jungen Menschen einsam fühlt? 100 Freunde auf Insta, aber keine Best Friends – wie kann das sein? Diesen und anderen Fragen geht meine Kollegin Kristina Reiss in ihrem Dossier «Freundschaft im digitalen Zeitalter» nach.

Der Begriff «Erklärbär» stammt aus der Umgangssprache. Er bezeichnet eine Person, die andern etwas erklärt. Oft ausführlich. Stets geduldig. Immer auf den Punkt. Philipp Ramming ist ein Erklärbär. Einer meiner liebsten. Vom Berner Kinder- und Jugendpsychologen stammt der Satz: «Erziehung ist Scheitern in Raten. Aber scheitern Sie mit Würde und Eleganz.» Eine tröstliche Aussage. Wie oft habe ich mich an seine Worte erinnert, wenn zu Hause mal wieder alles drunter und drüber ging.
Ramming ist ein gern gelesener Experte bei «Fritz+Fränzi». Weil er die Dinge herrlich unaufgeregt und anschaulich benennt. «Erziehung ist der schwierigste Job, den es gibt. Denn der Arbeitgeber ist unberechenbar.» Für unsere aktuelle Ausgabe hat meine Kollegin Birgit Weidt mit dem Vater von zwei erwachsenen Söhnen über Werte in der Erziehung gesprochen. «Entscheidend ist, wie sich Eltern verhalten, nicht, was sie sagen», so Ramming. Ich empfehle Ihnen das Interview sehr.
Herzlichst,
Ihr Nik Niethammer






