Erdnussallergie: So kann man ihr vorbeugen

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Eine Studie aus England hat die Allergieprävention bei Erdnüssen grundlegend verändert. Worauf Eltern achten sollten und was sie konkret tun können.
Text: Martina Huber

Bild: Carla Kogelman

Lange galt die Devise: Säuglinge sollten Kontakt mit allergenen Lebensmitteln wie Erdnüssen, Nüssen, Fisch, Ei und Milch meiden. Ab 2015 führte die sogenannte Leap-Studie um den britischen Allergieforscher Gideon Lack zum Umdenken: Sie zeigte auf, dass Kinder, die bereits mit Einführung der Beikost auch Erdnussmus erhielten, ein deutlich geringeres Risiko hatten, eine Erdnussallergie zu entwickeln.

Die Empfehlungen wurden als Folge der Studie international angepasst. Heute empfehlen Allergiefachleute, Kindern bereits im ersten Lebensjahr die wichtigsten allergenen Lebensmittel zu geben, in einer altersgerechten Form – also Nüsse gemahlen oder als Mus, Ei verbacken. Für eine Toleranzentwicklung sollen Kinder die allergenen Lebensmittel regelmässig erhalten.

Weitere präventive Massnahmen

Dass die veränderten Empfehlungen in der Praxis tatsächlich Wirkung zeigen, legt auch eine US-amerikanische Studie nahe, deren Resultate vergangenen Herbst im Fachmagazin «Pediatrics» erschienen: Forschende des Children's Hospital of Philadelphia hatten die Daten von mehreren Zehntausend Kindern ausgewertet. Und konnten aufzeigen, dass Erdnussallergien in den USA nach der Einführung der neuen Richtlinien zur frühen Erdnussgabe deutlich zurückgingen.

Weitere präventive Massnahmen beginnen noch früher: Während der Schwangerschaft sollten Rauchen und Passivrauch vermieden werden. Auch Stillen und eine vaginale Geburt, die das Baby in Kontakt mit der Vaginalflora der Mutter bringt, senken das ­Allergierisiko. Laut Eva Untersmayr-Elsenhuber, Fachärztin für klinische Immunologie, können zudem durchgemachte harmlose Infekte wie Erkältungen im frühen Kindesalter das Allergierisiko senken.

Symptome, Beratung und Behandlung

  • Häufigste Anzeichen einer Nahrungs­mittelallergie sind Hautreaktionen wie Rötungen oder Schwellungen, manchmal auch verbunden mit Unwohlsein, Bauchschmerzen oder Erbrechen. In seltenen Fällen können auch schwere allergische Reaktionen auftreten.
  • Besteht der Verdacht auf eine Nahrungs­mittelallergie, sollte dies medizinisch abgeklärt werden – damit Allergieauslöser zweifelsfrei bestimmt und künftig gemieden werden können und eine geeignete Behandlung festgelegt werden kann, auch abhängig von der Stärke der Allergie.
  • Leichte Symptome wie Juckreiz, Kribbeln in Mund und Hals oder Rötungen und weitere Hautreaktionen lassen sich mit Antihistaminika lindern.
  • Die Ärztin oder der Arzt kann in bestimmten Fällen zusätzlich ein ­Kortisonpräparat verschreiben. Es wird ergänzend verwendet und soll die ­Entzündungsreaktion des Immunsystems bremsen.
  • Symptome wie Atemnot, Schwindel oder Herzrasen können auf eine Anaphylaxie hinweisen. In diesem Fall muss sofort Adrenalin in den Oberschenkel gespritzt und der Notruf 144 gewählt werden.
  • Das «aha! Allergiezentrum Schweiz» bietet Betroffenen und Angehörigen ­kostenlose persönliche Beratung – ­telefonisch unter 031 359 90 50 oder schriftlich per Onlineformular.

Eine Studie aus Irland habe gezeigt, dass durch die Kontaktbeschränkungen während der Pandemie das Allergierisiko bei Kindern gestiegen sei. Auch gewisse Medikamente wie Antibiotika oder Magensäureblocker können das Allergierisiko erhöhen, weshalb sie nur eingesetzt werden sollten, wenn sie medizinisch wirklich nötig sind.

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Häufigste Auslöser von Anaphylaxien

In der Schweiz erleiden jährlich etwa 10 von 100 000 Personen eine Anaphylaxie – eine plötzlich auftretende, potenziell lebensbedrohliche allergische Reaktion. Die häufigsten ­Auslöser verändern sich mit dem Alter: Bei Kindern dominieren ­Nahrungsmittelallergene wie Erdnüsse, Schalenfrüchte, Kuhmilch und Eier, während bei Erwachsenen vor allem Insektengifte, gefolgt von ­Arzneimitteln und Nahrungsmitteln Anaphylaxien verursachen.