Berufswahl: Wer bin ich eigentlich?

Lesedauer: 3 min
Die Wahl des Berufs orientiert sich stark an der Frage: Wer bin ich und was passt zu meinen Stärken und Interessen? Das herauszufinden, ist für Jugendliche oft eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt.
Text: Susanna Valentin und Stefan Michel

Bild: Gabi Vogt / 13 Photo

Die Wahl einer passenden Ausbildung beginnt nicht bei Berufsbildern oder Stellenanzeigen, sondern bei einem selbst. Wer weiss, wofür er sich interessiert, was ihm wichtig ist und in welchen Situationen er sich wohlfühlt, hat einen entscheidenden Vorteil.

Gerade für Jugendliche ist genau diese Selbstfindung oft die grösste Hürde auf dem Weg in die Berufswelt, denn: Diese Lebensphase ist geprägt von Umbrüchen, mitten im Übergang vom Kindsein zum Erwachsenwerden.

Ein sinnvoller Einstieg in die Berufswahl ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Alltag.

Die eigene Identität wird entwickelt und der Platz in der Gesellschaft gesucht, Rollen werden ausprobiert und Werte hinterfragt. Gleichzeitig verändern sich Freundschaften, Erwartungen und Zukunftsvorstellungen. Keine Überraschung, dass die Frage nach dem passenden Beruf nicht sofort klar beantwortet werden kann.

Bin ich praktisch veranlagt? Arbeite ich lieber allein?

Ein sinnvoller Einstieg in die Berufswahl ist deshalb die Auseinandersetzung mit dem eigenen Alltag. Nicht grosse Lebenspläne, sondern kleine Beobachtungen liefern oft die besten Hinweise: Welche Themen interessieren mich gerade besonders? Wo vertiefe ich mich so stark, dass ich alles andere vergesse? Welche Aufgaben erledige ich eher ungern und welche gehen mir leicht von der Hand?

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Auch das eigene Lern- und Arbeitsverhalten gibt wichtige Anhaltspunkte. Fühle ich mich wohler, wenn ich alleine arbeite oder im Austausch mit anderen? Greife ich gerne zu praktischen Tätigkeiten oder liegen mir eher sprachliche und theoretische Inhalte? Und gibt es Orte oder Umgebungen, in denen ich mich besonders konzentrieren oder entspannen kann?

Solche Überlegungen helfen, erste Muster zu erkennen. Dies, ohne sich bereits von konkreten Berufsbildern beeinflussen zu lassen. Es geht in erster Linie darum, ein Gefühl dafür zu entwickeln, welche Tätigkeiten zu einem passen könnten und welche eher weniger.

Alltagsfragen sind ein guter Einstieg:
  • Zu welchen Themen habe ich zuletzt nach Informationen ge­sucht?
  • Worüber weiss ich so viel, dass ich anderen Auskunft gebe?
  • Bei welcher Beschäftigung vergesse ich die Zeit?
  • Wozu muss ich mich überwinden und bin froh, wenn ich es hinter mir habe?
  • Löse ich Aufgaben lieber allein oder mit anderen?
  • Nutze ich meine Fremdsprachenkenntnisse?
  • Arbeite ich gerne mit den Händen?
  • An welchem Ort fühle ich mich am wohlsten?

Interessen und Fähigkeiten ­zusammenbringen

Es ist gut möglich, dass sich auf diese Weise übereinstimmende Interessen und Fähigkeiten herauskristallisieren. Wer sich gut konzentrieren kann, neigt möglicherweise zu ­analytischen Aufgaben. Wer gerne erklärt, zuhört oder mit anderen zusammenarbeitet, bringt oft soziale oder kommunikative Stärken mit. Diese Zusammenhänge sind nicht starr, aber sie geben wertvolle Hinweise darauf, welche Tätigkeiten im Berufsleben Freude machen könnten.

Neben persönlichen Vorlieben spielen auch äussere Faktoren eine Rolle. Schulische Leistungen beeinflussen viele Ausbildungswege. Wer in einem Fach Schwierigkeiten hat, kann entweder gezielt daran arbeiten oder bewusst nach Alternativen suchen, bei denen andere Fähigkeiten zählen. Ebenso hilfreich ist die praktische Erfahrung.

Schnupperlehren oder kurze Einblicke in verschiedene Berufe zeigen schnell, wie sich ein Arbeitsalltag wirklich anfühlt. Dabei wird oft klar, dass die Realität anders aussieht als die Vorstellung. Manche entdecken dabei neue Interessen, andere stellen fest, dass ein Beruf nicht zu ihnen passt. Beides ist wertvoll, denn jede Erfahrung schärft das Bild von sich selbst ein Stück mehr.

Das PDF mit den Fragen an Berufswählende können Sie hier herunterladen.