Ich habe immer etwas Hemmungen, wenn ich meine Situation in Relation zu anderen alleinerziehenden Müttern setze. Ich habe nämlich keinerlei Geldsorgen, das macht nicht alles, aber sehr vieles leichter. Ich selber stamme aus vermögenden Verhältnissen und mein Ex-Mann bezahlt jeden Monat mehr Unterhaltsbeiträge an uns, als manche in einem Monat verdienen.
Ich habe diplomatische Beziehungen studiert und arbeitete oft im Ausland, seit ich Mutter bin aber in der Schweiz, in führender Position bei einer skandinavischen Firma. Zusammen mit dem Geld, das ich verdiene, leben wir überdurchschnittlich gut.
Aber eben, was heisst das schon? Ich habe dafür andere Sorgen. Obwohl mein Sohn und ich viel reisen und ein komfortables Leben führen, frage ich mich, wie er das Aufwachsen ohne seinen Vater in dreissig Jahren einmal beschreiben wird. Hat er vielleicht eigene Kinder? Lebt er mit einer Frau zusammen oder ist er auch getrennt?
Ich verkehre oft mit Müttern, die ähnlich leben wie ich. Die meisten sind ganz selbstverständlich berufstätig. Damit habe ich nie gehadert – im Gegenteil. Ich könnte mir das Leben als Hausfrau nicht vorstellen. Ich habe ein Au-pair zu Hause, seit mein Sohn klein ist. Auch wenn das für andere Eltern vielleicht kühl tönt, aber: besser ein engagiertes, liebevolles Kindermädchen als eine frustrierte Mutter. Ich hatte da immer Glück, mein Sohn kam mit all den Frauen, die bei uns arbeiteten, gut aus.
Mein Sohn nimmt seinen Vater mehr als Götti oder Bekannten seiner Mutter wahr.
Der Vater und ich haben uns scheiden lassen, kaum war der Bub ein Jahr alt. Mein Mann hat mir damals klar gesagt, dass er mich immer finanziell unterstützen werde, er aber die Welt sehen wolle und kein guter Vater sein würde. Das klang damals hart, aber ich weiss jetzt, was er gemeint hat.
Und nun ist es so: Ich bin alleinerziehende Mutter, der Vater sieht das Kind zweimal im Jahr. Mein Sohn nimmt ihn mehr als Götti oder Bekannten seiner Mutter wahr denn als seinen Vater. Der Vorteil meiner Lebenssituation ist, dass ich selber entscheiden kann. Alles. Das ist für mich sehr entlastend.
Als ich mich aber vor einem Jahr bei der Einschulung meines Sohnes in die internationale Schule mit Tagesstruktur den anderen Eltern vorstellen musste, war mir schon etwas mulmig. Bis ich realisiert habe, dass neben mir auch noch andere Mütter alleine da waren.






