8 Tipps für einen guten Umgang mit KI bei der Bewerbung

Lesedauer: 4 min
Mit KI-Chatbots geht das Texten wie von selbst – bis Absagen kommen wegen ­unpersönlicher Motivationsschreiben voller inhaltlicher Fehler. Berufsberatende erklären, wo und wie Jugendliche KI im Bewerbungsprozess sinnvoll einsetzen können.
Text: Stefan Michel

Bild: Adobe Stock

1. Worauf muss ich achten, wenn ich mit KI den passenden Lehrbetrieb finden will?

KI-Anwendungen sind sehr effizient darin, Betriebe aufgrund öffentlicher Zahlen und Fakten miteinander zu vergleichen – wie gross, wie viele Lehrstellen, wie viele Standorte, wie weit von deinem Zuhause entfernt. Doch auch diese Angaben musst du überprüfen. Den besten und wichtigsten Eindruck erhältst du beim Schnuppern. Erst nach einem oder mehreren Tagen im Betrieb weisst du, ob du dich dort wohlfühlst.

2. Wenn ich einer KI Fragen über einen Betrieb stelle, wie muss ich dann mit den Antworten umgehen?

Ganz einfach: Du musst jede einzelne Angabe überprüfen. Sonst kann es dir passieren, dass du in deinem Motivationsschreiben Geschäftsbereiche oder Arbeits­modelle hervorhebst, die der Betrieb gar nicht hat. Am besten lässt du dir für jede Information, die dir der Chatbot über einen Betrieb liefert, eine Quellenangabe angeben. So findest du schneller heraus, was stimmt und was nur gut klingt.

Lehrbetriebe wollen die ­Jugendlichen kennenlernen. Das geht nur mit einem ­persönlich formulierten Bewerbungsschreiben.

3. Kann mir die KI helfen, einen ­aussagekräftigen Text über mich selbst zu schreiben?

KI-Anwendungen sind gut darin, Texte zu strukturieren. Auch können sie dir Fragen stellen, die dir helfen, dich selbst treffend zu beschreiben. Doch keine KI kennt dich so wie du und deine Eltern. Zudem schreibt sie unpersönliche Texte – nicht nur für dich, sondern auch für alle anderen, die ihr das überlassen. Die Lehrbetriebe aber wollen dich kennenlernen. Sie können mit einem Text, dem man anmerkt, dass er von einer oder einem Jugendlichen geschrieben worden ist, viel mehr anfangen als mit einem zwar sprachlich makellosen, aber austauschbaren Allerweltsschreiben.

4. Die KI schreibt besser als ich. Was spricht dagegen, Bewerbungen von ihr schreiben zu lassen?

Wenn du nicht gern auf einem weis­sen Blatt beginnst, kannst du dir einen Vorschlag machen lassen. Je genauer du erklärst, was du vom Chatbot willst, desto persönlicher werden die Texte. Trotzdem musst du alles überarbeiten, mit Beispielen aus deinem Leben anreichern und in deiner Sprache formulieren. Nur dann erhalten die Menschen, die deine Bewerbung entgegennehmen, einen realistischen Eindruck von dir. Wichtig ist auch, dass du keine sensiblen persönlichen Daten über dich in die KI-Anwendung eingibst. Die Betreiber können deine Daten speichern, weiterverwenden und wenn du Pech hast, landen sie nach einem Hacker­angriff oder einer Firmenübernahme bei Personen, mit denen du die Informationen nicht teilen willst.

5. Wenn Betriebe KI einsetzen, um passende Lernende auszuwählen, kann mir die KI dann helfen, dass ich ausgewählt werde?

Wahrscheinlich nicht. Wenn sie das behauptet, solltest du skeptisch sein. Das Beste, was du tun kannst, ist, dich online und bei Mitarbeitenden über den Lehrbetrieb zu informieren. Letztlich kommst du nicht darum herum, dich ehrlich und authentisch vorzustellen und dir gute Argumente zu überlegen, warum du die oder der Richtige für die Lehrstelle bist.

Dein Auftreten und deine Körpersprache können die gängigen Chatbots nicht beurteilen.

6. Sind die Ansprüche an ­Bewerbungsdossiers gestiegen, seit KI-Anwendungen breit zur ­Verfügung stehen?

Sehr wahrscheinlich schon. Wer keine sprachlich sattelfeste Person im Hintergrund hat, die die Bewerbung Korrektur liest, tut gut daran, sie von einer KI auf grammatische und orthografische Korrektheit kontrollieren zu lassen. Bei Schreibfehlern dürfte die Toleranz kleiner geworden sein, seit sie so einfach auszumerzen sind.

7. Kann ich mit der KI ein ­Bewerbungsgespräch üben?

KI kann dir typische Fragen stellen, die in Bewerbungsgesprächen gestellt werden. Ob dir im Gespräch dann tatsächlich diese typischen Fragen gestellt werden, weiss die KI nicht. Wenn du dich unsicher fühlst, dann übe das Bewerbungsgespräch mit Menschen – deinen Eltern, deiner Berufsberaterin oder deinem Lehrer. Auch dein Auftreten und deine Körpersprache können die gängigen Chatbots nicht beurteilen.

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8. Merken die Rekrutierenden der Lehrbetriebe, wenn ein Dossier von einer KI geschrieben worden ist?

Viele HR-Verantwortliche sind überzeugt, dass sie das erkennen – spätestens dann, wenn sich eine Person im Bewerbungsgespräch ganz anders ausdrückt als in der Bewerbung. Stellvertretend für Lehrbetriebe erklärt das Inselspital Bern, dass Bewerbende, die KI-Anwendungen nutzen, um ihre Unterlagen sprachlich zu strukturieren oder zu optimieren, zeigen, dass sie mit solchen Werkzeugen sinnvoll umgehen können. Entscheidend ist auch bei KI-unterstützten Bewerbungen, dass sie den Menschen dahinter treffend abbilden. Ein Dossier, das sprachlich weit über dem Wortschatz des Bewerbers formuliert ist, tut das nicht.

In Zusammenarbeit mit:

den Berufsberatungsstellen Aargau, St.  Gallen und Luzern sowie dem Inselspital Bern: