4 fantastische Hörmedientipps für Kinder und Jugendliche
Hörmedien bringen viel Abwechslung in den Medienalltag von Kindern. Eltern finden diese Freizeitgestaltung völlig in Ordnung, da sie ohne Bildschirme auskommt. Auch bewähren sie sich als überbrückendes Medium, wenn Kinder eine Pause von ihren Smartphones, Computern und TV-Geräten einlegen sollen.
In Zeiten sinkender Aufmerksamkeitsspanne können Geschichten zum Hören bekanntlich die Konzentration fördern und den Sprachschatz erweitern. Und wer weiss, vielleicht dienen spannende Hörbücher besonders Lesemuffeln als Türöffner, um dann auch selbst zu lesen.
Hörgeschichten vermitteln Kindern ein Gefühl der Geborgenheit – besonders, wenn sie sich allein im Zimmer aufhalten.
Aus Sicht der Kinder bietet diese Medienform noch weitere Vorteile: Hörgeschichten vermitteln ihnen das Gefühl der Geborgenheit – besonders, wenn sie sich allein in ihrem Zimmer aufhalten. Dabei entstehen beim Zuhören Bilder in ihren Köpfen, obwohl sie zur gleichen Zeit auch malen oder spielen. Ist die Geschichte am Ende angelangt, kann sie weitergesponnen oder nachgespielt werden. Wir stellen vier aktuelle Neuerscheinungen vor.
1. Tipp: Heavysaurus: Metal
Die Band Heavysaurus ist ein Phänomen, das bereits jüngste Kinder begeistert und auch Zehn- und Elfjährigen gefällt. Einerseits liegt das daran, dass die vier Profimusiker in aufwendigen Dinosaurier- und Drachenkostümen auftreten, andererseits, dass sie so schön krachige Heavy-Metal-Musik für Kinder (ja, richtig gelesen) spielen.
Spätestens seit dem Song «Pommesgabel» hat sich die Band eine grosse Fanbase erspielt. Die neue Platte heisst «Metal». Aber keine Sorge, während die Gitarren mächtig aufjaulen, ist die Musik mit ihren treibenden Rhythmen recht eingängig. Die deutschen Texte sind gut verständlich und auf die Zielgruppe ausgerichtet.
In «Das weltbeste Versteck» zum Beispiel geht es um ein Baumhaus und der Refrain lautet: «Kletter rauf, kletter rauf, denn hier spürt uns keiner auf». Der Song «Kuhglocke, Go!» kommt logischerweise nicht ohne das gleichnamige Instrument aus. Immer alles sehr melodisch. «Pattaja Hai» besitzt sogar Hit-Qualität. Die Band findet gerade bei jenen Eltern zahlreich Anklang, die in ihrer Jugend nicht auf Schlagermusik standen.
2. Tipp: Ferdinand von Schirach: Alexander
Der Bestsellerautor Ferdinand von Schirach dürfte erwachsenen Leserinnen und Lesern bestens bekannt sein. Seine Bücher, die zum Teil auch verfilmt wurden, befassen sich mit gesellschaftskritischen Themen wie Gerechtigkeit und Schuld. «Alexander» ist sein erstes Kinderbuch – und ein recht bemerkenswertes. Die Hörfassung liest er in seinem typisch präzisen Ton selbst.
Die Geschichte spielt in der antiken Stadt Kaliste. Der dort herrschende König hatte einen Krieg angezettelt, der die halbe Stadt zerstörte und vielen Menschen das Leben kostete. Nachdem die Bürgerinnen und Bürger den König mitsamt seinen Ministern verjagt haben, stehen sie nun vor der Frage, wie sie künftig zusammenleben können, ohne erneut unter die Herrschaft eines Tyrannen zu geraten.
Die Story der Pinguininsel sorgt für Überraschungen und ist ein musikalisches Fest.
Die Antwort lautet: Sie benötigen dazu gerechte Gesetze. Dummerweise stellen aber alle in Frage kommenden Kandidaten ihre eigenen Bedürfnisse voran. Darum fällt die Wahl auf den Jungen Alexander. Das Kind eines Tuchhändlers gilt als unschuldig und ist nicht wie die Erwachsenen auf den eigenen Vorteil bedacht.
Er zieht umher und spricht mit verschiedenen Personen, um von ihnen zu erfahren, wie sie sich eine gerechte Demokratie vorstellen. «Alexander» klingt mal märchenhaft, mal philosophisch, ist aber für die junge Zielgruppe ab zehn Jahren nie abgehoben. Wird es in der Familie gemeinsam gehört, können wunderbare Gespräche entstehen.
3. Tipp: Nepomuk & der Rabel: Die Pinguininsel
Dieses musikalische Hörspiel ist so besonders, dass wir es hier vorstellen, obwohl es sich an jüngere Kinder bis acht Jahre richtet. Im ersten Teil geht es um den Jungen Nepomuk, der sich um einen verletzten Vogel namens Rabel kümmert. Der zweite Teil behandelt den Winter. Die Musiker und Musikpädagogen Annika und Martin Bosch erzählen die Geschichte und begleiten sie mit traumhaften Liedern.
Der nun erschienene dritte Teil «Die Pinguininsel», der durch eine Crowdfunding-Aktion finanziert wurde, ist der anspruchsvollste. Denn für die musikalische Begleitung konnte die Staatskapelle des Deutschen Nationaltheaters Weimar mit grossem Orchester gewonnen werden. Das verleiht den Aufnahmen eine Spannung und eine Opulenz, der man sich nur schwer entziehen kann.
Die Geschichte spielt auf der Pinguininsel in Namibia, wobei offen bleibt, ob es sich um eine tatsächliche Erzählung oder einen Traum handelt. Die musikalische Reise beginnt mit einem Flug über die Wüste und führt zu den Pinguinen.
Die Helden können gerade noch verhindern, dass diese von einem hungrigen Seebär gefressen werden. Der bleibt traurig zurück und klagt: «Ich bin ein Seebär. / Ich hab’ kein Bock mehr. / Mein Magen ist leer. / Das Leben ist unfair!» Die Story sorgt immer wieder für Überraschungen und ist vor allem ein musikalisches Fest. Dieses Hörspiel gibt es als CD oder zum Download im Eigenverlag. Das Booklet führt die Liedtexte auf.
4. Tipp: Marie-Aude Murail: Über kurz oder lang
Louis ist 14 Jahre alt und kommt nicht gut mit der Schule zurecht. Mathe, Französisch und Deutsch machen ihm besonders zu schaffen. Als die Schülerinnen und Schüler seiner Klasse einen Praktikumsplatz finden sollen, besorgen ihm die Eltern eine Stelle beim Hörfunk.
Doch darauf hat Louis überhaupt keine Lust. Er möchte stattdessen das Praktikum unbedingt in einem Coiffeursalon machen. Natürlich sind die Eltern wenig begeistert von seiner Wahl, allen voran sein Vater, dem als Chirurg ein angesehenerer Beruf für seinen Sohn lieber wäre.
Die Geschichte ab 12 Jahren ermutigt Jugendliche, mehr Vertrauen in ihre Neigungen zu haben.
Aber Louis setzt sich durch. Er entwickelt eine so grosse Freude an der Arbeit, dass er sich sogar Ausreden einfallen lässt, um länger als nur eine Woche im Salon verbringen zu können. Der Schwindel fliegt auf, aber der Schuldirektor hat eine rettende Idee.
Die Geschichte ab 12 Jahren ermutigt Jugendliche, mehr Vertrauen in ihre Neigungen zu haben. Dieser witzige, atmosphärisch dichte und hochgelobte Coming-of-Age-Roman ist bereits vor Jahren in Buchform erschienen und kam im April 2026 als Hörbuch heraus. Sprecher Johannes Quester liest so, dass man die vierstündige Geschichte am Stück hören möchte.
Tipp: Die vorgestellten Titel gibt es alle als Audio-CD. Viele Bibliotheken bieten solche kostenlos zum Verleih an. Mit Ausnahme der beiden neuesten Episoden von «Nepomuk» können die vorgestellten Titel mit einem entsprechenden Abonnement auch auf der Streamingplattform Spotify angehört werden.







