«Wenn andere von Instagram oder Snapchat reden, denke ich: Für was ist das überhaupt?»

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Noe, 13, darf kein Social Media nutzen, findet aber, ihm fehle es an Nichts. Der Sekundarschüler hat das Tourette-Syndrom und ADHS. Seine Eltern haben auch schon Kurse besucht, um zu lernen, was ein Handy mit Kindern und ihrem Gehirn machen kann.
Aufgezeichnet von Florin Schranz

Bild: Adobe Stock

Mein erstes eigenes Handy habe ich erst zum Start der Oberstufe bekommen. Vorher hatte ich gar keins, höchstens ein altes Notfall-Handy, das ich mit meiner Schwester geteilt habe. Damit konnte man eigentlich nur telefonieren.

Social Media habe ich nicht – kein Instagram, kein Tiktok. YouTube hatte ich eine Zeit lang, aber das habe ich inzwischen wieder deinstalliert, weil es mir ein bisschen verleidet ist. Shorts finde ich sowieso meistens langweilig.

Klar, ohne Begrenzungen wäre es schon cool, aber ich glaube, es wäre auch nicht gesund, weil ich dann wahrscheinlich die ganze Zeit dran wäre.

Am Handy spiele ich manchmal Games, aber dafür habe ich klare Begrenzungen. Bei einem Spiel sind es zum Beispiel 20 Minuten, bei anderen Apps vielleicht zehn oder fünfzehn Minuten. Unbegrenzt habe ich eigentlich nur WhatsApp und Spotify, weil ich dort Musik oder Podcasts höre.

Wenn mir langweilig ist oder schlechtes Wetter ist, bin ich vielleicht mal etwa eine Stunde am Tag am Handy, aber meistens weniger. Meine Eltern haben diese Limits eingestellt. Manchmal nervt das schon – zum Beispiel wenn ich in einem Spiel gerade noch etwas fertig machen will und plötzlich die Zeit abläuft.

Noe stört es nicht, dass er Social Media nicht nutzen darf.
Noe stört es nicht, dass er nicht auf den sozialen Medien ist.

Aber eigentlich kann ich damit gut leben. Ohne diese Regeln wäre ich wahrscheinlich viel länger am Handy. Klar, ohne Begrenzungen wäre es schon cool, aber ich glaube, es wäre auch nicht gesund, weil ich dann wahrscheinlich die ganze Zeit dran wäre.

Social Media vermisse ich eigentlich nicht. Wenn andere davon reden, was sie alles auf Instagram oder Snapchat gesehen haben, denke ich oft: Für was ist das überhaupt? Dort posten doch alle nur irgendwelche Storys, die eigentlich niemanden wirklich interessieren. Mich nervt eher, wenn Leute dauernd ihr Handy hervornehmen, um schnell ein Foto zu machen, während man eigentlich miteinander redet.

In meiner Freizeit bin ich viel draussen. Ich spiele vor allem Fussball, gehe biken oder mache anderen Sport. Fussball ist mir wichtig, und ich bin Fan von Cristiano Ronaldo. Messi finde ich auch gut, aber Ronaldo ist für mich trotzdem der Beste. In der Schweiz bin ich Fan vom FC Thun. Wenn sie verlieren, ärgere ich mich manchmal schon.

Gamen darf ich insgesamt drei Stunden pro Woche, egal ob am Computer oder am Handy. Meistens teile ich mir das so ein, dass ich zum Beispiel am Montag eine Stunde spiele, vielleicht am Dienstag auch noch einmal. Wenn die Zeit aufgebraucht ist, weiss ich: Jetzt muss ich etwas anderes machen. Dann treffe ich mich zum Beispiel mit jemandem oder gehe raus.

Manchmal werde ich nervös oder überfordert, wenn zu viele Sachen gleichzeitig anstehen.

In der Schule komme ich eigentlich gut klar. Meine Noten sind etwa bei 5,5. Später würde ich gerne Automechaniker lernen. Ich habe ADHS und auch Tourette. Manchmal werde ich nervös oder überfordert, wenn zu viele Sachen gleichzeitig anstehen. Dann hilft es mir, kurz eine Pause zu machen und danach weiterzuarbeiten oder mir zu überlegen, was gerade am wichtigsten ist. Wenn ich weiss, wie eine Aufgabe funktioniert, kann ich mich eigentlich gut darauf konzentrieren.

Vor dem Schlafen bin ich meistens nicht mehr lange am Handy. Manchmal spiele ich noch etwas, aber eher mit Spielsachen oder baue etwas mit meinen Modellflugzeugen. Dann gehe ich ins Bett. Insgesamt finde ich die Regeln mit dem Handy eigentlich okay. Sie helfen mir, dass ich nicht zu viel Zeit damit verbringe.