Kinderfotos sind privat
Mediennutzung

Kinderfotos sind privat

Warum es keine gute Idee ist, Fotos von seinen Kindern zu posten, erklärt unser Medienexperte Thomas Feibel. 
Text: Thomas Feibel
Illustration:
Petra Dufkova / Die Illustratoren
Ich habe es getan. Ich habe meine Tochter fotografiert und das Bild gepostet. Damals war sie 14 Jahre alt. In der Schule nahm sie am Projekt «Herausforderung» teil: Zwei oder mehr Schülerinnen und Schüler planten selbständig eine dreiwöchige Reise, traten sie an und mussten alle Probleme alleine bewältigen. Das Foto, das ich bei ihrer Abreise machte, zeigte sie nur von hinten. Mehr als ein riesiger Rucksack und zwei dünne Beine waren eigentlich nicht zu sehen. Warum hatte ich das gepostet? Ich musste an diesem Tag lernen, loszulassen. Diesen bangen Moment wollte ich auf Facebook teilen und erhielt prompt viele Likes und aufmunternde Kommentare. Das Foto würde ich jederzeit wieder machen, aber nicht mehr posten – und ich erkläre gerne, warum.

Wozu posten wir überhaupt?

Soziale Netzwerke im Internet befriedigen die gleichen Bedürfnisse wie soziale Netzwerke im echten Leben. Sie erfüllen nämlich unseren urmenschlichen Wunsch nach Beziehung. Im Netz fällt das oft leichter, weil es dort gelingt, Menschen nah an sich heranzulassen und sie dabei gleichzeitig auf Distanz zu halten. 
Soziale Netzwerke erlauben uns zudem, am Leben anderer Menschen teilzunehmen – obwohl das nie natürlich, sondern auch stets eine Inszenierung ist: Wir wollen bewusst etwas zeigen, und nicht nur bloss zeigen, sondern dabei auch die Kontrolle darüber behalten, was und wie wir es darstellen. Das kann ein philosophischer Gedanke, eine politische Äusserung oder eben ein Kinderfoto sein. Ganz gleich, was es auch ist: Wir wollen eine Reaktion darauf, bestenfalls Applaus, um uns gut oder bestätigt zu fühlen. 
Wenn wir im Netz etwas posten, wollen wir eine Reaktion darauf, bestenfalls Applaus, um uns gut und bestätigt zu fühlen.
Dabei verdrängen die meisten, dass jedes Posting immer auch verschiedene Ebenen hat: Was wir zu zeigen meinen, ist nicht zwangsläufig das, was andere darin sehen. Das gepostete Bild eines 13-Jährigen etwa, der beim Wettrennen gewonnen hat, mag auf Eltern mit einem übergewichtigen und unsportlichen Gleichaltrigen eine vollkommen andere Wirkung haben. 
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