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«Ich bin so schlecht in Französisch»

Lesedauer: 4 min

«Ich bin so schlecht in Französisch»

Mehmet, 14, kommt mit Französisch einfach nicht zurecht. Egal, wie sehr er sich anstrengt. Nun macht der Oberstufenschüler sich Sorgen um seine anstehenden Bewerbungen. Das sagt unsere Expertin.
Text: Sarah Zanoni

Bild: Adobe Stock

«Frag doch mal Sarah!»

Egal, was ich mache, ich bin in Französisch total schlecht. Mein Lehrer denkt, dass ich einfach nur faul bin und nicht lerne. Aber das ist nicht wahr! Ich versuche, mir die Wörter einzuprägen, aber es klappt einfach überhaupt nicht. Wegen der blöden Französischnote wird mein Notendurchschnitt runtergezogen. Und das ist eine Katastrophe für meine Bewerbungen. Ich möchte Zimmermann werden.
Mehmet, 14

Lieber Mehmet
Das Erlernen einer Fremdsprache ist keine leichte Sache. Und so wie dir geht es sehr vielen Schülerinnen und Schülern an unseren Schulen. Entweder tun sie sich schwer in Deutsch, Französisch oder Englisch – oder gleich in mehreren Sprachen gleichzeitig. Aber das kommt meist nicht ohne Grund. 

Zwar lernt jedes Kind von klein auf fast wie von selbst seine Muttersprache. Ohne Schulbücher zu bearbeiten und ganz ohne Wörter auswendig zu lernen. Viele Kinder lernen sogar noch eine zweite Sprache so ganz nebenbei – zum Beispiel, wenn sie von einem anderen Land in die Schweiz gezogen sind oder ihre Eltern zuhause nur in ihrer Muttersprache reden. Durch das Spielen mit anderen Kindern, im Kindergarten und in der Schule wird die deutsche, beziehungsweise schweizerdeutsche Sprache nach und nach aufgenommen und angewandt.

Englisch oft geläufiger

Das alles ist eine wahnsinnig grosse Leistung und jedem, der das in seiner Kindheit erlebt, sollte mal ein grosses Lob ausgesprochen werden! Da ist es kein Wunder, wenn man nicht auch noch eine zweite und dritte Fremdsprache so «easy» lernen kann.

Aber auch Jugendliche, die als Muttersprache Deutsch sprechen, haben zum Teil grosse Mühe mit Französisch oder Englisch. Beim Englisch klappt es meist besser, da wir in unserer Gesellschaft häufig englische Begriffe gebrauchen. Zum Beispiel beim Smalltalk, auf Social Media oder beim Gamen.

Analyse deiner persönlichen Motivation in Französisch

  1. Du hast bisher kaum positive Erlebnisse und Erfolge in Französisch sammeln können. Eine schlechte Note nach der anderen hilft leider nicht, um sich künftig voll dahinter zu klemmen, stimmts? 
  2. Dein Lehrer glaubt nicht an dich. Er kennt dich ausschliesslich als schlechten Französisch-Schüler und hat sich seine Meinung über dich gebildet. Ihn vom Gegenteil zu überzeugen, wird nicht leicht sein. 
  3. Deine bisherigen Lernstrategien haben kaum gefruchtet. Aber da kann ich dir gerne weiterhelfen (siehe weiter unten im Text).
  4. Und nicht zuletzt: dein Berufswunsch Zimmermann. Ich finde es super, dass du schon so klar bist mit deiner beruflichen Zukunft. Wie du vielleicht bereits weisst, wirst du in der Berufsschule deiner Branche kein Französisch haben. Deshalb ist es bestimmt kein Drama, wenn du in diesem Fach nicht brillant bist. Und trotzdem möchtest du mit einer genügenden Gesamtnote deine Schulzeit beenden. Das spricht für dich und dein Verantwortungsgefühl – Kompliment! 

5 Lernstrategien für Französisch oder eine andere Fremdsprache

1. Die sieben Zwerge

Der Mensch kann sich durchschnittlich nicht mehr als sieben Wörter aufs Mal merken. Deshalb: Lerne immer nur sieben Wörter. Mach eine grössere Pause, lerne die nächsten sieben Wörter und so weiter.

2. Farbe und Symbol

Dein Gehirn kann besser lernen, wenn du Wörter mit Farben und Symbolen verbindest. Symbole sind kleine Bilder, die dich an das Wort erinnern. Zum Beispiel beim Wort «der Apfel» – «la pomme» kannst du einen Apfel zeichnen.

Schau deine Lieblingsfilme auf Französisch. Da du sie bereits kennst, verstehst du vieles und saugst unbewusst die Aussprache auf.

Schreib auf eine weisse Karteikarte das französische Wort auf die Vorderseite, das deutsche auf die Rückseite. Verwende dazu einen farbigen Stift, zum Beispiel in Grün. Zeichne zum französischen Wort das Symbol Apfel, ebenfalls in Grün. 

3. Bewegtes Lernen

Wer sich beim Lernen bewegt, befördert mehr Sauerstoff ins Gehirn, was die Konzentrationsfähigkeit erhöht. Egal, ob du herumläufst, einen Ball wirfst, Kaugummi kaust – Hauptsache du bewegst dich.  

4. Karteikarten im Raum

Hänge deine Karteikärtchen mit den farbigen Wörtern und Symbolen im Zimmer auf. Gehe anschliessend herum und präge dir die Wörter ein. Sprich sie laut vor, damit die Information über dein Ohr ins Gehirn dringt. Wenn die Apfel-Karte am Türrahmen hängt, wirst du dich beim Test daran erinnern.

5. Spass beim Lernen

Schau deine Lieblingsserien und -filme in französischer Sprache. Da du sie bereits kennst, fällt es dir leichter, die Dinge zu verstehen. Ausserdem saugst du die Aussprache und den Singsang des Französischen unbewusst auf.

Ich empfehle dir, nur für diejenigen Wörter, die du dir nicht gut merken kannst, eine Karteikarte zu machen. Auch wenn dir diese Methode aufwendig erscheint – bitte probiere sie aus, ich bin mir sicher, dass du damit besser werden kannst.

Viel Freude bei deinen künftigen Erfolgen in Französisch! 

Frag doch mal Sarah

In unserer Rubrik «Frag doch mal Sarah» beantwortet Jugendcoach Sarah Zanoni Fragen von Kindern und Jugendlichen.
Hast du auch eine Frage, die du ihr gerne stellen würdest? Dann sende eine E-Mail an online@fritzundfraenzi.ch oder kontaktiere uns auf unseren Social-Media-Kanälen.