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«Ich habe richtig Angst vor meinem Schulweg»

Lesedauer: 4 min

«Ich habe richtig Angst vor meinem Schulweg»

Zwei Sechstklässlerinnen lauern Dana, 10, regelmässig auf dem Schulweg auf und drohen ihr. Sie weiss sich nicht zu helfen und sucht Rat bei unserer Expertin.
Text: Sarah Zanoni

Bild: Adobe Stock

«Frag doch mal Sarah!»

Ich habe richtig Angst vor meinem Schulweg, weil mir da immer zwei Mädchen aus der 6. Klasse auflauern. Manchmal sagen sie fiese Dinge zu mir, aber oft sagen sie gar nichts, sondern schauen mich nur an, flüstern miteinander und lachen dann ganz laut. Danach rennen sie weg. Einmal drohten sie mir, dass ich mich bloss vor ihnen in Acht nehmen solle, sonst passiere etwas. Ich habe schon einen Umweg genommen, aber der dauert zu lange. Ich traue es nicht, jemandem zu sagen. Sie werden mir sonst etwas antun. 
Dana, 10 

Liebe Dana 

Ich kann mir gut vorstellen, wie belastend dein Schulweg für dich ist. Du bist dann ja immer voller Angst und Anspannung. So sollte ein Schulweg nicht sein! Du sagst zwar nicht, wie lange das schon so geht, aber es sollte definitiv baldmöglichst aufhören. Das, was die beiden älteren Mädchen da tun, ist nicht okay. Lass uns einen Weg finden, wie du sie stoppen kannst.

Das Wichtigste, was du jetzt tun solltest, ist, deinen Eltern alles zu erzählen. Die beiden Mädchen werden das nicht erfahren. Oder jedenfalls nicht sofort. Aber es ist absolut nötig, dass dir Erwachsene helfen, die Situation zu verändern.

Du kannst nichts dafür! Sie haben dich zum Opfer gewählt – und das darf nicht so weitergehen. 

Eine Form von Mobbing

Was die beiden Schülerinnen hier tun, ist eine Form von Mobbing. Sie plagen dich bestimmt schon eine ganze Weile, indem sie sehr strategisch vorgehen. Ihre Fiesheiten richten sich immer und immer wieder gegen dich. Ohne dass du irgendetwas falsch gemacht hättest. Du kannst nichts dafür! Sie haben dich zum Opfer gewählt – und das darf nicht so weitergehen. 

Zusammen mit deinen Eltern solltest du überlegen, wen ihr alles in die Sache einweihen wollt. An jeder Schule gibt es eine/n Schulsozialarbeiter/in. Diese Person hat eine Schweigepflicht und darf nichts weitererzählen, was du und deine Eltern ihr anvertrauen – ausser, ihr seid damit einverstanden. Aber sie ist ausgebildet, um genau für solche Problemen Lösungen zu finden.

Hilfe holen

Ihr könnt es auch deiner Lehrperson sagen und vielleicht sogar der Schulleitung. Der Schulweg liegt leider nicht direkt in der Verantwortung der Schule. Trotzdem wird die Lehrperson, die Schulleitung oder die Schulsozialarbeit dein Problem verstehen und dir zu helfen versuchen. 

Falls du befürchtest, dass die beiden Mädchen dich noch schlimmer quälen würden, wenn sie merken, dass du darüber geredet hast, dann solltest du dir Folgendes überlegen: 

  • Sie haben dir gedroht, dass etwas passiert, wenn du es erzählst. Das zeigt, dass sie selbst grosse Angst davor haben, dass das Mobbing herauskommt und sie Konsequenzen zu spüren bekämen. 
  • Sie sind Sechstklässlerinnen und gehen auf ein jüngeres Kind los – das zeigt schon mal, wie feige sie sind.  
  • Eigentlich sind sie die Angsthasen und benutzen dich, um sich besser zu fühlen. 

Sobald du mit deinen Eltern geredet und die Schule auch informiert hast, wird es wahrscheinlich zu einem Gespräch mit den beiden Mädchen kommen. Die beiden werden dann erkennen, dass man jetzt von ihren Taten weiss. Und dass es Konsequenzen haben wird, wenn sie dich noch ein weiteres Mal plagen würden.  

Mobbingtäterinnen hören nicht auf, bis man sie richtig stoppt.

Wehr dich!

Das Wichtigste ist, liebe Dana, dass du dich wehrst! Lass nicht zu, dass andere Menschen dich so in Angst und Schrecken versetzen. Vielleicht hast du das noch nicht gewusst, aber Mobbingtäter/innen hören nicht auf, bis man sie richtig stoppt. Und dafür brauchst du die Hilfe der Erwachsenen. Und zwar bald. Du möchtest die nächsten Schuljahre ja nicht voller Angst sein, oder?

Ich würde mich sehr für dich freuen, wenn du es schaffst, deine Ängste zu überwinden und diese beiden Täterinnen zu stoppen. Sich erfolgreich wehren zu können, ist eine sehr wertvolle Erfahrung und bleibt dir für dein ganzes Leben erhalten. 

Und für die Zukunft wäre es natürlich schön, wenn du nicht mehr alleine zur Schule gehen müsstest. Gibt es andere Schulkinder, die denselben Weg gehen wie du? Falls du sie persönlich kennst, versuche, dich ihnen anzuschliessen. So wärst du nicht mehr allein unterwegs. Das ist nicht nur sicherer, sondern macht auch mehr Spass. 

Viel Erfolg! 

Frag doch mal Sarah

In unserer Rubrik «Frag doch mal Sarah» beantwortet Jugendcoach Sarah Zanoni Fragen von Kindern und Jugendlichen.
Hast du auch eine Frage, die du ihr gerne stellen würdest? Dann sende eine E-Mail an online@fritzundfraenzi.ch oder kontaktiere uns auf unseren Social-Media-Kanälen.