«Hilfe, unser Sohn will sich vegan ernähren!»

Es wäre ziemlich aufwendig, jeweils separat für ihn zu kochen. Vielleicht finden Sie aber für die gängigsten Gerichte Ihrer Familienküche einen Kompromiss mit Ihrem Sohn (z. B. vegane Beilagen, Saucen separat bereitstellen usw.) Für diesen zusätzlichen Aufwand haben Sie als Eltern auch ein wenig Entlastung verdient: Wie wäre es, wenn Ihr Sohn einmal pro Woche einkauft und für die Familie ein veganes Menü kocht? Vielleicht können Sie vegane Gerichte, die allen schmecken, in Ihr Repertoire aufnehmen. Dabei wird sich mit der Zeit auch zeigen, wie ernst ihm sein Anliegen ist.

Das Problem kenne ich. Meine Tochter hatte auch eine vegane Phase. Mir scheint, das ist der heutige Ersatz für die Abgrenzung via Punkfrisur. Ich habe ihr gesagt, dass ich durchaus bereit bin, vegane Lebensmittel zu kaufen, aber dass ich keine Zeit habe, daraus köstliche Menüs zu zaubern – das müsse sie schon selber tun. Das hat sie auch getan. Aber nicht sehr lange. Heute ist sie Vegetarierin. Das ist weniger zeitraubend und gesellschaftskompatibler.

Entweder ist eine Mahlzeit vegan (oder halal oder koscher), oder sie ist es eben nicht. Insofern eignet sich vegane Ernährung schlecht für Kompromisse. Der Wunsch Ihres Sohnes ist legitim; aber ebenso legitim ist Ihre Abneigung, sich entweder seinen Ernährungsvorstelungen ganz anzuschliessen oder für ihn separat zu kochen. Ein Minimalkompromiss könnte so aussehen: Sie kaufen ein veganes Kochbuch, Ihr Sohn muss sich ein paar Sachen selber zubereiten und sich mehr am Einkauf beteiligen (ich meine nicht finanziell), und sie selber versuchen, vegane Teilmahlzeiten in Ihre Menüs einzubauen. Vielleicht funktioniert dieses Patchwork-Prinzip.

