Wir erzählen: «Der perfekte Zeitpunkt für ein Kind ist, wenn man spürt, dass man dieses selbst möchte»
Familienleben

Wir erzählen

«Der perfekte Zeitpunkt für ein Kind ist, wenn man spürt, dass man dieses selbst möchte»

Valérie Sigrist, 47, und Thomas ­Engelbrecht, 49, haben lange ­versucht, Eltern zu werden. Erst durch eine künstliche Befruchtung wurde Valérie schwanger. Heute ist ihr gemeinsamer Sohn Rick 7. ­Thomas hat noch einen Sohn, 22, und eine Tochter, 14, aus erster Ehe.
Text: Yvonne Kiefer-Glomme 
Bilder: Joël Hunn
Thomas: «Mit meiner ersten Frau habe ich mich dem gesellschaftlichen Druck in unserer niederbayerischen Gemeinde ergeben und bin bereits mit 27 Vater geworden. Als ich meine jetzige Lebenspartnerin Valérie kennenlernte, warf sie schon bald sehnsüchtige Blicke in die Kinderwagen fremder Mütter. Nachdem wir fünf Jahre lang vergeblich versucht hatten, Eltern zu werden, überredete ich sie zu einer künstlichen Befruchtung und wir konnten, sie mit 39 und ich mit 42, endlich unseren gemeinsamen Sohn Rick in den Armen halten.

Das Fussballspielen mit Rick hat mich anfangs recht angestrengt, aber jetzt trainiere ich die ­Kindermannschaft und bin wieder fit. Durch mein Alter und die Erfahrungen mit meinen ersten beiden Kindern bin ich heute gelassener. Wenn Rick etwa Fieber hat, fahren wir nicht gleich zur Notaufnahme. Dennoch ist es manchmal eine mentale Belastungsprobe für mich, zum Beispiel wenn er sich anziehen soll und ich nach drei Minuten immer noch mit seiner Jacke in der Hand dastehe und warte. Heute fehlt mir etwas die Geduld. Aber meine Frau ist geduldig, und so ergänzen wir uns.»
«Beim Elternabend bin ich eher bereit, für die Bedürfnisse der Kinder einzustehen, als manche der jüngeren Eltern.»
Valérie: «Nach der Sekundarschule habe ich eine Berufslehre gemacht, viel im Service gearbeitet und nachts in Diskotheken Musik aufgelegt. Dann fand ich meinen Traumjob und bin in die ­Computerbranche eingestiegen. Ich arbeitete sechs Jahre in einem Vollzeitpensum und lernte mit 31 Thomas kennen. Mit Mitte 20 zu heiraten und zwei Jahre später ein Kind zu bekommen, hätte für mich nicht gestimmt. Doch als ich Thomas kennenlernte, wuchs mein Kinderwunsch. Als ich ein Buch zur Schwangerschaft ab 35 und den damit verbundenen Risiken gelesen hatte, dachte ich: ‹Jetzt muss ich mich entscheiden, was mir wichtiger ist, Beruf oder Familie.› Ausserdem wollte ich noch fit sein für mein Kind. Eine Geburt mit 40 erschien mir zu spät. Leider hat es dann erst mit 39 geklappt. Hätte ich das geahnt, wäre ich schon früher für eine künstliche Befruchtung bereit gewesen. In meinem Umfeld hatte ich bisher keinerlei Probleme mit meinem Alter als Mutter. Ich sehe etwa zehn Jahre jünger aus und fühle mich auch so. Ich schätze die grössere Lebens­erfahrung und lasse mir keinen Druck mehr von aussen machen. Beim Elternabend bin ich eher bereit, für die Bedürfnisse der Kinder einzustehen, weil ich weniger schüchtern bin als manche ­jüngeren Eltern. Meiner Meinung nach habe ich bis 30 alles richtig gemacht, und das ist doch ein schönes Gefühl. Für mich ist der perfekte ­Zeitpunkt für ein Kind, wenn man spürt, dass man dieses selbst möchte, nicht weil man sich dazu gedrängt fühlt.»

<div>Dieser Artikel gehört zum <a href="https://www.fritzundfraenzi.ch/dossiers/spate-eltern"><strong>Online-Dossier Späte Eltern. </strong></a>Lesen Sie mehr zu Fragen, wie: Warum Frauen und Männer das Kinderhaben hinauszögern und was das für Erziehung und Familienleben bedeutet.</div>
Dieser Artikel gehört zum Online-Dossier Späte Eltern. Lesen Sie mehr zu Fragen, wie: Warum Frauen und Männer das Kinderhaben hinauszögern und was das für Erziehung und Familienleben bedeutet.

Lesen Sie mehr aus dem Dossier «Späte Eltern»:

  • Kinder haben wir später
    Reife Eltern sind gelassener, selbstsicherer – und zu alt, um mit ihren Kindern ­Abenteuer zu bestehen. Vorurteile wie diese über späte Eltern gibt es viele. Fakt ist: Das Elternwerden wird immer weiter ­hinausgezögert. Was bedeutet das für Erziehung und Familienleben?

  • «Die Freude überwiegt alle belastenden Aspekte»
    Simone Meyer, 48, und André ­Notter, 64, haben beide Kinder aus erster Ehe. Ihre gemeinsamen ­Kinder Melvin und Juna sind 13 und 11 Jahre alt. Mittlerweile leben ­Simone und André ebenfalls ­getrennt voneinander.

  • «Unsere Freunde und Bekannten sind zum Teil  schon Grosseltern»
    Susanne Wüthrich, 44, hat ihren Mann Daniel, 51, erst spät kennengelernt.  Mittlerweile hat sie mit ihm drei Kinder, Noel, 7, Anna, 4, und Emilie, 2.

  • «Mit manchen Jugendausdrücken tut sich meine Mutter schwer»
    Juna Meyer, 11, lebt mit ihrem ­Bruder Melvin bei ihrer Mutter ­Simone, 48. Jedes zweite ­Wochenende verbringen die beiden bei ihrem Vater André, der in diesem Jahr pensioniert wird.

Anzeige
0 Kommentare

Zugehörige Tags

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren

Diese Webseite nutzt Cookies. Cookies werden zur Benutzerführung und Webanalyse verwendet und helfen dabei, diese Webseite zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit unserer Cookie-Police einverstanden. Mehr Infos hier.