Wir erzählen: «Die Freude überwiegt alle belastenden Aspekte»
Familienleben

Wir erzählen

«Die Freude überwiegt alle belastenden Aspekte»

Simone Meyer, 48, und André ­Notter, 64, haben beide Kinder aus erster Ehe. Ihre gemeinsamen ­Kinder Melvin und Juna sind 13 und 11 Jahre alt. Mittlerweile leben ­Simone und André ebenfalls ­getrennt voneinander.
Text: Yvonne Kiefer-Glomme 
Bilder: Joël Hunn
Simone: «Dass ich eine ältere Mutter bin, war mir bisher nicht bewusst. Ich versuche möglichst viel mit meinen Kindern zusammen zu erleben. Jetzt sind es eher sie, die sagen: ‹Deine Exkursionen haben wir langsam gesehen.› Wir tanzen zur selben Musik im Wohnzimmer, auch wenn mir nicht jeder Song gleich gut gefällt wie ihnen. Für meine Kinder da zu sein, bereichert mein Leben; ich habe das Gefühl, ich mache etwas zutiefst Sinnvolles. Als späte Mutter schätze ich das Mehr an Lebenserfahrung. Ich bin heute gelassener und geduldiger als früher. Das hängt aber auch damit zusammen, dass ich früher selbständig war und heute eine feste Arbeitsstelle habe. Als die Kinder klein waren, eröffnete ich eine Naturarztpraxis im eigenen Haus und konnte die Sprechzeiten ihren ­Bedürfnissen anpassen. Später holte ich meine Dissertation nach, und jetzt mache ich meine Facharztausbildung fertig. Durch diese ­Mehrfachbelastung bin ich stärker gestresst und weniger belastbar als früher. Ich hatte sehr viel Glück, dass ich meine vier Kinder und meinen Beruf unter einen Hut bringen konnte. Gleichaltrige Frauen im Spital sind jetzt in ­Chefpositionen, während ich als späte Ärztin in Ausbildung eher noch am unteren Ende der ­Hierarchie stehe. Wenn ich nicht früh Mutter geworden wäre, sondern nur meine späten Kinder bekommen hätte, wäre das nicht der Fall.»
«Als späte Mutter schätze ich das Mehr an ­Lebenserfahrung. Ich bin heute gelassener und ­geduldiger als früher.»
André: «Ich habe unsere Patchworkfamilie und meine späte Elternschaft als Herausforderung gesehen und mich darauf eingestellt. Wenn Melvin und Juna heute alle 14 Tage von Freitag bis Sonntag bei mir sind, bin ich am Abend häufig sehr müde. Vor allem, wenn ich nach dem Unterricht wenig Freiraum für mich hatte oder Pausen fehlten, in denen ich an der frischen Luft sein konnte, und Juna mich morgens bereits um 7 Uhr weckt. Aber die Freude, die beide mir entgegenbringen, überwiegt alle belastenden Aspekte. Meine beruflichen Erfahrungen als Lehrer sowie das Durchstehen meiner Scheidung haben mich als Vater gelassener gemacht. Ich bin selbst­sicherer und ruhe in mir, weil ich nicht mehr von dem Gefühl getrieben bin, nicht gelebt zu haben. Da ich vital wirke und mir durch die Kinder ein jugendliches Wesen bewahrt habe, können sich viele nicht vorstellen, dass ich bereits dieses Jahr pensioniert werde. Nur wenn Melvin mich provozieren will, sagt er manchmal:  ‹Du bist wie ein Grossvater.› Vor sechs Jahren habe ich mit meinen Kindern noch gerne Fangen gespielt. Nun bin ich durch einen Meniskusschaden im Knie leider nicht mehr beweglich genug, um mit ihnen in einen Klettergarten zu gehen. Daher gehe ich lieber in die Seebadi Schwimmen mit ihnen oder wir machen ­Ballspiele.»

<div>Dieser Artikel gehört zum <a href="https://www.fritzundfraenzi.ch/dossiers/spate-eltern"><strong>Online-Dossier Späte Eltern. </strong></a>Lesen Sie mehr zu Fragen, wie: Warum Frauen und Männer das Kinderhaben hinauszögern und was das für Erziehung und Familienleben bedeutet.</div>
Dieser Artikel gehört zum Online-Dossier Späte Eltern. Lesen Sie mehr zu Fragen, wie: Warum Frauen und Männer das Kinderhaben hinauszögern und was das für Erziehung und Familienleben bedeutet.

Lesen Sie mehr aus dem Dossier späte Elternschaft:

  • Kinder haben wir später
    Reife Eltern sind gelassener, selbstsicherer – und zu alt, um mit ihren Kindern ­Abenteuer zu bestehen. Vorurteile wie diese über späte Eltern gibt es viele. Fakt ist: Das Elternwerden wird immer weiter ­hinausgezögert. Was bedeutet das für Erziehung und Familienleben?

  • «Mit manchen Jugendausdrücken tut sich meine Mutter schwer»
    Juna Meyer, 11, lebt mit ihrem ­Bruder Melvin bei ihrer Mutter ­Simone, 48. Jedes zweite ­Wochenende verbringen die beiden bei ihrem Vater André, der in diesem Jahr pensioniert wird.

  • «Unsere Freunde und Bekannten sind zum Teil  schon Grosseltern»
    Susanne Wüthrich, 44, hat ihren Mann Daniel, 51, erst spät kennengelernt.  Mittlerweile hat sie mit ihm drei Kinder, Noel, 7, Anna, 4, und Emilie, 2.

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