Selbstbewusstsein: Das starke Kind
Entwicklung

Selbstbewusstsein: Das starke Kind

Wir alle sehnen uns danach, vorbehaltlos ­angenommen und geliebt zu werden. Dieses ­Gefühl ist die Basis für unser Selbstbewusstsein, das in der Kindheit entsteht. Schwächelt es, kann dies später Lebenschancen verbauen, ­Beziehungen erschweren und sogar die Gesundheit gefährden. Doch wie wird ein Kind selbstbewusst? Welchen Einfluss haben ­Eltern und Schule?
Text: Claudia Landolt 
Bilder: Alain Laboile
Wer kennt es nicht: Man steht morgens vor dem Spiegel, sieht ein neues Fältchen oder merkt, dass die Jeans ein bisschen enger geworden ist. Dann nörgelt das Kind am Frühstückstisch, weil der Lieblingspulli noch nicht gewaschen ist. Man hetzt auf den Bus, arbeitet die überquellende Mailbox ab, und im Büro sagt der Kollege: Oh, du siehst aber gehetzt aus heute!

Na super. Toller Morgen. Dankeschön.
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Wir interagieren mit anderen Menschen. Fiese Bemerkungen ­verletzen und positive Feedbacks freuen uns. Anerkennung ist ein Bestandteil unseres Selbstbewusstseins. Selbstbewusstsein ist wörtlich gesehen «das Bewusstsein seines Selbst». Einerseits also das Gefühl, wie man sich selbst einschätzt und bewertet: Wie sehe ich mich als Person? Kann ich etwas? Andererseits ist es der Vergleich mit anderen Menschen: Kann ich etwas besser? Wie beurteilen mich andere? Unser Selbst­bewusstsein hängt in grossen Teilen von den Antworten auf diese Fragen ab.

Wie wird mein Kind stark?

Wir verfügen über ein hohes Selbstbewusstsein, wenn wir viel über uns wissen und dieses Wissen möglichst korrekt ist, sagen die Psychologen Fabian Grolimund und Stefanie Rietzler. Streng genommen geht es dabei nicht um das Gefühl, sondern eher um eine Einstellung, die man sich selber gegenüber hat. Ein selbstbewusster Mensch kann gut einschätzen, wie er auf andere wirkt, weiss, wo er stark und wo eher schwach ist, er kennt seine Bedürfnisse und Ziele, kann seine Gefühle wahrnehmen und ausdrücken und die Gedanken nachvollziehen. Kritik wirft ihn nicht sofort aus der Bahn.
Wir verfügen über ein hohes Selbstbewusstsein, wenn wir viel über uns wissen und dieses Wissen möglichst ­korrekt ist.
Im Alltag empfinden wir selbstbewusste Menschen als mutig, kommunikativ oder stark. Ein gutes Selbstbewusstsein gilt als erstrebenswert, und so wünschen sich auch Eltern selbstbewusste Kinder. Sie möchten, dass ihr Selbstbewusstsein Kinder dazu befähigt, sich für «okay« zu halten, egal, was das Leben für sie bereithält. Doch wie entsteht dieses Selbstbewusstsein? Und wie kann es gefördert oder geschädigt und gegebenenfalls repariert werden?

Die Saat für unser Selbstbewusstsein wird in unserer frühen Kindheit gelegt. Die ersten Lebensjahre in der Entwicklung eines Menschen sind deshalb so wichtig, weil sich in dieser Zeit seine Gehirnstruktur mit ihren ganzen neuronalen Netzen und Verschaltungen herausbildet. Die Erfahrungen, die wir in dieser frühen Entwicklungsphase mit unseren nahen Bezugspersonen machen, graben sich tief in unser Gehirn ein.
 
Kinder sind existenziell darauf angewiesen, dass ihre Eltern sie bedingungslos lieben und auf ihre Bedürfnisse feinfühlig reagieren. Ob und wie diese Bedürfnisse nach grundsätzlicher Akzeptanz in unserer Kindheit gestillt werden, hat einen entscheidenden Einfluss darauf, wie wir später durchs Leben gehen. Am allerwichtigsten ist für Kinder die verlässliche und körperliche Nähe der Eltern, deren Für­sorge und unmittelbare Zuneigung. Das ist «das Ticket zum Überleben», sagt der Kinderarzt Herbert Renz-Polster.
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<div>Dieser Artikel gehört zum <a href="https://www.fritzundfraenzi.ch/dossiers/das-starke-kind"><strong>Online-Dossier </strong>«<strong>Das starke Kind</strong>»</a><a href="https://www.fritzundfraenzi.ch/dossiers/vater"><strong>. </strong></a>Mutig, kommunikativ, stark: So wünschen sich wohl alle Eltern ihr Kind. Doch was fördert und was behindert die Entwicklung dieses Selbstbewusstseins? <a href="https://www.fritzundfraenzi.ch/dossiers/das-starke-kind">Lesen Sie hier mehr zu diesem Thema.</a></div>
Dieser Artikel gehört zum Online-Dossier «Das starke Kind». Mutig, kommunikativ, stark: So wünschen sich wohl alle Eltern ihr Kind. Doch was fördert und was behindert die Entwicklung dieses Selbstbewusstseins? Lesen Sie hier mehr zu diesem Thema.

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