Elternbildung

Gute Manieren lernen ohne Druck

Anstand und gutes Benehmen sorgen für ein angenehmes Miteinander. Doch wie bringt man seinen Kindern Manieren bei? Und welche sollen das heute überhaupt noch sein?
Text: Anna Gielas
Bild: iStock
Im Bus sind alle Sitze belegt. Da steigt eine ältere Dame hinzu. Mit breitem Lächeln springt ein rund siebenjähri­ges Mädchen auf und bietet ihren Sitz an. Die ältere Dame lächelt hocherfreut zurück. Auch die ande­ren Gäste sind von den Manieren des Mädchens sichtlich begeistert.

Manieren sind auch heutzutage noch angesagt

Gutes Benehmen ist gern gese­hen. Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach mit Sitz am Bodensee hätten es die meisten Befragten den Fahrgästen übel­ genommen, wenn niemand im Bus aufgestanden wäre. Rücksicht auf die eigenen Mitmenschen zu nehmen ist nach wie vor eine zentrale Tugend in unserer Gesellschaft. Rücksichtsvoll zu sein bedeutet beispielweise nicht zu drängeln, nicht übertrieben laut aufzutreten, sein Gegenüber aus­sprechen zu lassen und zu einer Ver­abredung respektive einem Termin pünktlich zu erscheinen.

Die grosse Mehrheit der Bürge­rinnen und Bürger, rund 93 Prozent, legt gemäss der Umfrage Wert auf diese Verhaltensregeln. Und die restlichen 7 Prozent kommen nicht um sie herum. Denn, so die Kom­munikationsexpertin und Elternrat­geber-­Autorin Nandine Meyden: «Gute Umgangsformen sind grund­legende Spielregeln für das Mitein­ander in unserer Gesellschaft.»

Aber wie vermittelt man Kindern gutes Benehmen?

Eltern, die beim Stichwort «Manieren» an Strenge, Kindertränen und blanke Elternner­ven denken, können aufatmen: Das Gespür für ein gutes soziales Mitei­nander bekommen wir quasi in die Wiege gelegt. «Bereits 19 Monate alte Kleinkinder zeigen soziale Emotio­nen wie Empathie und Rücksicht, Zweijährige ein Bewusstsein dafür, ob ein Verhalten richtig oder falsch ist», wie Moritz Daum, Professor für Entwicklungspsychologie an der Universität Zürich, sagt. Und Drei­jährige können ihren sozialen Gerechtigkeitssinn verbal ausdrü­cken: Sie kritisieren beispielsweise eine Puppe in einem Spiel, wenn diese eine Regel bricht.

Das soziale Gespür sollte täglich gefördert werden

Kleinkinder besitzen ein beachtli­ches Bewusstsein für andere Men­schen. Für Eltern ist das eine wunderbare Grundlage, das soziale Gespür ihrer Kinder Tag für Tag zu fördern. Denn dieser charakterstär­kende Ansatz führt langfristig zu guten Umgangsformen und anderem wünschenswertem Verhalten wie Zivilcourage. Das fängt schon im Kleinen an.

Zum Beispiel indem Vater oder Mutter das Kind im Bus darauf auf­merksam machen, wenn es zu laut ist. Dabei erklärt er oder sie, dass die anderen Fahrgäste womöglich müde sind, Kopfschmerzen haben oder schlicht ihre Ruhe wünschen. So laden Eltern ihr Kind dazu ein, sei­nen Mitmenschen Aufmerksamkeit und Empathie zu schenken.

Dabei sollte man möglichst konsequent sein: Lässt man das Kind im Bus ein­mal laut sein, dann wieder nicht, lernt es nicht. Bleiben die Eltern möglichst jedes Mal konsequent und entschlossen, festigt sich das früh­ kindliche Gespür für rücksichtsvol­les Miteinander und kann mit der Zeit zu einer inneren Haltung werden – genau das ist das Ziel. «Schliesslich sind Manieren nur äusserliches Merkmal dieser inneren Haltung», so Nandine Meyden.
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Ein sozial aufmerksames und respektvolles Kind
 spürt, wann «Bitte» und «Danke» angemessen sind.
Einem sozial aufmerksamen und respektvollen Kind fallen Umgangsformen grundsätzlich leichter. Es drängelt sich nicht blind durch eine Menschenmenge, um als Erstes dranzukommen. Und es spürt, wann «Bitte» und «Danke» angemessen sind, die zwei elementarsten Formen eines fairen und respektvollen Miteinanders.

Ausserdem vermag ein gut ausgeprägtes Bewusstsein für die eigenen Mitmenschen noch mehr: Es kann den Nachwuchs schützen. Denn aufmerksam gegenüber anderen zu sein heisst bisweilen auch wachsam und vorsichtig zu sein. Ein Kind, das ohne Rücksicht auf seinen Dialogpartner plappert, kann einem Fremden unbedacht viel von sich und seiner Familie preisgeben. Hingegen hört ein aufmerksames Kind zu, stellt Fragen – und lotet aus, wen es vor sich hat.

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