Wie sicher ist ein Erstklässler auf dem Schulweg?
Erstklässler kennen vom Kindergarten das «Kindertrottoir» (die strassenabgewandte Seite des Trottoirs) und beherrschen das richtige Überqueren einer Strasse (mit dem bekannten «warte – luege – lose – laufe»). «Bei 6- und 7-Jährigen stellen die anderen Verkehrsteilnehmer die grösste Gefahr im Verkehr dar», erklärt Präventionsbeauftragte Thomas Schib von der Kinder- und Jugendinstruktion der Kantonspolizei Zürich. «Gerade Autofahrer sind sich nicht bewusst, welch wichtige Rolle sie im Zusammenhang mit Schulkindern spielen.»
Heisst das, dass der Schulweg noch einmal geübt werden soll?
Schulweg schon vom Kindergarten her. In der ersten Klasse können aber je nach Lage neue Orte hinzukommen. Vielleicht befindet sich der Hort an einem neuen Ort oder das Kind tritt den Heimweg von der Turnhalle aus an. Diese neuen Wege sollten spielerisch geübt werden. Vielleicht kann dieses Üben zum Anlass genommen werden, mit dem Kind gemeinsame 1:1-Zeit zu verbringen und kommende Träume oder Sorgen für den Start in der ersten Klasse zu besprechen. Der kürzeste Weg ist nicht immer der beste und je mehr feste Regeln, also Ampeln, Fussgängerstreifen usw. es hat, desto besser. Es empfiehlt sich, sein Kind mit weiteren Artikeln auszustatten, die einen Unfall vermeiden können, beispielsweise Lichtreflektoren an Kleidung oder Thek, und einem Velohelm.
Was tun, wenn das Kind nicht alleine laufen will?
Wenn ein Kind nicht alleine zur Schule oder heimlaufen möchte, sollten Eltern mit dem Kind darüber sprechen. Vielleicht wird es auf dem Schulweg gehänselt oder etwas erscheint ihm auf dem Schulweg unangenehm. Eine Lösung wäre, den Erstklässler wieder eine Weile zu Fuss zu begleiten und darauf zu achten, dass das Kind zum Schluss trotzdem eine bestimmte Strecke des Schulwegs alleine geht. Vielleicht findet sich ein neues Gschpänli und schon will es wieder alleine laufen.
Keine Lösung sind Eltern-Taxis, also Mütter oder Väter, die ihre Kinder per Auto vor das Schulhaus kutschieren.
Was, wenn einem der Schulweg unzumutbar erscheint?
Schulwege sind in der Schweiz im Durchschnitt weniger als 1,5 km lang, über 40 Prozent sind sogar kürzer als 400 Meter. In den meisten Fällen sollte den Kindern also zugemutet werden, den Schulweg zu Fuss zu meistern. Andernfalls ist die Schule verpflichtet, einen Schul- oder Pedibus zu organisieren. Bei stark befahrenen Strassen und Kreuzungen sind Lotsendienste oder Ähnliches im Einsatz. Keine Lösung sind Eltern-Taxis, also Mütter oder Väter, die ihre Kinder per Auto vor das Schulhaus kutschieren. Es ist wichtig für das Schulkind, den Schulweg alleine bewältigen zu können. Zudem sind manövrierende Autos vor dem Schulhaus eine Gefahr für andere Kinder.
Nicht nur der Verkehr, auch Konflikte mit anderen Kindern sind auf dem Schulweg ein Thema. Wie sollen Eltern reagieren?
Der Schulweg wie auch der Pausenplatz sind Orte für soziale Erfahrungen. Meinungsverschiedenheiten gehören dazu. Kommt ein Kind aber regelmässig in Bedrängnis, wird schikaniert oder kann den Konflikt nicht alleine lösen, dann können Eltern Unterstützung geben: Vielleicht nützt es, mit den involvierten Gschpänli und deren Eltern zu reden. Oder die Eltern suchen das Gespräch mit der Klassenlehrperson. Ein Kind hat das Recht, sich auch auf dem Hin- und Rückweg sicher zu fühlen. Fordern Sie dieses Recht ein.
Das Kind trödelt auf dem Schulweg und kommt zu spät zum Unterricht oder zum Zmittag. Was tun?
Was haben Trottis und Co. auf dem Schulweg zu suchen?
«Fahrzeugähnliche Geräte, kurz fäG, sind je nach Länge des Schulwegs, Können und Alter des Kindes eine klare Alternative zum Fussmarsch», sagt Thomas Schib. Er rät zur Vorsicht, denn für ihn sind die eigenen Füsse das sicherste Transportmittel. «Kleine Kinder sind oft viel zu schnell unterwegs auf ihren Velos oder Tretrollern, sie können noch nicht alles kombinieren und gleichzeitig reagieren.» Entwicklungsbedingt realisieren Kinder erst ab fünf bis sechs Jahren, was eine Gefahr ist. Und im Verkehr gilt: Lieber einmal zu viel die Vorsicht walten lassen.
Nicht zufrieden mit dem Schulweg?
Wenn Eltern den Schulweg ihrer Kinder unzumutbar finden, sollten sie zuerst das Gespräch mit der Schule suchen. Grundsätzlich sind die Eltern verantwortlich für den Schulweg. Und doch gibt es gewisse Richtlinien, nach denen ein Schulweg seiner Zumutbarkeit nach eingeordnet wird, und so können Schulen beispielsweise verpflichtet werden, einen Lotsendienst einzurichten. Mehr Informationen liefern die jeweiligen Schul- und Gemeindebehörden. Findet sich keine Lösung, bleibt der Rechtsweg.







